> > > Raucheisen, Michael: The Man at the Piano
Donnerstag, 18. Juli 2019

Raucheisen, Michael - The Man at the Piano

Die Box der 1000 Lieder


Label/Verlag: Membran
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein Gesamtregister aller Stücke existiert leider nicht, was jedoch ohne weiteres zu verschmerzen ist, nicht zuletzt angesichts der unverbindlichen Preisempfehlung.

Michael Raucheisen war wohl der bekannteste und renommierteste Liedbegleiter der 30er und 40er Jahre. Seine rege Konzerttätigkeit und Zusammenarbeit mit bedeutenden Musikern hat ihn im Laufe seines Lebens mit gut und gerne 1000 Künstlern musizieren lassen. Mitte der 30er begann Raucheisen mit seinem größten und ehrgeizigsten Projekt, der umfangreichsten Dokumentation des deutschen Kunstliedes, die es bisher gegeben hatte. Mit zahlreichen Sängern, darunter die berühmtesten seiner Zeit, wie Frida Leider oder Julius Patzak, genauso wie junge und aufstrebende Talente wie Elisabeth Schwarzkopf, arbeitete Raucheisen zusammen und produzierte jede Menge Langspielplatten. Jetzt erscheint bei Membran mit ‚The Man At The Piano’ die komplette Zusammenstellung dieser historischen Aufnahmen in einer Box auf nicht weniger als 66 CDs. Das mag einen zunächst er- oder sogar abschrecken ob der Masse, die da auf einen zukommt, aber Hand drauf: Es lohnt sich!

Die Konstante durch alle CDs hindurch ist natürlich Raucheisen selbst. Sein einfühlsames, wandlungsfähiges und stützendes Klavierspiel zieht sich wie ein roter Faden durch alle Einspielungen. Seine Interpretationen sind nicht dienend allein sondern bieten den Sängern mehr als nur harmonisches Grundgerüst – Raucheisen kommuniziert mit seinen musikalischen Partnern auf einer höheren Ebene, er bildet spielerisch Gegenpole oder stürzt sich gemeinsam mit der Gesangsstimme in leidenschaftliche Tiefen. Und doch verliert er nie aus den Augen, dass er ja eigentlich ‚nur’ der Begleiter ist, der Vorrang gebührt immer der Stimme.

Bei Membran sind nun die CDs nicht nach Sängern geordnet, sondern nach Komponisten, was stellenweise zyklische Formen annimmt und auch eine Vielzahl von Liedern erklingen lässt, die sonst nur selten bis gar nicht auf CD zu hören sind. Von Carl Loewe über Brahms, Schumann und natürlich reichlich Schubert wird ein Bogen gespannt zu Liszt, Reger, Wolf und Debussy, Strauss-Lieder finden sich ebenso wie Werke von Beethoven und vielen anderen mehr. Dabei treten kaum Doppelungen auf, allein Schuberts Winterreise ist zweimal zu hören, einmal mit dem Tenor Peter Anders und ein anderes Mal mit Bariton Hans Hotter.

Auf jedes Stück, auf jede CD, selbst auf jeden Komponisten hier detailliert einzugehen stellt ein schier unmögliches Unterfangen dar. Zu umfangreich und groß sind die Dimensionen angelegt. Eine Vielzahl großartiger und für meinen Geschmack bis heute unerreichter Aufnahmen sind hier enthalten wie zum Beispiel Schuberts ‚Ständchen’ aus dem Schwanengesang, gesungen von dem fabelhaften Heinrich Schlusnus.

Zur Tonqualität sei gesagt, dass es sich natürlich um historische Aufnahmen handelt, deren Aufnahmetechnik selbstverständlich nicht mit heutigen Maßstäben gemessen werden kann. Da es sich bei den Einspielungen um viele verschiedene Sessions handelt, variiert auch der Nebengeräuschpegel, so dass man sich stets irgendwo zwischen Langspielplatte und Reichsempfänger bewegt. Den männlichen Stimmen schadet dieser Zeit bedingte Umstand naturgemäß weniger als den weiblichen, wo sich in den hohen Lagen oftmals ein unschönes Kratzen bemerkbar macht. Wer sich allerdings an diesen Störgeräuschen ‚vorbeihört’, der wird mit wunderschönen und grandiosen Interpretationen belohnt. Die Zusammenstellung und der Umfang dieser Einspielung (immerhin sind hier mehr als 1000 Lieder zu hören), dürften ohnehin einzigartig sein. Natürlich wird hier nicht jedem alles gefallen und nicht alle Beiträge spielen auf gleichem Niveau. Das jedoch scheint mir bei einer solch großen Auswahl jedoch zwangläufig unvermeidlich und kann nicht negativ vermerkt werden. Zusätzlich zu den CDs finden sich in einem ausführlichen Booklet Informationen zu Raucheisen selbst, zu den Sängern und Komponisten. Ein Gesamtregister aller Stücke existiert leider nicht, was jedoch ohne weiteres zu verschmerzen ist, nicht zuletzt angesichts der unverbindlichen Preisempfehlung. 

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Daniel Röder,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Raucheisen, Michael: The Man at the Piano

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Membran
66
02.10.2008
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4011222230676
223067


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Beethoven, Ludwig van
Brahms, Johannes
Cornelius, Peter
Grieg, Edvard
Liszt, Franz
Loewe, Carl
Marschner, Heinrich August
Nicolai, Carl Otto
Pfitzner, Hans Erich
Reger, Max
Schubert, Franz
Schumann, Robert
Strauss, Richard
Weber, Carl Maria von
Wolf, Hugo


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Interpret(en):Raucheisen, Michael
Patzak, Julius
Leider, Frida
Klose, Margarete
Greindl, Josef
Fehenberger, Lorenz
Dermota, Anton
Böhme, Kurt
Berger, Erna
Hotter, Hans


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Membran

Die Hamburger Vertriebs- und Entertainment Gruppe

Membran, ursprünglich als Tonträger-Einzelhandelskette mit über 30 Shops 1968 gegründet, ist ein internationaler etablierter und Industrie-unabhängiger Musikvertrieb. 2010 richtet Membran seine Strategien neu aus und expandiert zur Membran Entertainment Gruppe.

Ansässig in der Medienstadt Hamburg, konnte Membran seit der Gründung 1968 seine Services beständig ausbauen: Vom Musikvertrieb mit A&R Management, Konzeption und Produktion über das Lizenz- und Rechte-Management von Musik- und Filmtiteln, über Buchverlag und Buchhandel, zum Digitalvertrieb und als Vertriebspartner vieler internationaler Labels: der independent Vertrieb ist mit seinen Katalogen und Produktionen weltweit tätig.

Über 40 Mitarbeiter entwickeln ständig neue Medienprodukte, Einzel und Sammel-Editionen aus einem mittlerweile über 10.000 Artikel umfassenden aktiven Katalog. Für die Auswertung über die gesamte Bandbreite an Medienformaten kann das Unternehmen auf einen Lizenz- und Rechte Pool mit über 250.000 Titeln zurückgreifen.

Produkte und Kataloge eigener sowie renommierter Label wie Ars Musici, NCA, Nuova Era, Documents, Classico, Motema oder Must Have Jazz erreichen die Endkunden weltweit direkt oder über internationale Handelspartner.

Die Labels aus dem Hause Membran bieten Produktionen in allen Musikrichtungen und Preisklassen. Man findet Jazz, Klassik, Pop, Rock, HipHop und Schlager und ein breites Spektrum an Genre-Kopplungen sowie ausgesuchte Buchprodukte und Sammel-Editionen.

Vor allem spezialisiert ist Membran im Klassikbereich und hat mit Labels wie NCA - New Classical Adventure und Nuova Era in diesem Segment eine führende Rolle. Es werden hochwertige und seltene Werke geboten, und neue Talente etabliert.

Für ihre Produktionen wurde die Membran Gruppe bereits mehrfach ausgezeichnet. So erhielten sie zweimal den LEOPOLD  Medienpreis des Verbandes deutscher Musikschulen und für Beethovens Streichquartette, eingespielt von dem Leipziger Gewandhaus-Quartett, den Jahrespreis 2004 beim Preis der deutschen Schallplattenkritik, wo sie mit weiteren Titeln die Bestenliste erreichten.


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