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Mittwoch, 12. Dezember 2018

Bach, Johann Sebastian - Goldberg-Variationen BWV 988

Variationen über Variationen


Label/Verlag: Querstand
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Vieles an dieser Aufnahme erscheint deshalb breiter, fließender, ruhiger als gewohnt. Die Musiker heben die jeweiligen Themen oft nur durch leichtes Timbrieren des Tons heraus; ein toller Effekt!

Verschiedene Lesarten der Bachschen Goldberg-Variationen haben sich wohl in jedem größeren Plattenschrank ihr Plätzchen erobert. Bekannt sind sie etwa als Eckpfeiler der Karriere des Pianisten Glenn Gould (Einspielungen von 1955 und 1981); weniger bekannt sind eine leider übersteuerte, in ihrer dramatischen Agogik ungewöhnliche Gouldsche Tonbandaufnahme aus dem Jahr 1954 oder der Mitschnitt seines fulminanten Auftritts bei den Salzburger Festspielen 1959. Auch heute nutzen junge Solisten das technisch anspruchsvolle Werk gern als Visitenkarte, um sich im Konzertbetrieb einen Namen zu machen; später, wenn man ‘ad parnassum’ vorstößt, darf eine verinnerlichte Version nicht fehlen. Neben wahren Diamanten (Murray Perahia, oder die fünf erhaltenen Aufnahmen von Tatjana Nikolajewa) finden sich in der Sammlung eines Liebhabers vielleicht die possierliche Verspieltheit eines Martin Stadtfeld, der die Oktavregister seines Steinways beliebig nach oben oder unten schraubt und sich so spätestens nach der vierten Variation wenn nicht einer neuen geistigen Armut, so doch einer stilistischen Manieriertheit anheimgibt (2004), oder die noble, interessant verzierte Lesart eines Keith Jarrett auf einem doppelmanualigen japanischen Cembalo Baujahr 1988; und nicht verschwiegen werden soll, daß der Rezensent sich mit zwei Kollegen auch an die Interpretation der Umschrift des Werkes für Streichtrio aus der Feder von Dmitri Sitkovetzky gewagt hat (das Unternehmen scheiterte nach immensem Übeaufwand an der vergleichsweise geringen gemeinsamen Genußausbeute).

Nun also das Dresdner Streichtrio (Jörg Faßmann, Sebastian Herberg, Michael Pfaender) mit einer rückgebauten Urfassung des Werks – sie hielten sich streng an die Bachsche Notation und strichen die moderierenden Änderungen Sitkovetzkys. Wenn man sich beim Hören (und beim Durchblättern des feinen Klappalbums von querstand) eines leichten Gefühls von Verschultheit zuerst nicht erwehren kann, so wird die Einspielung doch bei jedem Hören interessanter. Faszinierend zu beobachten, wie die Instrumente in den drei Stimmregistern ein jeweils klangliches Eigenleben zu führen beginnen und sich die verschiedenen Melodiestränge polyphon überlagern, in der Führung abwechseln, imitieren und kontrapunktisch ergänzen; dieses Schichtendenken spürt man vielleicht noch in den klugen Registrierungen eines Hans Pischner (der die Goldberg-Variationen während seiner Zeit als Intendant der Deutschen Staatsoper Berlin aufnahm); am modernen Flügel muß es zwangsläufig verblassen, will man nicht behelfsweise zu dynamischen oder artikulatorischen Abstufungen greifen.

Vieles an dieser Aufnahme erscheint deshalb breiter, fließender, ruhiger als gewohnt. Die Musiker heben die jeweiligen Themen oft nur durch leichtes Timbrieren des Tons heraus; ein toller Effekt! Die Fassung dauert insgesamt (mit allen Wiederholungen) fast anderthalb Stunden und ist deshalb auf zwei CDs verteilt, was die Hörfreude unter Umständen etwas beeinträchtigt, da man wie bei den alten Platten mitten im Werk zur Maschine eilen muß, um ‘umzudrehen’.

Dennoch: knackig eilt die erste Variation herbei, im eiligen Sautillé flitzt Nummer Fünf vorüber; Kanon für Kanon, Stück für Stück erhalten die einzelnen Variationen ihr ganz eigenes Gesicht. Gewitzt gezupft, mit einer fein gestrichenen Singstimme als Choralthema erklingt die neunzehnte Variation; der ‘Kraut-und-Rüben’-Kanon beginnt samtig, flautando-e-non-vibrato – eine wunderbar beruhigende Stimmung leitet den Hörer in die Schlussaria, die noch einmal eine halbe Minute länger als ihre jüngere Schwester daherkommt. Ende. Und gleich noch einmal: so schön ist diese neue alte Welt.

Interpretation:
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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Goldberg-Variationen BWV 988

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Querstand
2
25.08.2006
EAN:

4025796006018


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Querstand

Mit viel Liebe zum Detail bringt das querstand-Label dem interessierten Hörer die Vielfalt und Schönheit der klassischen Musik auf wenig ausgetretenen Pfaden näher. Das Label hat sich seit 1994 durch die Produktion hochwertiger klassischer CDs einen ausgezeichneten Ruf erworben. Über 500 Produktionen werden weltweit vertrieben, wobei ein Augenmerk auf Orgelmusik liegt. Die Gesamteinspielung der Orgelwerke von Johann Ludwig Krebs (bisher 11 CDs) und des Kantaten- und Orchesterwerkes des berühmten Bachschülers bilden ein Glanzlicht des Labels, dem mit der Serie ?Die Orgeln von Gottfried Silbermann? (8 CDs) ein weiteres zur Seite gestellt wurde (Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik 2003). Auch im kammermusikalischen und sinfonischen Bereich wurden zahlreiche CDs veröffentlicht, etwa mit dem Gewandhausorchester Leipzig. Mit der Aufnahme des Passionsoratoriums ?Der Tod Jesu? von Carl Heinrich Graun mit dem MDR Rundfunkchor und dem MDR Sinfonieorchester unter Howard Arman gewann das Label 2005 einen ECHO Klassik-Award. Im Jahre 2013 erhielt die 9-CD-Box mit allen Sinfonien Anton Bruckners, eingespielt von Herbert Blomstedt mit dem Gewandhausorchester Leipzig, den ICMA (International Classical Music Award). Mit Verlagssitz im Thüringischen Altenburg kann querstand von der einzigartigen Vielfalt der mitteldeutschen Musiklandschaft profitieren, die sich auch im Verlagsprogramm niederschlägt. Neben den vielseitigen Einflüssen der fantastischen Orgellandschaft der Region, ist es auch die Nähe zur Musikstadt Leipzig mit ihrer wunderbaren Tradition und facettenreichen Szene, auf die das Label besonderes Augenmerk richtet.


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