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Samstag, 20. April 2019

Dresdner Streichtrio - accordo perfetto

Von wegen Epigone!


Label/Verlag: Querstand
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Programmheft dieser CD gibt die Denkrichtung vor: es malt ein illustres Treffen im Hinterzimmer der Wiener Gastwirtschaft ‘Zum roten Igel’ aus, bei dem musikhistorisch bittere Wahrheiten a lá ‘der wird doch vergessen sein, bevor die nächste Generation graue Haar hat’ ausgetauscht werden. Man ist nun direkt neugierig, ob die grummeligen Herren den Komponisten Heinrich von Herzogenberg (eigentlich ein Abkömmling des adeligen Stammes der Peccaducs) zu recht schelten. Zumindest, was das Trio op. 27 Nr. 2 in F-Dur angeht, möchte man dem schnöseligen H(anslick) sogleich leidenschaftlich widersprechen.

Schreiben’s erst a mol selbst so, Herr!

Was von Herzogenberg nämlich hören lässt, ist ein harmonisch und strukturell fast perfekt geputzter Brahms. Kein Wunder: der Leiter des von Spitta gegründeten Leipziger Bachvereins stand mit dem ‘Meister’in regem Kontakt, er eiferte ihm selig nach, und Brahms erwähnte von Herzogenbergs Frau gegenüber in einem Brief, dieses Trio halte er für ‘eine Art Höhepunkt’ Kunststück, wo es doch an allen Ecken ‘allerliebst wuzelt’ (Brahms), vollgepackt ist mit liebenswerten Ideen und an keiner Stelle nur ein Stück langweilig. Spätestens mit diesem Werk hatte sich von Herzogenberg als treuster Brahms-Nachfolger geoutet; aber diese Einfälle, diese Einfälle! Auf ein beschwingtes Pizzicato zu Beginn, einen wunderschönen, quasi nächtlichen ‘Andantino’-Satz folgt ein tänzerisch-leichtes Tempo di menuetto, bei dem sich die Stimmen nach einem zinnsoldatenhaften Exerzierexkurs kurz auf ein gemeinsames Verständigen und von dort in die fernsten Ecken eines blühenden thematischen Labyrinths davon stürmen, hechelnd, sich rufend, bis die Pflicht zum ernsten vierten Satz sie schlussendlich wieder vereint.

Das alles geht den drei Musikern leicht und schlüssig von der Hand, und es ist eine wahre Lust, den warmen Tönen, den lebhaften Phrasen und den - nun ja – Brahms’schen Wendungen zu lauschen. Äußerst kritische Ohren werden allerhöchstens bemängeln, dass dem sonst tadellos intonierenden Jörg Faßmann (Violine) ausgerechnet im Thema des ersten Satzes ein Lagenwechsel auf ein b ganz leicht zu tief gerät; und dann ist’s in der Wiederholung der Exposition an der selben Stelle zu hoch! Oder ist es etwa doch eine feine Anspielung aufs Herzogenbergsche Epigonentum, dass das ‘B’ Original nie erreichte? Dann haben wir es also doch gemerkt!

Das zweite Werk der Einspielung, Max Regers Streichtrio op. 77b, übertrifft Herzogenbergs Opus denn auch spielend, wenn nicht unbedingt an Einfallsreichtum, so doch an Tiefe, Dichtheit und der meisterlichen Formung der Idee, die beispielsweise die Verspieltheit des ‘Vivace’-Satzes nie in Beliebigkeit absinken lässt; eben diese Beliebigkeit, zu der sich der Leipziger ‘Volontär’, wie von Herzogenberg sich selbst nannte, hin oder wieder verleiten lässt.
Wie Jörg Faßmann ist auch Sebastian Herberg (Viola) Mitglied der Sächsischen Staatskapelle; gemeinsam mit dem Cellisten Michael Pfaender, der zur Gründungszeit des ‘Dresdner Streichtrios’1995 (Gast-) Solo-Cellist der Kapelle war, inzwischen aber zum MDR-Sinfonieorchester wechselte, gelingt ihnen ein runder und zugleich silbrig-tönender Ensembleklang, der in der Trio-Landschaft wahrlich seinesgleichen suchen dürfte. Hoffentlich sind die drei Spitzenmusiker noch öfter auf den verschiedenen Festivals zu erleben; und auch auf weitere Aufnahmen der Reihe ‘accordo perfetto’darf man gespannt sein.
Kleines Wermutströpfchen: das inhaltlich klug und ausreichend gefüllte Programmheft lässt gestalterisch viele Fragen offen. Vom optischen Eindruck sollte man sich aber nicht abschrecken lassen: Augen zu, Ohren auf, lautet die Devise.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dresdner Streichtrio: accordo perfetto

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Querstand
1
22.07.2005
EAN:

4025796004090


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Herzogenberg, Heinrich von
Reger, Max


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Querstand

Mit viel Liebe zum Detail bringt das querstand-Label dem interessierten Hörer die Vielfalt und Schönheit der klassischen Musik auf wenig ausgetretenen Pfaden näher. Das Label hat sich seit 1994 durch die Produktion hochwertiger klassischer CDs einen ausgezeichneten Ruf erworben. Über 500 Produktionen werden weltweit vertrieben, wobei ein Augenmerk auf Orgelmusik liegt. Die Gesamteinspielung der Orgelwerke von Johann Ludwig Krebs (bisher 11 CDs) und des Kantaten- und Orchesterwerkes des berühmten Bachschülers bilden ein Glanzlicht des Labels, dem mit der Serie ?Die Orgeln von Gottfried Silbermann? (8 CDs) ein weiteres zur Seite gestellt wurde (Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik 2003). Auch im kammermusikalischen und sinfonischen Bereich wurden zahlreiche CDs veröffentlicht, etwa mit dem Gewandhausorchester Leipzig. Mit der Aufnahme des Passionsoratoriums ?Der Tod Jesu? von Carl Heinrich Graun mit dem MDR Rundfunkchor und dem MDR Sinfonieorchester unter Howard Arman gewann das Label 2005 einen ECHO Klassik-Award. Im Jahre 2013 erhielt die 9-CD-Box mit allen Sinfonien Anton Bruckners, eingespielt von Herbert Blomstedt mit dem Gewandhausorchester Leipzig, den ICMA (International Classical Music Award). Mit Verlagssitz im Thüringischen Altenburg kann querstand von der einzigartigen Vielfalt der mitteldeutschen Musiklandschaft profitieren, die sich auch im Verlagsprogramm niederschlägt. Neben den vielseitigen Einflüssen der fantastischen Orgellandschaft der Region, ist es auch die Nähe zur Musikstadt Leipzig mit ihrer wunderbaren Tradition und facettenreichen Szene, auf die das Label besonderes Augenmerk richtet.


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