> > > Borodin Quartet spielt: Streichquartette von Tschaikowsky & Schostakowitsch
Montag, 17. Juni 2019

Borodin Quartet spielt - Streichquartette von Tschaikowsky & Schostakowitsch

Tradition verpflichtet


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die vorliegende DVD liefert ein eindrückliches Zeugnis der verlässlichen musikalischen Qualität eines der traditionsreichsten Kammermusik-Ensembles unserer Zeit.

Das offiziell dienstälteste Streichquartett innerhalb der Klassiklandschaft ist – wenngleich, wie in Anbetracht seiner mittlerweile so langen Existenz fast zu erwarten, nicht in durchgängig unveränderter Besetzung – das aus dem Heimatland seines Namenspatrons stammende Borodin-Quartett. Sein bereits 60-jähriges (!) Bühnenjubiläum feierte das Ensemble, dem zu Zeiten seiner Gründung kurzfristig kein Geringerer als Mstislav Rostropowitsch vor Beginn seiner glanzvollen Solo-Karriere angehörte, im Jahr 2005. Weiteres prominentes Ex-Mitglied der ersten Stunde ist daneben Rudolf Barshai, der sich als ehemaliger Bratschist im Lauf der Zeit, genauer gesagt 1953, zugunsten seiner Dirigentenlaufbahn von seinen Mitspielern löste. Auf dieser, bei Medici Arts erschienenen, eine bereits aus dem Jahr 1987 stammende Produktion enthaltenden DVD ist die Formation in ihrer damaligen Besetzung mit Werken ausschließlich zweier ihrer Landsleute, namentlich Peter Tschaikowskys und Dimitri Schostakowitschs, zu hören und zu sehen.

Sind dem zu Beginn erklingenden ersten Streichquartett D-Dur op. 11 des jungen Tschaikowsky formal doch noch einige kompositorische Mängel in puncto stringenter thematischer Verarbeitung anzumerken, so gibt das Borodin-Quartett indessen schon hier seine individuelle, interpretatorische Handschrift klar zu erkennen: Ein deutlich traditionsorientierter Klang sowie ein hohes Maß an Phrasierungsprägnanz und Intonationspräzision zeichnen das Zusammenspiel der vier Musiker um Primarius Mikhail Kopelman aus. Mit kraftvoll-emphatischem Impetus lassen sie die stürmische Energie der motivisch teils wild-zerklüfteten, melodisch mitunter fast schroff anmutenden Ecksätze zur Entfaltung kommen; mit zartem und feingliedrigem Ton hingegen wird das Andante cantabile ganz im Sinne seiner Satzbezeichnung vorgetragen.

Durchgängige Homogenität und stimmliche Transparenz charakterisieren auch das allgegenwärtige Klangbild des zweiten Tschaikowsky-Quartetts op. 22. Egal, ob es sich um dynamisch forcierte Elemente, wie beispielsweise das Fugato zum Ausklang des Finales, oder getragene Passagen, etwa zu Beginn des Kopfsatzes oder im Andante mit dessen elegischen Ausbrüchen handelt – stets entstehen musikalische Spannungsbögen von hoher Intensität und Impulsivität.

Der zweite Teil gehört sodann den Quartetten Nummer drei (op. 73) und acht (op. 110) von Schostakowitsch, dessen Oeuvre, nebenbei bemerkt, nicht weniger als insgesamt 15 Werke dieser Gattung enthält. Mit ungebrochener Präsenz und gestalterischer Sorgfalt stricken die Ausführenden auch hier ein feinmaschiges Stimmnetz, innerhalb dessen sich so gut wie nie ein Ungleichgewicht zwischen den einzelnen Partien breit macht.

Nach alldem lässt sich sagen, dass mit dieser Veröffentlichung ein lohnender Griff ins Archiv gelungen ist, der das – trotz oder vielleicht gerade wegen seines so langen Bestehens – hohe musikalische Niveau des Borodin-Quartetts trefflich dokumentiert und zudem eine spannende Reise in durchaus auch entlegenere Gefilde der russischen Kammermusik zwischen Spätromantik und Moderne bereit hält.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Borodin Quartet spielt: Streichquartette von Tschaikowsky & Schostakowitsch

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
EuroArts
1
14.11.2008
EAN:

880242722980


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EuroArts

EuroArts Music International ist im Bereich audio-visueller Klassikproduktionen eine der weltweit führenden Produktions- und Distributionsfirmen. Das 1979 gegründete Unternehmen produziert jährlich 10-15 hochwertige Klassik-Programme – darunter Konzertaufzeichnungen in aller Welt sowie aufwändige Dokumentationen.

Renommierte, preisgekrönte Programme und Events haben EuroArts Music zu einem exzellenten internationalen Ruf verholfen. Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts Music mit führenden Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Lucerne Festival Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und vielen anderen.

Die alljährlichen Aufzeichnungen des EUROPAKONZERTs, des Waldbühnen- und Silvester-Konzerts der Berliner Philharmoniker sind erfolgreiche und weltweit etablierte Musikprojekte von EuroArts Music. Im August 2005 produzierte und übertrug EuroArts Music live das weltweit beachtete Ramallah-Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Im Januar 2006 produzierte EuroArts Music die erste Klassik-Live-Übertragung von Peking nach Europa (u.a. mit Lang Lang). Die weltweit einmaligen Musik-TV-Formate 24hoursBach und 24hoursMozart wurden zu zwei international erfolgreichen Musikevents dieses Unternehmens.

In 2012 wurde ein kompletter Prokofiev-Zyklus mit sämtlichen Sinfonien und Klavierkonzerten aufgezeichnet.

Seit vielen Jahren verbindet EuroArts Music eine enge Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Claudio Abbado, Martha Argerich, Yuja Wang und András Schiff sowie renommierten Regisseuren Bruno Monsaingeon, Frank Scheffer und Peter Rosen. Das Ergebnis sind Gesamtaufnahmen wie „The Beethoven Symphonies“ (Abbado/Berliner Philharmoniker) und preisgekrönte Dokumentationen wie Claudio Abbado – Hearing the Silence“ oder „Multiple Identities – Encounters with Daniel Barenboim“. 2006 wurde die EuroArts Music Produktion „Knowledge is the Beginning“ mit dem International Emmy Award (Arts Programming) ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm wurde 2007 mit weiteren Preisen geehrt, darunter der FIPA D'OR Grand Prize 2007 (Kategorie „Performing Arts”) sowie als „Best Arts Documentary„ bei dem renommierten 2007 Banff World Television Festival.

Innovation und Qualität bildeten von Anfang an die Grundpfeiler der Firma. Zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigen dies, darunter:

Oscar® für die Koproduktion von „Journey of Hope”

Grammy Award für „Kurt Weill’s: Rise and Fall of the City of Mahagonny”

Emmy Award und ECHO Klassik für „Knowledge is the Beginning”

2 weitere ECHOs für „A Surprise in Texas” (ECHO Klassik) und

„Django Reinhardt- Three-fingered Lighnting” (ECHO Jazz)

Peabody Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

National Education Award (USA) für „Sir Peter Ustinov: Celebrating Haydn”

 

Sowie folgende Nominierungen:

 

Emmy Award für „Robbie Robertson”

Rocky und Grammy Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

 

Der Katalog von EuroArts Music umfasst rund 1.800 Musikprogramme, darunter gehören neben EuroArts Eigenproduktionen auch Programme von zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen.
Das in Berlin ansässige Unternehmen vertreibt seine Programme weltweit selbst. EuroArts Music gehört auch im Vertrieb von audio-visuellen Musikproduktionen (TV und DVD/Blu-ray) zu den weltweit führenden Distributoren.

Viele eigene Produktionen werden weltweit auf dem eigenen Label EuroArts als DVD und Blu-ray, sowie als digitales Produkt vermarktet.

Seit 2016 werden die physischen Produkte durch Warner Music vertrieben.


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