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Donnerstag, 22. November 2018

Ensemble Sortisatio - spielt Stöckigt, Bredemeyer, Sannemüller, Vasks, Böttger, Darbellay, Bieler & Petit

Musik für eine ungewöhnliche Besetzung


Label/Verlag: Querstand
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Treffen sich zum gemeinsamen Musizieren ein Englisch Horn (alternativ Oboe), ein Fagott und eine Bratsche, ist das schon ungewöhnlich genug; tritt dann als vierter Mann noch ein Gitarrist hinzu, hat man es ganz sicher mit dem Ensemble Sortisatio zu tun, das sich eben dieser schon fast mehr als ungewöhnlichen Besetzung verschrieben hat. Gut, wenn man dann bereits einen gewissen Ruhm erworben hat, denn wohl nur so lässt sich das düstere Schicksal abwenden, lediglich auf Bearbeitungen zurückgreifen zu können, da sich bei namhaften Komponisten Werke für diese Besetzung in Auftrag geben lassen, oder diese bereits durch die bloße Existenz des Ensembles zu Originalkompositionen angeregt werden. Dass das Ensemble Sortisatio diese Werke dann auch (ein)spielt, versteht sich fast von selbst, und heraus kommt dann so etwas wie die vorliegende CD.

Die Werke – kurz vorgestellt

Bei den präsentierten Werken handelt es sich um eine ganze Reihe kleinerer Stücke größtenteils eher unbekannter zeitgenössischer Tonsetzer, die sich zwanglos aneinander reihen. Die Arbeiten, die auf direkte Anregungen des Ensembles zurückgehen, entstanden dabei allesamt in den Jahren 1995-1998. Die Herangehensweise, der ungewohnten Instrumentenkombination klanglich Herr zu werden, ist dabei aber recht unterschiedlich. In Jean-Luc Darbellays (geb. 1946) aus 17 Miniaturen bestehenden ‚Quartetto’ werden die Instrumente solistisch herausgehoben, während Helmut Bielers (geb. 1940) ‚Szenen für Ensemble’ einen homogenen Gesamtklang zu erzeugen versuchen. Eine Mischlösung offeriert Jean-Louis Petit (geb. 1940) in seinem Stück ‚Sortisatio I’, das die je zwei Blas- und Saiteninstrumente zu einer Gruppe zusammenfasst. Über den Rhythmus nähert sich Thomas Böttger (geb. 1957) in seinem ‚Danse oubliée’. Gerd Sannemüller (geb. 1914) verzichtet bezeichnenderweise auf den Klang der Gitarre – der doch gerade das eigentliche Charakteristikum des Ensembleklangs ist! Die sieben ‚Quartett-Stücke 7’ von Reiner Bredemeyer (1929-1995) bleiben einem vergrübelt zurückhaltenden Ton verpflichtet, lediglich Nr. 6 schafft ‚etüdig’ eine ironisch-heitere Distanzierung. Bei den zwei älteren Kompositionen, die das Programm vervollständigen, handelt es sich um Bearbeitungen. Michael Stöckigts (geb. 1957) ‚Aspekte zu Mozart’ wurden ursprünglich für Oboe, Viola, Gitarre und Kontrabass – also für eine der des Ensemble Sortisatio durchaus vergleichbaren Besetzung – konzipiert und verarbeiten – fast konnte man es vermuten – Fragmente aus Werken Mozarts. Die ‚Drei Blicke’ von Peteris Vasks (geb. 1946) schließlich stehen prinzipiell jeder beliebigen Besetzung offen. Der hier erzeugte Klangteppich, der durch ein unbespieltes, lediglich mitschwingendes Klavier zudem wirkungsvoll angereichert wird, sorgt für eine besinnlich meditative Atmosphäre, wie sie typisch für die Werke des Letten ist.

Herausragende Interpretationen

Die Leistung des perfekt eingespielten Ensemble Sortisatio, bestehend aus Walter Klingner (Oboe & Englisch Horn), Axel Andrae (Fagott), Matthias Sannemüller (Viola) und Thomas Blumenthal (Gitarre) ist beeindruckend. Dass sich die einzelnen Musiker auf einem technisch hohen Niveau befinden, kann man fast voraussetzen, aber auch das Ensembleleistung ist absolut hochklassig. Das Zusammenspiel ist äußerst präzise, die Intonation rein und das Gesamtbild homogen. Dass jedes der kurzen Stücke eine gleichermaßen runde und überzeugende Interpretation erfährt, zeugt von gründlicher Arbeit in der Vorbereitung und von flexiblem musikalischen Denken der Ausführenden. Da ist es bedauerlich, dass einige der Werke in ihrer Substanz etwas wenig zu bieten haben. Die Möglichkeiten des Ensembles werden nicht voll ausgeschöpft, und fast hat man den Eindruck, als hätten die Schöpfer selbst etwas ratlos vor der Instrumentenkombination gestanden.

Tolle Aufnahme und stimmige Präsentation

Die Aufnahme ist technisch sehr gut gelungen, Kritikpunkte sind keine zu finden. Der Klang ist kristallklar und frei von jeglichen Störungen, und auch die Balance zwischen den vier klanglich ja nicht gerade homogenen Instrumenten ist sehr gut gelungen. Lediglich die Tatsache, dass zwischen den einzelnen Werken keine deutlichen Zäsuren eingefügt wurden, könnte man bemängeln, auch wenn es vielleicht gerade so beabsichtigt war. Die Verpackung ist stimmig und geschmackvoll, die Texte des dreisprachigen Booklets sind ausführlich und führen auf verständliche Weise in die jeweiligen Kompositionen ein, die Balance zwischen Künstler- und Werkbeschreibung ist gewahrt. Ob ein Booklet aber fest mit der Hülle verankert werden muss, darüber kann man streiten.

Fazit

An sich gesehen ist die CD sicher äußerst gelungen, es sollte aber nicht verschwiegen werden, dass bei der Zusammenstellung der Kompositionen ein ‚Zugpferd’ nicht geschadet hätte, um den Kaufanreiz zu erhöhen. Immerhin wird ein weitgefächerter Querschnitt durch die Möglichkeiten und Positionen Neuer Musik geboten, der von erweiterter Tonalität über Zwölftontechniken bis hin zur Aleatorik reicht. Alle Stücke verbleiben dabei aber stets in gemäßigten Bahnen und sind zudem wegen ihrer Kürze vergleichsweise leichtverdaulich, so dass die CD dem interessierten Neuling, der sich in das weite und unübersichtliche Feld der Neuen Musik einhören möchte, durchaus empfohlen werden kann. Darüber hinaus bietet die CD durch das enge Zusammenwirken von Komponisten und Ausführenden einen erhöhten Anspruch auf Authentizität. Falls irgendwann einmal ein anderes Ensemble auf die Idee kommen sollte, diese Werke einzuspielen, wird es sich an der vorliegenden als Referenzaufnahme zu messen haben.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Ensemble Sortisatio: spielt Stöckigt, Bredemeyer, Sannemüller, Vasks, Böttger, Darbellay, Bieler & Petit

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Querstand
1
22.07.2005
EAN:

4025796003253


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Bieler, Helmut
Böttger, Thomas
Bredemeyer, Reiner
Darbellay, Jean-Luc
Petit, Jean-Louis
Sannemüller, Gerd
Stöckigt, Michael
Vasks, Péteris


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Querstand

Mit viel Liebe zum Detail bringt das querstand-Label dem interessierten Hörer die Vielfalt und Schönheit der klassischen Musik auf wenig ausgetretenen Pfaden näher. Das Label hat sich seit 1994 durch die Produktion hochwertiger klassischer CDs einen ausgezeichneten Ruf erworben. Über 500 Produktionen werden weltweit vertrieben, wobei ein Augenmerk auf Orgelmusik liegt. Die Gesamteinspielung der Orgelwerke von Johann Ludwig Krebs (bisher 11 CDs) und des Kantaten- und Orchesterwerkes des berühmten Bachschülers bilden ein Glanzlicht des Labels, dem mit der Serie ?Die Orgeln von Gottfried Silbermann? (8 CDs) ein weiteres zur Seite gestellt wurde (Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik 2003). Auch im kammermusikalischen und sinfonischen Bereich wurden zahlreiche CDs veröffentlicht, etwa mit dem Gewandhausorchester Leipzig. Mit der Aufnahme des Passionsoratoriums ?Der Tod Jesu? von Carl Heinrich Graun mit dem MDR Rundfunkchor und dem MDR Sinfonieorchester unter Howard Arman gewann das Label 2005 einen ECHO Klassik-Award. Im Jahre 2013 erhielt die 9-CD-Box mit allen Sinfonien Anton Bruckners, eingespielt von Herbert Blomstedt mit dem Gewandhausorchester Leipzig, den ICMA (International Classical Music Award). Mit Verlagssitz im Thüringischen Altenburg kann querstand von der einzigartigen Vielfalt der mitteldeutschen Musiklandschaft profitieren, die sich auch im Verlagsprogramm niederschlägt. Neben den vielseitigen Einflüssen der fantastischen Orgellandschaft der Region, ist es auch die Nähe zur Musikstadt Leipzig mit ihrer wunderbaren Tradition und facettenreichen Szene, auf die das Label besonderes Augenmerk richtet.


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