> > > Chopin, Frederic: Preludes Nr. 1-24
Sonntag, 20. Januar 2019

Chopin, Frederic - Preludes Nr. 1-24

Nichts für Beckmesser: Alfred Cortot und Chopins Preludes


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Cortots Ausnahmestellung in der Klavierwelt wird auch von diesem Recital bestätigt.

Die Meinungen über Alfred Cortot gehen weit auseinander. Das hat nicht allein mit seiner Begeisterung für den Faschismus zu tun. Auch seine Musikalität wird in Zweifel gezogen. Man hält ihm wildromantische Exzentrik vor, eigensinnige Verzerrungen des Notentexts (z.B. durch forciertes Rubato) und eine unzuverlässige Pianistik. Andere, darunter beispielsweise Alfred Brendel, begeistern sich an seiner lyrischen Charakterisierungskunst und Klangphantasie: Wenn Alfred Cortot Chopin spielt, dann scheint es, als säße der Meister selbst am Klavier und improvisierte. Um es vorwegzunehmen: Die Naxos-CD mit Aufnahmen der Jahre 1926 bis 1950 (die erste einer fünfteiligen Reihe, die gänzlich Cortots Chopin-Spiel gewidmet ist) gibt den Bewunderern Recht. Die vorzüglichen Überspielungen durch Mark Obert-Thorn gewährleisten ein überaus präsentes, körperhaftes Klangbild, das dem mutmaßlichen Live-Eindruck bemerkenswert nahe kommt. Das gilt sogar für die ältesten Aufnahmen dieser CD: Die wenig bekannten Preludes op. 28 des Jahres 1926.

Die Meisterschaft Cortots kommt ohne Einschränkung zur Geltung: Die Tempi sind variabel (ohne je die Kontinuität zu gefährden), kantable Phrasierungen lassen Chopins Bellini-Begeisterung ahnen, weit gespannte Legatozusammenhänge werden sorgfältig abgeschattet. Cortots ‚Modulationskunst’ hat in der Tat kaum ihresgleichen. Rhythmus, Melodie und Harmonie finden sich in vollendeter Balance. Alle Einwände wegen mangelnder Notentreue nehmen sich angesichts solcher Resultate merkwürdig beckmesserisch aus. Die berüchtigten manuellen Unsicherheiten halten sich in engen Grenzen. Sie stören den musikalischen Eindruck nicht im Geringsten. Das gilt im gleichen Maße für die übrigen Programmpunkte des Recitals, darunter vier Impromptus (op. 29, op. 36, op. 51, op. 66) und die Berceuse, op. 57. An Transparenz und Leuchtkraft sind diese Aufnahmen der Jahre 1933 bzw. 1949 besagten Preludes um einiges überlegen. Dass manche Unsauberkeiten (besonders in raschen Passagen) deutlicher hörbar werden, fällt kaum ins Gewicht. (Die Tarantelle, op. 43, ist naturgemäß besonders betroffen.) Fast möchte man sagen: Sie verstärken den Eindruck ‚impressionistischen’ Klangfarbenzaubers, wie das Sfumato auf Bildern Leonardos. Es sind nicht viele Pianisten, deren ‚falsche’ Töne so beglücken können.

Kurzum: Cortots Ausnahmestellung in der Klavierwelt wird auch von diesem Recital bestätigt. Wer einen phantastisch-schumannnahen oder ‚malerisch-impressionistischen’ Chopin hören möchte, wird weiter auf Cortot verwiesen blieben. Als Ergänzung zum ‚männlich’ gefassten, aristokratischen Spiel Rubinsteins ist er in jedem Fall von Belang.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Chopin, Frederic: Preludes Nr. 1-24

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
14.11.2005
EAN:

747313302321


Cover vergössern

Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Naxos:

  • Zur Kritik... Ein treues Weib mal anders: Ein wichtiges, äußerst erhellendes Werk der Musikgeschichte in leider allzu minderwertiger Wiedergabe. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Beglaubigt: Ralf Otto und seine Ensembles setzen den erfrischenden Erfolg ihrer Johannes-Passion mit diesem klangschönen, ausgeglichen besetzten Weihnachtsoratorium fort. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... 30 Jahre Naxos: Eine 30-CD-Box, die 30 Jahre Labelgeschichte dokumentiert. Hut ab! Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
blättern

Alle Kritiken von Naxos...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Daniel Krause:

blättern

Alle Kritiken von Dr. Daniel Krause...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Darstellerisch profiliert: Darstellerisch herausragende Interpretation von Brittens erster Kammeroper 'The Rape of Lucretia', musikalisch aber keine neue Referenz. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Apparatschik mit Qualitäten: Prokofjew und Schostakowitsch berieten Kabalewsky – davon profitiert sein zweites Streichquartett. Das Stenhammer Quartett ermöglicht einen Zugang. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Goldstandard: Das Orlando Consort steht seit einigen Jahren für den Goldstandard bei Guillaume de Machaut. Und die Vokalisten setzen das im sechsten Teil ihrer Reihe ohne Mühe fort. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

Class aktuell (4/2018) herunterladen (2986 KByte) NOTE 1 - Mitteilungen (1/2019) herunterladen (2248 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Georg Philipp Telemann: Herr Gott, Dich loben wir - Coro Großer Schöpfer, Dein Erhalten

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich