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Sonntag, 14. August 2022

Verdi: Messa da requiem - Bayerischer Rundfunk, Riccardo Muti

Fesselndes Fegefeuer


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das BRSO und Riccardo Muti mit einer Verdi-Sternstunde.

Es gibt sie immer wieder, diese besonders einprägsamen, hochtrabend gerne auch „denkwürdig“ genannten Momente, die bei bestimmten Konzerten entstehen. Im Oktober 1981 im Herkules Saal der Residenz gab es einen solchen bei der Aufführung von Verdis „Messa da Requiem“. Schon rein äußerlich markierte das Datum rückblickend ein besonderes Ereignis: Erstmals stand Riccardo Muti am Pult des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, dass es auch musikalisch ein nicht alltägliches Ereignis werden sollte, hört man schon früh: Greifbare Spannung herrscht schon in den zarten Chorsphären der Anfangstakte, Mutis ausgeprägtes Gespür für die Entwicklung von Steigerungen deutet sich im weiteren Verlauf von „Requiem“ und „Kyrie“ bereits an.

Unerbittliche Wucht

Die volle Wucht des „Jüngsten Gerichts“ entlädt sich im „Dies irae“, das mit immenser suggestiver Kraft dynamisch buchstäblich alles hinwegfegt, unerbittlich knallen die Schläge der Großen Trommel. Wie punktgenau Muti in den kontrastierenden „Flüster-Modus“ umschaltet und mit welcher spannungsgeladenen Intensität er darin verweilt, sucht seinesgleichen, klanglich ideal positioniert sind in diesem Kontext auch die ins „Tuba mirum“ überleitenden Ferntrompeten. Das strahlende Blech des BRSO begeisterte Muti selbst damals so sehr, dass er die Musiker für eine spätere Aufführung eigens nach Mailand kommen ließ. Gewaltige Eruptionen ereignen sich auch im „Rex tremendae“, als beispielhaft programmaischen Gegenentwurf dazu lässt Muti das „Domine, Jesu Christe“ mit sanfter Milde schweben. Sowohl in emotional krachenden Entladungen als auch in Pianissimo-Sphären versteht Muti es, die Klangkörper zu einer perfekten musikalischen Einheit zusammenzuführen. Der von Gordon Kember als damals frisch gebackener Leiter desselben hervorragend eingestellte BR-Chor und das BRSO beherrschen selbstverständlich auch die polyphone Interaktion souverän („Sanctus“).

Seltene Präzision

Ursprünglich hätte Veriano Luchetti die Tenor-Stimme übernehmen sollen, für ihn sprang kurzfristig der junge José Carreras ein – kaum vorstellbar, dass sein (ausgefallender) Kollege die Partie, z.B. im „Ingemisco“, hätte eindringlicher gestalten können. Nicht weniger glänzend besetzt sind die Sopran- und Mezzo-Partien mit Jessye Norman und Agnes Baltsa, gemeinsam mit warmen, voluminösen Stimmen exemplarisch zu hören im „Recordare“. Zu überzeugen weiß auch der füllige, dunkel eingefärbte Bass von Jewgenij Nesterenko („Tuba mirum“/“Confutatis“). Wie gut oder schlecht die Vokalsolisten harmonieren, zeigt sich schonungslos spätestens in den A-cappella-Episoden oder dem „Lux aeterna“. In diesem Fall interagieren sie mit seltener Präzision. Muti selbst bezeichnete diese Aufführung als „wahrscheinlich bestes Konzert meines Lebens“. Wie richtig er mit dieser Einschätzung lag, zeigt die Tatsache, dass sie bis heute, auch mehr als 40 Jahre danach, als Referenz-Einspielung gelten kann.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet





Thomas  Gehrig Kritik von Thomas Gehrig,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Verdi: Messa da requiem: Bayerischer Rundfunk, Riccardo Muti

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
2
08.10.2021
084:01
1981
Medium:
EAN:
BestellNr.:
Booklet
CD
4035719001990
900199


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Verdi, Giuseppe


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"GIUSEPPE VERDI MESSA DA REQUIEM Verdis MESSA DA REQUIEM ist die berühmteste Vertonung der lateinischen Totenmesse des 19. Jahrhunderts und nach oder neben Mozarts Requiem die bekannteste überhaupt. Das gewaltige Werk – seine Dimensionen sind so enorm wie seine Besetzung und die machtvolle Wirkung, die es auf sein Publikum auszuüben in der Lage ist, – wird einerseits als kirchenmusikalische Schöpfung höchster Güte eingeschätzt, andererseits auch als „Verdis schönste Oper“ bezeichnet – was viel mehr schmeichelndes Kompliment als frech-gewitzte Ironie ist. Die Münchner Aufführungen vom Oktober 1981 unter Leitung von Riccardo Muti waren Konzertereignisse, die seitdem kaum mehr erreicht oder gar übertroffen werden konnten – so stark war die vokale und instrumentale Besetzung, so streng behielt der Maestro die Interpretation im Blick und so hervorragend aufgelegt waren die namhaften Solisten – Sängerinnen und Sänger von internationalem Renommée, die ihr Bestes gaben, um ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen. Dies ist ihnen allen hervorragend gelungen. Endlich – nach mittlerweile vier Jahrzehnten – kann BR-KLASSIK diese wirkliche Sternstunde der Aufführungsgeschichte von Verdis MESSA DA REQUIEM auf CD vorlegen. Die klangvollen Namen der Verdi- wie Requiem-erfahrenen Vokalsolisten lauten Jessye Norman, Agnes Baltsa, José Carreras und Jewgenj Nesterenko; der vielfach ausgezeichnete Chor des Bayerischen Rundfunks ist zu erleben, einstudiert von dem Briten Gordon Kember, der damit seine Aufgabe als künstlerischer Leiter des Chores übernommen hatte. Es spielte das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Gesamtleitung des damals 40jährigen Riccardo Muti, der mit diesen beiden Konzerten seine ersten Auftritte in München bestritt, welchen noch unzählige – nicht minder mitreißende – folgten. Das Publikum war hingerissen; die Fachjournalisten lobten die Interpretation in höchsten Tönen: so habe man dieses gewaltige Werk diesseits der Alpen kaum je gehört; Riccardo Muti führe vor, wie Verdis Requiem klingen müsse; Verdis Totenmesse: authentisch, erschreckend, zart, fürchterlich und mit einem hoffnungsvoll scheuen Blick in die Transzendenz; ein triumphaler Erfolg. Zeitzeuge Wolf-Dieter Peter, Rezensent der Mittelbayrischen Zeitung in Regensburg (im Booklet zu lesen) berichtet, wie die auf der Empore des Herkulessaals postierten Extratrompeten fast wie aus dem Jenseits einen metallen-gleißenden Klangstrahl über das Parkett hinweg tosten – „so noch nie gesehen und gehört und erlebt… eben unvergesslich“. Der Live-Mitschnitt entstand während der beeindruckend-unvergesslichen Konzerte am 8. und 9. Oktober 1981 im Herkulessaal der Münchner Residenz. "


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BR-Klassik

Herausragende Musikaufnahmen der drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks werden unter der Marke BR-KLASSIK seit 2009 den Musikfreunden angeboten. Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 200 Aufnahmen.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (BRSO), das Münchner Rundfunkorchester, der Chor des Bayerischen Rundfunks sowie die Konzertreihe musica viva genießen sowohl in der Region als auch international einen außergewöhnlichen Ruf in Bezug auf Qualität, künstlerische Kreativität und die Vermittlung von klassischer Musik. Im Konzertsaal und in Hörfunk- und Fernsehübertragungen sind die drei Klangkörper regelmäßig zu hören. Herausragende Konzerte, besonders gelungene Interpretationen und selten zu hörende Werke werden auf BR-KLASSIK - dem hauseigenen Label - dokumentiert.

Die Reihe BR-KLASSIK WISSEN liefert spannende Werkeinführungen und Hörbiografien mit vielen Hintergrundinformationen und Musikbeispielen. 

In der Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE bringt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks historische Aufnahmen des Labels zu Gehör. Z.B. war an zwei denkwürdigen Konzertabenden die Pianistin Martha Argerich zu Gast, 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 unter Seiji Ozawa.

Das CD-Label BR-KLASSIK ist organisatorisch bei der BRmedia Service GmbH angesiedelt, dem für die Zweitverwertungen zuständigen Tochterunternehmen des Bayerischen Rundfunks, und wird von Stefan Piendl als Berater geleitet. Mit ihm konnte der Bayerische Rundfunk einen erfolgreichen, externen Experten mit umfassender, internationaler Erfahrung für die Mitwirkung an seinem neuen Label BR-KLASSIK gewinnen.

Im Vertrieb werden die Neuerscheinungen von BR-KLASSIK weltweit durch NAXOS betreut. Damit ist eine bestmögliche Präsenz auf allen wichtigen internationalen Märkten gewährleistet. Zu einer modernen Vertriebsstruktur gehört selbstverständlich auch die Möglichkeit des digitalen Downloads über Musikportale wie iTunes, Spotify u.a.. Auch dieser Vertriebsweg wird über die Firma NAXOS erschlossen. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit Tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK.


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