> > > Mozart, Wolfgang Amadeus: Streichquartette Nr. 14-19
Donnerstag, 20. Juni 2019

Mozart, Wolfgang Amadeus - Streichquartette Nr. 14-19

Aussergewöhnlicher Konzertmitschnitt


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


EuroArts veröffentlicht einen Live-Mitschnitt von Mozarts ?Haydn-Quartetten? mit dem Hagen-Quartett auf zwei DVDs.

‚Ich sage Ihnen vor Gott, als ein ehrlicher Mann, Ihr Sohn ist der größte Komponist, den ich von Person und dem Namen nach kenne. Er hat Geschmack und überdies die größte Kompositionswissenschaft.’

Die bekannten Worte, die Joseph Haydn 1785 nach der Aufführung von Wolfgang Amadeus Mozarts ihm gewidmeten Streichquartetten an Leopold Mozart gerichtet haben soll, dürfen natürlich auch bei dieser Gesamteinspielung nicht fehlen und prangen denn auch auf der Hüllen-Innenseite der DVD-Verpackung. Einen besonderen Reiz gewinnt die bei EuroArts erschienene Veröffentlichung der so genannten ‚Haydn-Quartette’ dadurch, dass es sich hier um die Live-Aufzeichnung einer zyklischen Aufführung handelt, die am 26. Januar 1998 vom renommierten Hagen-Quartett auf die Bühne des Großen Saal im Mozarteum Salzburg gebracht wurde. In musikalischer Hinsicht zeichnet sich das Wagnis, alle sechs Kompositionen an einem Tag zu spielen, aus: Denn der Zuhörer wird mit einer packenden Wiedergabe belohnt, bei der die schlüssige Darstellung der Einzelwerke in den Kontext einer auf das abschließende C-Dur-Quartett KV 465 ausgerichteten Dramaturgie eingebettet wird. Auch wenn jede der Kompositionen auf den beiden DVDs als unabhängiger Konzertfilm mit Vor- und Abspann präsentiert wird, unterstützt die Live-Situation diese Gerichtetheit weit eher, als es jede noch so gelungene Studioproduktion tun könnte. Da das Hagen-Quartett zudem mit hoher Präzision agiert und in Bezug auf die Intonation eher selten Trübungen hören lässt, steht dem Genuss dieses Konzertereignisses nichts im Wege.

Mit homogenem und warmem Ensembleklang, der durch ein glücklicherweise nie übermäßig stark eingesetztes, sorgfältig moduliertes Vibrato bestimmt ist, widmen sich die vier Musiker ihrer Aufgabe. Die differenzierte Abstufung von Klangfarben führt dazu, dass jedes Einzelwerk eine unverwechselbare Atmosphäre erhält, doch bemerkenswert sind insbesondere die sorgfältig eingesetzten Rubati, denen die Musik ihre spannungsvollsten Momente verdankt. So gewinnt etwa der Durchführungsbeginn im Kopfsatz des Quartetts G-Dur KV 387 durch eine vorübergehende Suspension des durchlaufenden Metrums fast rezitativische Qualitäten, was die Wirkung des weiteren Satzverlaufs nachdrücklich unterstreicht. Hiermit vergleichbar ergibt sich in der Kopfsatz-Durchführung des Quartetts Es-Dur KV 428 eine locker gefügte, emotional aufgeladene Wechselrede zwischen den Instrumenten, die in einen fahlen Durchführungsschluss mündet und von da an fast unmerklich wieder das Thema anstimmt. Darüber hinaus erfährt die Reihung rhythmisch gleichmäßiger melodischer Linien in langsamen Werkteilen wie dem Adagio aus dem B-Dur-Quartett KV 458 durch minimale Verzögerungen und Verschiebungen eine expressive Steigerung im Sinne deklamatorischen Charakters.

Von großem Können zeugt auch die Darstellung der zahlreichen kontrapunktischen Passagen durch das Ensemble. Sehr differenziert ist etwa die Polyphonie in den Rahmensätzen des Quartetts A-Dur KV 464 realisiert: Während sie nämlich im Kopfsatz immer wieder neu aufgenommen wird und mit Unisonopassagen alterniert, entfaltet sie sich im Finale zu einem musikalisch durchsichtig strukturierten Stimmgewebe. Im Hinblick auf all diese Gestaltungsmittel ist das abschließende ‚Dissonanzenquartett’ ein Höhepunkt der Einspielung, da in ihm alle Fäden aus den vorangegangenen Werken zusammenlaufen: Die Kopfsatzeinleitung ist stark, mit fahlem Klang vorgetragen, kontrastierend hierzu entfaltet der Satz mit dem anschließenden Hauptthema eine heiterere Gelöstheit, ohne jedoch – vor allem in der Durchführung – der Dramatik zu entbehren. Diese subtile Wiedergabe wird in den beiden Mittelsätzen fortgesetzt, um in der zwar dicht komponierten, aber dennoch transparent wirkenden Fuge des Finales eine letzte Steigerung zu erfahren.

Wenn es kleinere Einwände gegen die Interpretation des Hagen-Quartetts gibt, so betreffen sie die melodischen Rutscher, die meist in den langsamen Sätzen auftreten, vor allem aber die stark vom Legato geprägte Artikulation des Ensembles, die – wie in Menuett und Finale von KV 387 – gelegentlich zu einer für meinen Geschmack zu stark forcierten Darstellung führt. Das ändert aber nichts daran, dass es sich hier gerade aufgrund der Live-Situation um eine außerordentlich spannende Aufnahme handelt. Diesem Niveau entsprechen auch Bildregie und Kameraführung, denn hier steht der Versuch im Vordergrund, mithilfe der Bildebene den Spuren des musikalischen Satzes nachzuspüren und etwa in fugierten Teilen den Einsätzen der Instrumente zu folgen. Unnötige Mätzchen wie Schwenks oder Zooms werden dagegen geflissentlich vermieden, wodurch die visuelle Umsetzung das Hörerlebnis nachhaltig unterstützen kann.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mozart, Wolfgang Amadeus: Streichquartette Nr. 14-19

Label:
Anzahl Medien:
EuroArts
2
Medium:
EAN:

DVD
880242723284


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EuroArts

EuroArts Music International ist im Bereich audio-visueller Klassikproduktionen eine der weltweit führenden Produktions- und Distributionsfirmen. Das 1979 gegründete Unternehmen produziert jährlich 10-15 hochwertige Klassik-Programme – darunter Konzertaufzeichnungen in aller Welt sowie aufwändige Dokumentationen.

Renommierte, preisgekrönte Programme und Events haben EuroArts Music zu einem exzellenten internationalen Ruf verholfen. Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts Music mit führenden Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Lucerne Festival Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und vielen anderen.

Die alljährlichen Aufzeichnungen des EUROPAKONZERTs, des Waldbühnen- und Silvester-Konzerts der Berliner Philharmoniker sind erfolgreiche und weltweit etablierte Musikprojekte von EuroArts Music. Im August 2005 produzierte und übertrug EuroArts Music live das weltweit beachtete Ramallah-Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Im Januar 2006 produzierte EuroArts Music die erste Klassik-Live-Übertragung von Peking nach Europa (u.a. mit Lang Lang). Die weltweit einmaligen Musik-TV-Formate 24hoursBach und 24hoursMozart wurden zu zwei international erfolgreichen Musikevents dieses Unternehmens.

In 2012 wurde ein kompletter Prokofiev-Zyklus mit sämtlichen Sinfonien und Klavierkonzerten aufgezeichnet.

Seit vielen Jahren verbindet EuroArts Music eine enge Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Claudio Abbado, Martha Argerich, Yuja Wang und András Schiff sowie renommierten Regisseuren Bruno Monsaingeon, Frank Scheffer und Peter Rosen. Das Ergebnis sind Gesamtaufnahmen wie „The Beethoven Symphonies“ (Abbado/Berliner Philharmoniker) und preisgekrönte Dokumentationen wie Claudio Abbado – Hearing the Silence“ oder „Multiple Identities – Encounters with Daniel Barenboim“. 2006 wurde die EuroArts Music Produktion „Knowledge is the Beginning“ mit dem International Emmy Award (Arts Programming) ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm wurde 2007 mit weiteren Preisen geehrt, darunter der FIPA D'OR Grand Prize 2007 (Kategorie „Performing Arts”) sowie als „Best Arts Documentary„ bei dem renommierten 2007 Banff World Television Festival.

Innovation und Qualität bildeten von Anfang an die Grundpfeiler der Firma. Zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigen dies, darunter:

Oscar® für die Koproduktion von „Journey of Hope”

Grammy Award für „Kurt Weill’s: Rise and Fall of the City of Mahagonny”

Emmy Award und ECHO Klassik für „Knowledge is the Beginning”

2 weitere ECHOs für „A Surprise in Texas” (ECHO Klassik) und

„Django Reinhardt- Three-fingered Lighnting” (ECHO Jazz)

Peabody Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

National Education Award (USA) für „Sir Peter Ustinov: Celebrating Haydn”

 

Sowie folgende Nominierungen:

 

Emmy Award für „Robbie Robertson”

Rocky und Grammy Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

 

Der Katalog von EuroArts Music umfasst rund 1.800 Musikprogramme, darunter gehören neben EuroArts Eigenproduktionen auch Programme von zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen.
Das in Berlin ansässige Unternehmen vertreibt seine Programme weltweit selbst. EuroArts Music gehört auch im Vertrieb von audio-visuellen Musikproduktionen (TV und DVD/Blu-ray) zu den weltweit führenden Distributoren.

Viele eigene Produktionen werden weltweit auf dem eigenen Label EuroArts als DVD und Blu-ray, sowie als digitales Produkt vermarktet.

Seit 2016 werden die physischen Produkte durch Warner Music vertrieben.


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