> > > Bach, Johann Sebastian: Partita II c-moll, BWV 826
Donnerstag, 22. November 2018

Bach, Johann Sebastian - Partita II c-moll, BWV 826

Zeitreise am Klavier


Label/Verlag: Animato
Detailinformationen zum besprochenen Titel


. Christiane Klonz stellt herausragende pianistische Fertigkeiten unter Beweis und vermag es dabei, sich perfekt in die Gefühlswelt verschiedener Komponisten und Epochen hineinzuversetzen.

Man kann einen Bezug zur bevorstehenden Tournee annehmen, wenn fast zehn Jahre altes Material ausgerechnet jetzt weiterverarbeitet und – garniert mit einigen Farbfotos der Interpretin – als Portrait-CD auf den Markt gebracht wird. So geschehen ist es im Falle der Konzertpianistin Christiane Klonz, die beim Label Animato jüngst ihre dritte CD herausgebracht hat. Erwähntes Material besteht dabei aus drei Studioaufnahmen und einem Konzertmitschnitt aus dem Jahre 1997.

Typisches Programm?

Zwar sind mit Johann Sebastian Bachs Partita II in c-Moll (BWV 826), Mozarts Klaviersonate F-Dur KV 280 und Chopins ‚Grande Polonaise brillante Es-Dur précédée d’un Andante spianato’ op. 22 drei repräsentative Werke aus drei Epochen vertreten, mit denen sich nicht nur technische Fähigkeiten und interpretatorische Flexibilität beweisen lassen, sondern die dabei auch für ein größeres Publikum attraktiv bleiben; ins Auge springt aber sofort der Abschluss der CD. Klonz macht doch tatsächlich vor dem – logisch folgenden – 20. Jahrhundert nicht Halt. Zwar hat es dann zu einem Stockhausen oder Boulez nicht gereicht, immerhin aber ist mit Dmitri Schostakowitschs erster Klaviersonate op. 12 ein Werk vertreten, das ausreichend Ecken und Kanten aufweist, um es eigentlich gar nicht erst in die engere Werkauswahl geschafft zu haben. Einen Sympathiebonus hat die Produktion allein schon dafür bei mir gut.   

Technik und Ausdruck

Die in Rostock und Berlin ausgebildete, in Mecklenburg-Vorpommern lebende Pianistin Christiane Klonz gefällt durch die gelungene und bestens ausgewogene Mischung von technischer Brillanz, kultiviertem Anschlag, rhythmischer Präzision und durchdachter individuelle Gestaltung. Nie wird es leblos mechanisch, nie wird Virtuosität zum Selbstzweck erhoben; das resultierende Klangbild ist gleichermaßen bewegend wie transparent. Starallüren gibt es ebenso wenig wie besondere Mätzchen, die nur dem Zweck dienen, sich von anderen Einspielungen abzuheben. Gleich in Bachs Partita II trifft Klonz die goldene Mitte zwischen Technik und Ausdruck; die würdevolle Interpretation ist der Komposition absolut angemessen. In Chopins Polonaise kann sich die Pianistin von einer gänzlich anderen Seite zeigen und ihrem Instrument funkelnde Farben entlocken, was ebenso eindrucksvoll gelingt. Christiane Klonz vermag es tatsächlich – die beiden Interpretationen zeigen es –, sich in außergewöhnlichem Maße in die verschiedenen Epochen hineinzuversetzen.

Blasser Mozart

Seltsam blass bleibt hingegen die Sonate Mozarts, eines der ersten Werke dieser Gattung des österreichischen Jubilars. Das liegt gewiss nicht am innig empfundenen und ausdruckstark dargebotenen Mittelsatz, der für vieles entschädigt; Christiane Klonz erlaubt sich jedoch in den Ecksätzen ein unerwartet gleichförmiges Spiel, das Dynamik und Artikulation geradezu auf ein Einheitsniveau plattbügelt. Fast jede der zahlreichen Kontraststellen bleibt in ihrer Wirkung unausgekostet – auch ein Götterknabe kann etwas mehr Profil vertragen, ohne gleich zum Rabauken zu werden. Da Klonz – was an sich ja zu begrüßen ist – jede Wiederholung spielt, muss das, was vielleicht als stille Würde gedacht war, zwangsläufig den Charakter von Eintönigkeit annehmen. Was auch immer die Intentionen dieser Mozart-Deutung waren – dass Christiane Klonz es anders kann, beweist die in einem Konzertmitschnitt vorliegende Sonate Schostakowitschs, die – bei traumwandlerisch sicherer Umsegelung der technischen Klippen – mit aller gebotenen Wucht und Energie gespielt und in ihrer Kantigkeit kaum besser erfahrbar gemacht werden dürfte.

Gute Aufnahmen

Die Klangqualität der 1997er Aufnahmen ist rundum zufriedenstellend. Das Klavier wird in seiner dynamischen Bandbreite erstklassig eingefangen, das Klangbild ist transparent und störgeräuschfrei, dabei aber auch von einer gewissen Intimität, die den einfühlsamen, niemals aufgesetzten Interpretationen gut steht. Glücklicherweise fällt der Live-Mitschnitt qualitativ in keiner Weise ab. Das Booklet ist – wie eigentlich auch nicht anders erwartetet – recht schmal; die Texte zu Werk und Interpret beschränken sich auf die wichtigsten Informationen. Besondere Erwähnung am Rande verdient die Gestaltung der CD an sich: Ihr Design orientiert sich an der Optik der guten alten Langspielplatte, freilich ohne diese – wie man das von den ‚Originals’ her kennt – einfach zu kopieren.

Auch wenn im Falle Mozart ein Fragezeichen bleibt, so überwiegt doch der positive Gesamteindruck. Christiane Klonz stellt herausragende pianistische Fertigkeiten unter Beweis und vermag es dabei, sich perfekt in die Gefühlswelt verschiedener Komponisten und Epochen hineinzuversetzen. Die Interpretationen sind bodenständig, aufrichtig und ehrlich – darin liegt ihr ansprechender Charme begründet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Bach, Johann Sebastian: Partita II c-moll, BWV 826

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Animato
1
03.04.2006
EAN:

4012116609431


Cover vergössern

Animato

Es geht nicht nur um den Ton, sondern auch die Visionen.
Mit unserem Klassiklabel Animato haben wir uns auf außergewöhnliche Debuts junger Künstler und Ersteinspielungen spezialisiert sowie auf sinfonische Bläsermusik.
Animato verspricht einzigartigen Hörgenuss für Klassikfans mit dem besonderen Geschmack!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Animato:

  • Zur Kritik... Komponierte Inspiration: Fünf Jahre hat Morten Kargaard experimentiert. Ihm schwebte vor, Brücken zwischen Jazz und Klassik zu schlagen. Herausgekommen sind süffige Klanggemälde, rhythmisch pointiert und hochmelodisch. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Dvorak und Prokofjew werden zum Ohrenschmaus: In der mitreißend intensiven Einspielung das Landesjugendorchesters Baden-Württemberg unter Christoph Wynekens werden die beiden Sinofnien ausdrucksstark musiziert. Weiter...
    (Dirk Weber, )
  • Zur Kritik... Zauberhaft: Der Pianist Laurens Patzlaff zeigt mit seinen neuesten Improvisationen eindrucksvoll, was man mit einem musikalischen Thema so alles anstellen kann. Weiter...
    (Yvonne Rohling, )
blättern

Alle Kritiken von Animato...

Weitere CD-Besprechungen von Christian Vitalis:

  • Zur Kritik... Bretonische Legende auf der Opernbühne: Ordentliche Aufnahme aus Liège der heute recht unbekannten Oper 'Le Roi d'Ys' von Édouard Lalo. Zwar nicht Referenzklasse-Niveau, angesichts der geringen Auswahl aber dennoch empfehlenswert, sofern man sich für die Oper interessiert. Weiter...
    (Christian Vitalis, )
  • Zur Kritik... Homogener als erwartet: Eine Gegenüberstellung von Orgelwerken finnischer Komponisten und solchen von J. S. Bach und Buxtehude bietet Kari Vuola mit dieser Platte. Faktisch fallen die im Titel versprochenen Kontraste geringer aus als erwartet. Weiter...
    (Christian Vitalis, )
  • Zur Kritik... Stille und Einkehr: Es sind hier drei Konzertstücke zu hören, deren Entdeckung eine lohnende Bereicherung ist. Der Japaner Toshio Hosokawa versteht sich auf Musik an der Grenze zur Stille. Gelungene Interpretationen aus Luxemburg. Weiter...
    (Christian Vitalis, )
blättern

Alle Kritiken von Christian Vitalis...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Abstrakte Schönheit: Frühwerke von John Cage und seinem Schüler Tom Johnson, kongenial vom Trio Omphalos interpretiert, legen Zeugnis ab von der abstrakten Schönheit der amerikanischen Musik zu Beginn der Aleatorik. Weiter...
    (Prof. Dr. Michael Bordt, )
  • Zur Kritik... Ein Komponist ganz bei sich: Für Wolfgang Amadé Mozart ist wie für viele Zeitgenossen der Spätaufklärung die Freimaurerei ein Thema. Dieses Album aus dem Hause BIS lässt tief und nachhaltig ins Seelenleben des Komponisten blicken. Weiter...
    (Simon Haasis, )
  • Zur Kritik... Großes Bruckner-Kino: Franz Welser Möst und Anton Bruckner – diese Chemie stimmt nicht nur geographisch. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12 2018) herunterladen (4200 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Franz Lehár: Kaiserin Josephine - Ich heiße Sie alle ganz herzlich willkommen!

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich