> > > Panufnik, Andrzej: Sinfonische Werke Volume 8
Dienstag, 10. Dezember 2019

Panufnik, Andrzej - Sinfonische Werke Volume 8

Gelungene Editions-Abrundung


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese drei exzellenten Konzerte für Violine, Violoncello und Klavier zeigen Andrzej Panufnik (1914–1991) als individuellen und ausdrucksstarken Tondichter mit einer gewissen Vorliebe für den elegischen Tonfall.

Hätte Andrzej Panufnik (1914–1991) seinen heutigen 100. Geburtstag erlebt, wäre er vermutlich verblüfft über die Vielzahl der Aufnahmen seiner Musik, die in diesem Jahr erschienen sind. Nahezu alle Orchesterwerke des Polen, doch auch die Streichquartette oder eine Rarität wie das Klaviertrio op. 1 liegen auf CD vor. Die vorliegende achte (und letzte) Folge der cpo-Reihe sämtlicher Orchesterwerke konzentriert sich auf die drei großen Instrumentalkonzerte für Violine, Violoncello und Klavier. Die hochkarätigen Uraufführungs-Solisten zeigen schon, welchen kompositorischen Rang Panufnik seinerzeit innehatte: Das Violinkonzert hob Yehudi Menuhin 1972 aus der Taufe, das Klavierkonzert 1962 John Ogdon (später überarbeitete der Tondichter das Werk) und das Cellokonzert erlebte seine posthume Uraufführung 1992 mit Mstislaw Rostropowitsch. Die drei auf dieser CD zu hörenden Solisten müssen sich vor diesen großen Namen aber keineswegs verstecken. Mit Alexander Sitkovetsky (Violine), Raphael Wallfisch (Violoncello) und der Pianistin Ewa Kupiec wurden drei höchst renommierte Musiker verpflichtet. Lukasz Borowicz dirigiert das Konzerthausorchester Berlin.

Im ausführlichen und sehr gelungenen Beiheft-Text kommt auch Panufnik selbst zu Wort. Er habe für das Violinkonzert nur ein Streichorchester als Begleitung gewählt, ‚um eine bestimmte Klangfarbe und Textur zu verwirklichen’, so der Komponist. Diese Klangfarbe und Textur zielen, so zumindest mein Eindruck, ganz auf die Entfaltung langer melodischer Linien, hinter die alles andere zurücktritt. Selbst die in einem Solokonzert obligatorische Virtuosität spielt keine so große Rolle wie in anderen Werken aus jenen Jahren – zwar beginnt das Stück mit einer anspruchsvollen Solokadenz, und auch der 'Vivace' zu spielende Finalsatz fordert den Solisten beachtlich. Doch in den ersten beiden Abschnitten steht klar das lyrisch-kantable Element im Vordergrund.

Sitkovetsky beherrscht diesen Aspekt seines Instrumentes meisterlich, sein fein abgestufter und gerade im Piano wunderbar ausdifferenzierter Ton korrespondiert bestens mit der zurückhaltenden Orchester-Begleitung. Borowicz hat hier keine übermäßig schwere Aufgabe, denn das Streicher-Ensemble wird von Panufnik sehr dezent eingesetzt – die Führungsrolle des Solisten bleibt völlig unangetastet. Es gelingt den Musikern bestens, den gleichzeitig singenden und klagenden Ton des Komponisten zu treffen. Unterstützt werden sie dabei von einem ausgewogenen und präzisen Klangbild.

Im Cellokonzert steht dem Solisten ein volles Orchester zur Seite, doch zu einem üppigen Klangrausch á la Richard Strauss ließ sich Panufnik niemals hinreißen. Mit einem langsamen Satz und einem folgenden 'Vivace'-Abschnitt ist das Werk ähnlich konzipiert wie Schostakowitschs Sechste Symphonie, der Kopfsatz ‚fehlt’ sozusagen. Auch hier agieren Solist und Orchester oft im Piano- und Pianissimo-Bereich. Wallfisch, dem unermüdlichen Schatzgräber im Repertoire der selten bis gar nicht gespielten Cellokonzerte, gelingt es mühelos, den Spannungsbogen über den gesamten 'Adagio'-Satz zu halten. Nicht weniger beeindruckend ist sein virtuoses Können im folgenden Finale. In den (spärlichen) dynamischen Steigerungen gelingt es Borowicz, dass der Solist stets hörbar bleibt. Der Grundton des Stückes ist ebenfalls düster, doch vielleicht etwas optimistischer als im Violinkonzert.

Im Klavierkonzert schlägt Panufnik eine andere Saite an, der perkussive Grundton erinnert vor allem in den Ecksätzen an Bartok und Prokofjew. Die Solistin muss hier vertrackte Läufe und Oktavgänge bewältigen, während der Mittelabschnitt extrem zurückgenommen, fast schon asketisch wirkt. Kupiec und Borowicz nehmen die ‚molto tranquillo’-Vortragsbezeichnung jedenfalls beim Wort und rücken den langsamen Satz so ins Zentrum der Aufmerksamkeit des Hörers. Die kurze 'Entrata' ist so nicht mehr als eine Einleitung, das abschließende 'Presto molto agitato' ein rein technisch beeindruckender Abschnitt, der sich aber kaum von den Klavierkonzerten der Kollegen abhebt. Anders das 'Larghetto': Wie Kupiec hier feinste Abstufungen knapp an der Hörschwelle gelingen, wie die erneut sehr zurückhaltende Orchester-Begleitung einsetzt und wieder verebbt – das ist beeindruckend und hinterlässt beim Hörer den Eindruck großer kompositorischer wie pianistischer Kunst. Man muss sich allerdings freidenken von der in Klavierkonzerten so häufig anzutreffenden Hyper-Virtuosität eines Busoni oder Rachmaninoff, um anzuerkennen, dass Panufnik mit seinem Gattungsbeitrag einen anderen Weg gegangen ist.

Wer mit dem kargen, oft elegischen Grundton des polnischen Komponisten gar nichts anfangen kann, wird sich wohl auch von den drei Konzerten nicht überzeugen lassen. Doch für alle anderen Hörer ist dieser Abschluss der Orchesterwerke-Edition ein Genuss: Drei exzellente Solisten und ein sehr gut aufgelegtes Orchester sorgen für die gelungene Abrundung der Panufnik-Edition.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Panufnik, Andrzej: Sinfonische Werke Volume 8

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
21.06.2014
Medium:
EAN:

CD
761203768721


Cover vergössern

Panufnik, Andrzej
 - Violinkonzert - Rubato
 - Violinkonzert - Adagio
 - Violinkonzert - Vivace
 - Cellokonzert - Adagio
 - Cellokonzert - Vivace
 - Klavierkonzert - Entrata
 - Klavierkonzert - Larghetto molto tranquillo
 - Klavierkonzert - Presto molto agitato


Cover vergössern

Dirigent(en):Borowicz, Lukasz
Orchester/Ensemble:Konzerthausorchester Berlin
Interpret(en):Wallfisch, Raphael
Kupiec, Ewa
Sitkovetsky, Alexander


Cover vergössern

cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Von Dr. Michael Loos zu dieser Rezension empfohlene Kritiken:

  • Zur Kritik... Temporäre Referenz: In der bei CPO erscheinenden Reihe der Orchesterwerke Andrzej Panufniks liegt eine weitere Folge vor, die ihre Meriten hat, aber gegen die Einspielung des Komponisten doch ein wenig abfällt. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, 31.07.2013)

Weitere Besprechungen zum Label/Verlag cpo:

  • Zur Kritik... Große und kleine Dimension: Gerhard Weinberger beweist seine Meisterschaft in Regers monumentalem Opus 127 wie in den feinen Choralvorspielen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Neapolitanische Volkstragödie: Die szenische Wiederentdeckung von Pierantonio Tascas Verismo-Reißer 'A Santa Lucia' in Dessau macht auch rein akustisch Effekt. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Kammermusik im Biedermeierstil: Englische Landschaften, ein spanisch angehauchtes Viola-Duo und virtuose Klaviertrio-Musik von mehr oder weniger belangloser Art. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
blättern

Alle Kritiken von cpo...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Michael Loos:

  • Zur Kritik... Der letzte der Titanen?: Keine leichte Kost, aber ohne Zweifel ein Meilenstein der Symphonik unserer Zeit: Alle fünf Symphonien von Heinz Winbeck liegen hier in einer fünf-CD-Box vor. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Operndramatik auf dem Klavier: Solide, aber nicht herausragende Deutungen von Leoš Janaceks Klavierwerken präsentiert der ungarische Pianist Zoltán Fejérvári auf dieser CD. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Höchst unterhaltsame Opernsuite: Die Orchester-Suite aus Jaromír Weinbergers Erfolgsoper 'Schwanda' wird hier mit viel Schwung, aber auch leichten klanglichen Problemen präsentiert. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Michael Loos...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Große und kleine Dimension: Gerhard Weinberger beweist seine Meisterschaft in Regers monumentalem Opus 127 wie in den feinen Choralvorspielen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Neapolitanische Volkstragödie: Die szenische Wiederentdeckung von Pierantonio Tascas Verismo-Reißer 'A Santa Lucia' in Dessau macht auch rein akustisch Effekt. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Wohlig-warm: Brahms in Altmodisch von Jukka-Pekka Saraste und dem WDR Sinfonieorchester. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/2019) herunterladen (4454 KByte) Class aktuell (4/2019) herunterladen (4308 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich