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Montag, 19. August 2019

Sánches-Verdú, José M. - Orchesterwerke

Geschichte als Unterton


Label/Verlag: Kairos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Sinnliche Kompositionen des spanischen Komponisten José M. Sánchez-Verdú.

Das Wiener CD-Label Kairos legt jetzt eine Reihe mit dem Titel 'España – La Nueva Generación' auf, die in drei Jahren auf die stattliche Zahl von 15 CDs anwachsen soll. Zum ersten Block gehört die Portrait-CD mit Orchesterwerken des Komponisten José M. Sánchez-Verdú. Er ist hierzulande schon recht bekannt: neben zahlreichen Preisen und Aufträgen, die er in der Bundesrepublik erhielt, lehrt er Komposition an der Musikhochschule in Düsseldorf. Sein Verlag ist Breitkopf und Härtel in Wiesbaden, auf zahlreichen Festivals hierzulande waren seine Werke bereits zu hören.

Brückenkopf

Das Booklet verweist auf die europäisch-arabische Tradition, in der sich Sánchez-Verdú sieht. Geboren in wurde er in Algeciras, einst Brückenkopf der maurischen Eroberer in Spanien. Fast 800 Jahre lang überlebte die maurische Herrschaft, zu ihrer Blütezeit schickten europäische Fürsten ihre Söhne zur Ausbildung nach Cordoba. Dass Sánchez-Verdú dieses Verwobene der Kulturen auch in seiner Musik verarbeitete, sieht man nicht nur an Titeln wie 'Alqibla' (1998, der Punkt, der betende Muslimische Gläubige die Richtung nach Mekka weist) oder 'Ahmar-aswad' (2000-2001, Rot-Schwarz). Sie zeigen sich nicht nur in den in 'Alqibla' geflüsterten Versen aus dem 9. Jahrhundert. Er schreibt auch keine Musik mit offensichtlichen arabischen Anleihen. Die Verwobenheit geht tiefer, Sánchez-Verdú hat sich beide Traditionen anverwandelt. Die vorliegenden eingespielten Werke, dazu zählen neben den bereits erwähnten auch 'La rosa y el ruisenor' (2005), 'Elogio del horizonte' (2005–2007) und 'Paisajes del placer y de la culpa' (2003), haben keine bewegte äußere Dramatik, sie sind eher statisch, wie eine Architektur, durch die man schreitet. Sie schillern nicht, sind aber fein verziert, in unzähligen Ornamenten, sind sehr plastisch ohne bildhaft zu sein. Vor allem sind sie sehr sinnlich, sinnlich-schön, und diese Sinnlichkeit ist berauschend. Und trotz der Statik, trotz der Ornamente ist die Musik ungemein spannend. Häufig erklingen Reminiszenzen an vergangene Zeit, Melodien, die aus der Vergangenheit herausklingen, nicht so dominant zelebriert wie etwas bei Schnittke, eher unauffällig. Die Geschichte ist hier ein Klang, ein Unterton, der immer mitschwingt. Die Kunst ist hier insofern politisch, als sie das problemlose Miteinander der Kulturen eher unterschwellig transportiert.

Die fünf Werke wurden von vier verschiedenen Orchestern durchgehend ausgezeichnet interpretiert, sind gut durchhörbar, die verschiedenen Farben herausgearbeitet, jeder Ton strotzt vor Sinnlichkeit.

Das Booklet ist, wie bei Kairos üblich, ästhetisch ansprechend und sogar mit Notenbeispielen ausgestattet. Bedauerlicherweise erweckt allerdings der erste, umfangreichere Text den Eindruck, dass er eigentlich für eine andere Zusammenstellung geschrieben wurde – man erfährt nur indirekt etwas über die vorliegende eingespielten Werke Sánchez-Verdús, um so mehr aber über andere Kompositionen. Der zweite Text wirkt da nachgeschoben. Die Wiedergabe gesungener oder geflüsterter Texte im Booklet ist unvollständig, eine Übersetzung fehlt ganz und gar.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Patrick Beck Kritik von Patrick Beck,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Sánches-Verdú, José M.: Orchesterwerke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Kairos
1
14.11.2008
Medium:
EAN:

CD
9120010281358


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Sánchez Verdú, José Maria


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Dirigent(en):Zagrosek, Lothar


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Kairos

KAIROS, das 1999 von Barbara Fränzen und Peter Oswald gegründete Label mit Sitz in Wien, widmet sich ausschließlich der Veröffentlichung von Werken Neuer Musik. Neben Werk- und Künstlerauswahl sind höchste Ansprüche in der Tontechnik und eine moderne Verpackung, unterstützt durch die Covergestaltung des österreichischen Malers Jakob Gasteiger, wesentlicher Bestandteil des Gesamtkonzepts.
KAIROS ist der erfüllte, der gelingende Augenblick. Mit diesem Wort benannte die griechische Antike die glückliche Übereinstimmung des Hier mit dem Jetzt, den günstigen Moment, der schicksalhaft entgegentritt und entschieden genutzt werden will.
KAIROS will jene erfüllte Zeit, die wir ?Musik? nennen, aufbewahren. Was musikalisch an der Zeit ist, heutigem Hören neue Räume und Erfahrungen öffnet, soll in Interpretationen, die den günstigen Moment ergriffen haben, für unsere Hörer gebannt werden.
Der Augenblick, und wäre er noch so schön, verweilt nicht. Aber er kann wiederkehren, und obwohl wir dann nicht mehr die selben sind, kann er uns erneut ergreifen und verwandeln. In diesem Sinn will KAIROS die Musik der Gegenwart, die unendlichen Abenteuer des Hörens, die sie bietet, der Zeitgenossenschaft zurückschenken. Damit die Gunst des Moments nicht ungenutzt vorüberzieht.
KAIROS will die Musik der Gegenwart wieder zu Musik für die Gegenwart machen. Dabei gehen wir in der Auswahl der Komponisten und ihrer Stücke keine Kompromisse ein: nur Musik, an deren Kraft und Fortbestehen wir glauben, die herausfordernde ästhetische Positionen einnimmt und neue Wege des Klangempfindens erschließt, soll in einer auf das individuelle Werk abgestimmten Aufnahmequalität präsentiert werden. Ausführliche, informative Booklets mit lesbaren Werkkommentaren und Beiträgen von Schriftstellern, die den Komponisten wahlverwandt sind, sollen nicht nur Musikkenner ansprechen sondern auch all jene neugierig machen, die neue künstlerische Entwicklungen unserer Zeit erleben wollen.
Die einzelne CD wird so zu einer Art Gesamtkunstwerk, ausgestattet mit einem Booklet, dessen Texte sich dem Nicht-Sagbaren der Musik auf essayistische, analytische und literarische Weise annähern, und in einer gleichermaßen kunstvollen wie praktikablen Box, deren Cover von dem österreichischen Künstler Jakob Gasteiger gestaltet sind. KAIROS: Musik als Wegbegleitung für den Aufbruch in neue Zeitalter.


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