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Sonntag, 16. Mai 2021

Wallin, Rolf - Orchesterwerke

Energiebündel


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Osloer Philharmonische Orchester zeigt sich als optimaler Interpret der klangsinnlichen Werke Rolf Wallins. Drangvoller und klanglich feinsinniger könnte man diese Musik nicht interpretieren.

Nicht selten kommt es vor, dass durch den vehementen Eintritt eines bekannten und geschätzten Interpreten für einen eher unbekannten Komponisten letzterer ein Stück weit in den Gesichtskreis des Publikums gerückt wird. Dem norwegischen Komponisten Rolf Wallin mag man wünschen, dass das eben Beschriebene mithilfe des blutjungen, aber momentan heiß umworbenen Schlagzeugstars Martin Grubinger gelingt, der Wallins Konzert für Perkussion und Orchester ‘Das war schön!’ auf ebenso schöne Weise zum Leben erweckt – auch wenn Rolf Wallin dieses Schlepptau aufgrund seiner kompositorischen Klasse gar nicht nötig hätte. Anders aber gelänge es wohl kaum, Musik aus dem hohen Norden einem mitteleuropäischen Publikum schmackhaft zu machen.

Klangopulent und drängend

In grellem Neonorange gehalten, macht diese Veröffentlichung aus dem Hause Ondine einen fast aggressiven Eindruck; das passt ganz gut zu jenem vor Energie berstenden Orchesterstück ‘Act’, das namensgebend ist für diese grandiose Scheibe mit drei Orchesterwerken aus Feder Rolf Wallins. In drei großen Wellen führt der Komponist in ‘Act’ die Musik zu einer mitreißenden Schlusssteigerung, deren Kraft man sich kaum entziehen kann. Über vereinzelte Flötenkaskaden gelangt Wallin zu einer Klangmassierung, die, auf einem Binnenhöhepunkt angelangt, abgebrochen wird, um nach einer kurzen Ermattung wieder anzuheben. Dabei geht es vor allem darum, den gesamten, riesigen Orchesterapparat nach und nach in ein Klangkontinuum zu überführen, die Einzelkräfte zum Kollektiv zu binden. Dieses aktionsreiche, zuweilen fast aktionistische Manöver gelingt Wallin formdramaturgisch, kompositorisch und instrumentatorisch auf fabelhafte Weise. Ohne Rücksicht auf (mit spitzer Zunge formulierte) Reinheitsgebote zeitgenössischer Musik erzeugt er durch Akzentverschiebungen des in gleichmäßige Pulsation überführten Orchesters rhythmischen Drive und mit diesem eine unwiderstehliche Sogwirkung. ‘Act’ mag nichts sein für Apostel des kompositorischen Fortschritts. Die fast körperlich spürbare Kraftentladung orchestralen Volumens und die berstende Energie dieses Stücks machen aber auf wunderbare und sehr wirkungsvolle Weise deutlich, was diese Musik ausmacht: schiere Klangkraft. Wer sich der Klangspannung von ‘Act’ aussetzt, kann mit Fug und Recht behaupten, etwas Bewegendes erlebt zu haben.

Brillante Klangerfindungen

 

Nicht minder faszinierend sind die Klangerfindungen in dem Konzert für Perkussion und Orchester ‘Das war schön!’ aus dem Jahr 2006. Zurückgreifend auf Vogelstimmen und Grundmaterial, das Wallin bei Mozart fand, geriet dem Komponisten mit diesem Konzert ein mit instrumentaler Farbpracht, melodischen Fragmenten, Rhythmen und virtuoser Perkussion schillerndes Werk, das der österreichische Jungstar Martin Grubinger zusammen mit dem Oslo Philharmonic Orchestra und John Axelrod auf beeindruckende Weise präsentiert. Ebenso klangsinnlich wie filigran gearbeitet ist ‘Tides’ aus dem Jahr 1998 für sechs Schlagzeuger und Orchester. Allein schon wegen der klanglichen Schattierungen der Becken zu Anfang des Stücks ist ‘Tides’ hörenswert; noch reichhaltiger werden die Farben dann bei Eintritt des Orchesters, das Jukka-Pekka Saraste mit Sinn für die Klangpracht der Musik Rolf Wallins geschmack- und effektvoll neben dem hochvirtuosen Kroumata Percussion Ensemble in Szene zu setzen weiß.

Garant für die ganz unterschiedlichen, mal unglaublich fein schattierten, mal brachial kraftvollen Klangwirkungen, ist ein sehr direkter Orchesterklang, der das breite Panorama an Abstufungen sehr gut abbildet. In dem von Jaap van Zweden dirigierten ‘Act’ wird ein dynamisches Band abgedeckt, das von leisestem Flirren zu größter Wucht reicht; auch hier bleibt die technische Umsetzung dem Stück nichts schuldig.

Mit dieser wunderbaren, beinahe süchtig machenden Platte ist dem finnischen Label Ondine eine weitere Glanztat geglückt. Man kann nur hoffen, dass man dort noch mehr Wallin zu hören bekommt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Wallin, Rolf: Orchesterwerke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ondine
1
29.03.2010
Medium:
EAN:

CD
761195111826


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Dirigent(en):Axelrod, John


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Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


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