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Mittwoch, 26. Juni 2019

Die helle Sonne leuchtet - Deutsche Kirchenlieder - Stimmwerck

Bereichernd


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Ensemble Stimmwerck mit einem interessanten und einfühlsam interpretierten Programm deutscher Kirchenlieder von der Reformation bis zur Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg.

Es hat in den vergangenen Jahren eine Rückbesinnung auf die Liedtradition in Deutschland gegeben. Öffentlich vielfach beachtete Initiativen haben sich Wiegen- und Kinderliedern gewidmet, auch das Volkslied erfreut sich, teils in kunstfertigen Sätzen des 19. Jahrhunderts, wieder neuer Beliebtheit. Vor allem bei Carus sind entsprechende Platten produziert und begleitende Notenbücher vorgelegt worden.

Noch keine nennenswerte Rolle haben bei dieser Revitalisierung alter Traditionen die volkssprachlichen deutschen Kirchenlieder gespielt, wie sie seit der Reformation prägend wurden. Dem hilft nun die neue Produktion des Vokalensembles Stimmwerck ab: Unter dem Titel ‚Die helle Sonn leuchtet‘ haben die vier Herren mit einigen Begleitinstrumentalisten bei cpo eine Platte mit Repertoire vorgelegt, das von der Reformation bis in die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg reicht – mithin ein Zeitalter umfasst, das einerseits intensive religiöse Andacht kannte, aber natürlich auch gewalttätigen konfessionellen Streit, das ebenso geprägt war von der Entfaltung von Glaubensgewissheiten und bis heute wirksamen religiösen Leitlinien wie von den vielfach nicht weniger intensiven Reaktionen darauf. Vieles davon manifestierte sich in volkssprachlich gehaltenen Liedern für die Gemeinde – was nicht unbedingt meint, dass sie tatsächlich von der Gemeinde gesungen wurden, wie Hans-Otto Korth in seinem vielschichtig informierenden, stilistisch aber etwas altmodisch und hölzern wirkenden Bookletessay überzeugend zeigt.

Vor allem begegnet uns natürlich reformatorisches Liedgut, aber auch katholisches, als gegenreformatorische Antwort auf den Erfolg der protestantischen Lieder. Musikalisch interessant und differenziert wird es, wenn im Programm mehrere Sätze zu einem Lied miteinander verbunden sind oder kontrastierend einander abgrenzen, so bei 'O Lamm Gottes, unschuldig' von Nicolaus Decius, das in Sätzen von Sethus Calvisius und Johannes Jeep erklingt oder bei 'Mit Ernst, o Menschekinder', das gar in drei Sätzen von Hans Leo Haßler, Eustache du Carroy und Johannes Eccard vertreten ist.

Interessant wird das Programm auch dadurch, dass es Besetzungen vom unbegleiteten Solo über das begleitete Tenorlied bis zum vollen Quartettsatz kennt, auch der mit instrumentaler Grundierung. Das sichert Varianz und Aufmerksamkeit, lässt die Platte auch im Ganzen sehr gut anhörbar sein.

Überzeugend mit schlichter Geste

Das Vokalensemble Stimmwerck ist in der Besetzung mit Franz Vitzthum als Kontratenor, Klaus Wenk und Gerhard Hölzle als Tenöre und Marcus Schmidl als Bass sehr harmonisch balanciert. Die vier Herren sind sämtlich souveräne Stilisten, außerordentlich ensembleerfahren und nähern sich der affektiv schlichten Sphäre des Kirchenlieds mit Dezenz und Sensibilität. Die Stimmführung ist individuell, zugleich klar und natürlich, wobei bei allen vieren eine sichere Technik solide Grundlagen bietet. Franz Vitzthum ist immer wieder die feine Krönung des vokalen Geflechts, mit außerordentlich elegantem, lyrischem Ton. Die strophische Anlage der Lieder wird intensiv und abwechslungsreich gestaltet, mit deutender Delikatesse, auf der Basis einer natürlichen, präzisen Diktion. Auch intonatorisch bleiben in entspannter Haltung keine Wünsche offen, wirkt alles vollkommen selbstverständlich.

Arno Paduch mit dem Zink, Arno Jochem de La Rosée und Ann Fahrni auf der Gambe, dazu Christoph Eglhuber und Michael Eberth auf Laute und Orgel ergänzen den Vokalklang immer wieder sehr gelungen, in ähnlich schlichter und versammelter Haltung. Das Klangbild des in der Dominikanerinnenkirche Adlersberg aufgenommenen Programms ist sehr groß und räumlich, zugleich sehr stimmungsvoll und intensiv wirkend, allenfalls mit minimalen Reserven beim Abbild des Vokalbasses.

Die vier Vokalisten von Stimmwerck richten den Blick auf zwar in Gestalt der Melodien im kirchlichen Gebrauch noch immer sehr präsentes, in seiner ursprünglichen ästhetischen und religiös-kämpferischen Bestimmung heute aber kaum mehr verstandenes Repertoire. Das wirkt interpretatorisch sehr gelungen und programmatisch klug zusammengestellt – eine Bereicherung der an feinen Höhepunkten nicht armen Diskografie des Ensembles.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Die helle Sonne leuchtet: Deutsche Kirchenlieder - Stimmwerck

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
22.07.2013
Medium:
EAN:

SACD
761203779222


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Calvisius, Seth
 - O Lamm Gottes, unschuldig -
Eccard, Johannes
 - Christ ist erstanden -
Hagius, Konrad
 - Hebt ewer heupt ihr pforten all -
Hassler, Hans-Leo
 - O Haupt voll Blut und Wunden -
 - Mit Ernst, o Menschenkinder -
Luther, Martin
 - Christe, Du Lamm Gottes -
Praetorius, Michael
 - Christe, Du Lamm Gottes -
 - Christ ist erstanden -
Schein, Johann Hermann
 - Mir nach, spricht Christus, unser Held -
Sweelinck, Jan Pieterszoon
 - Allein Gott in der Höh sei Ehr -
Vulpius, Melchior
 - Gelobt sei Gott im höchsten Thron -
Walter, Johann
 - Komm, Heiliger Geist, Herre Gott -


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Interpret(en):Vitzthum, Franz
Wenk, Klaus
Hölzle, Gerhard
Schmidl, Marcus


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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