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Samstag, 24. Februar 2018

Händel, Georg Friedrich - Solomon

Solides Niveau


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine Einspielung auf solidem Boden, tontechnisch meisterlich ausbalanciert und mit einem, für Naxos außergewöhnlich niveauvollen Einführungstext von Joachim Carlos Martini selbst.

Eine bekannte Geschichte in äußerster Kürze wiedergegeben: nachdem seine Opern mehr und mehr unpopulär wurden, wandte sich Georg Friedrich Händel der Komposition von Oratorien zu. ‚Solomon’ von 1748 zählt zu Georg Friedrich Händels unleugbaren Meisterwerken seines Oratorienschaffens. Alles, was eine gute und wirksame Dramaturgie ausmacht, ist enthalten: Massenszenen, Pomp und delikate Liebesmusik vor dem Hintergrund der alttestamentlichen Erzählung, die den Grundstoff des Librettos bildet, dieses aber auch die ‚Jüdischen Altertümer’ des Flavius Josephus mit einbezieht.

Seit Jahren widmet sich Joachim Carlos Martini in Theorie und Praxis dem oratorischen Schaffen Händels und dezidiert den meist noch wenig beachteten Oratorien. Seine Aufführungen Händel’scher Oratorien mit der Jungen Kantorei und dem Barockorchester Frankfurt sind geradezu legendär. Es sind dies rundherum stimmige Darbietungen zweiter Ensembles, die seit vielen Jahren miteinander musizieren und über die Jahre hinweg eine homogene individuelle Klanglichkeit erworben haben, die sich bereits in zahlreichen Einspielungen niedergeschlagen hat. Für Naxos hat Martini mit ‚seinen’ Ensembles Händels ‚Athalia’, ‚Deborah’, ‚Saul’, Gideon’, Nabal’ und ‚Il Trionfo del Tempo e della Verità’ aufgenommen. Jetzt legt er ‚Solomon’ vor, in einer Live-Aufnahme vom 30. Mai 2004 im Kloster Eberbach im Rheingau. Eine energiegeladene Aufführung von spannungsreicher Intensität und Konzentration, in der vor allem das solistische Personal das grundsolide Niveau etabliert und stellenweise herausragende Momente hat. Die polnische Mezzo-Sopranistin Ewa Wolak führt die Solistenriege mit einem kraftvollen, geradezu männlich timbrierten Salomon an. Matthias Vieweg als Levit singt seine Linie klangschön aus, könnte in der Tiefe jedoch ein profunderes Volumen vertragen. Den Zadok gibt Knut Schoch mit jenem schlanken, aber klar an der Phrase orientierten Tenor-Klang, wie er in England kultiviert wird und wie er geeigneter für Händels Oratorien nicht sein könnte. Ein Glanzpunkt der Aufnahme. So auch die beiden Sopranistinnen Elisabeth Scholl und Nicola Wemyss, die allein durch die Klarheit des Tons und die unprätentiöse Gestaltung der Arien brillante Augenblicke dieser Live-Aufzeichnung schaffen.

Die aus Laien bestehende Junge Kantorei, die sich für jedes Chorprojekt einer intensiven Probenarbeit unterziehen, meistern die Chorpartien in der doppelchörigen Anlage diszipliniert und intonatorisch sauber. Stets bleibt der Chor klanglich flexibel, singt die Phrasen mit großer Intensität aus – alles in ausgereifter Homogenität. Der in hörbar großer Zahl disponierte Chor mag hier und da ein wenig schleppen und Textdeutlichkeit vermissen lassen, doch viel wichtiger ist der Elan des Ensembles, das Martini mit routinierter Hand durch das Oratorium führt. Das Barockorchester Frankfurt kommt erst nach der müßig dahinphrasierten und rhythmisch unentschlossen gespielten Ouvertüre auf Touren. Martini entfacht den Spielwitz, die bestechend scharfe Artikulation und rhythmische Verve des Orchesters erst mit Beginn der ersten Szene. Dann aber lässt sich unter der Hand des versierten Martini ein die Dramaturgie des Oratoriums stets vorantreibendes Instrumentalensemble hören, der Motor des großen Bogens, den das Oratorium verlangt, voller Binnenspannung in der Faktur.

Eine Einspielung auf solidem Boden, tontechnisch meisterlich ausbalanciert und mit einem, für Naxos außergewöhnlich niveauvollen Einführungstext von Joachim Carlos Martini selbst. Das Libretto ist übrigens im Internet als PDF-Datei abrufbar.

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Klangqualität:
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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Händel, Georg Friedrich: Solomon

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
2
26.06.2006
EAN:

747313257423


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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