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Dienstag, 30. November 2021

Maxim Rysanov - Werke von Tschaikovsky, Schubert & Bruch

Charisma und Seele


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Maxim Rysanov verleiht Schuberts 'Arpeggione-Sonate' sowie Tschaikowskys 'Rokoko-Variationen' mit seinem unvergleichlichen Klang subtile Nuancen. Eine großartige Einspielung!

Die neue CD des Bratschisten Maxim Rysanov präsentiert ein rein romantisches Repertoire mit Werken von Schubert, Tschaikowsky und Bruch. Nach einer Reihe von gelungenen Brahms- und Bach-Veröffentlichungen stellt die Musik dieser Epoche so etwas wie Rysanovs angestammtes Repertoire dar, die sich hervorragend für seinen warmen seelenvollen Viola-Ton eignet. Da weder Schubert noch Tschaikowsky Solowerke für Bratsche geschrieben haben, bedient sich Rysanov zweier Bearbeitungen, die aus der ‚Arpeggione-Sonate‘ ein Werk für Viola und Streichorchester sowie aus den 'Rokoko-Variationen' ein Konzert für Bratsche und Orchester machen.

Die ‚Arpeggione-Sonate‘ wurde dafür von der jungen bulgarischen Komponistin Dobrinka Tabakova neu für eine reine Streicherbesetzung umgeschrieben, wodurch sich der Charakter des Stücks grundlegend wandelt. Die Sonate bekommt in dieser Version eine leicht kitschige Grundstimmung, die von einem romantisch verträumten Streicherteppich getragen wird. Dennoch kann man die Bearbeitung als gelungene Ergänzung des Bratschen-Repertoires sehen, lässt sie doch die Viola von ihren besten Seiten glänzen und funkeln. Dadurch, dass Tabakova statt eines Klaviers ein Streichorchester wählte, ist der Unterschied zwischen Melodiestimme und Begleitung weniger hart, das Soloinstrument ist sanft in einen ebenfalls dunklen Gesamtklang eingebettet und kann so auch in den klanglich schwierigen Mittellagen mit vollem Ton überzeugen. Ferner versteht es Rysanov wie kaum ein Zweiter, die Schönheiten der Bratsche voll auszukosten. Sein schwelgerisch inniges Spiel gibt selbst den gängigen Phrasen Sinn und Tiefe. Der Klang seiner Guadagnini strahlt mit für die Viola ganz untypischen obertonreichen Höhen, was sein Spiel unverwechselbar macht. Der deutsche Bratschist Nils Mönkemeyer, der ebenfalls die Schuberts ‚Arpeggione-Sonate‘ eingespielt hat, liefert zwar eine sehr viel pathosärmere, überraschend originelle Variante des Stücks ab; doch fehlt ihm bei aller Brillanz die charismatische Grandezza von Rysanov.

Absoluter Höhepunkt der Einspielung ist meiner Meinung nach die Romanze in F-Dur von Max Bruch, einem absoluten Klassiker des Bratschen-Repertoires, das dem Soloinstrument einen hochgradig sanglichen und klangvollen Part gibt. Auch hier erweist sich Rysanov als der ideale Interpret, hinter dessen Spiel selbst so großartige Interpretationen wie die von Yuri Bashmet zurücktreten müssen. Mit ausladenden Gesten zelebriert er hingebungsvoll Bruchs sehnsüchtig schmachtende Melodiebögen ohne die Musik zu karikieren. Die tiefen Lagen seines Instruments haben eine herrliche Resonanzstärke, während er auch in der Höhe keine nasalen Töne produziert. Das Swedish Chamber Orchestra Örebro, das ihn souverän unter der Leitung von Muhai Tang begleitet, spielt hierzu mit Delikatesse und Sinn für die feine Orchestrierung der Partitur.

Ebenso überzeugend agieren die Musiker in den 'Rokoko- Variationen' von Tschaikowsky. Auch hier bietet das Orchester dem Solisten einen perfekten Gegenpart, der sich Rysanovs kraftvollem Spiel ebenbürtig erweist. Dieser agiert in den kleinen Variationssätzen mit viel Verve und Schwung. Ob in Variation Nr. 5, in der er die hohen Lagentriller mit bestechender Leuchtkraft auszukosten weiß, oder im Finale, in dem er alle Register stupender Virtuosität zieht – Rysanov setzt das Werk mit unglaublichem Elan um, so dass sich die Bearbeitung als lohnende Ergänzung des Bratschen-Repertoires erweist.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Maxim Rysanov: Werke von Tschaikovsky, Schubert & Bruch

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
20.07.2011
Medium:
EAN:

SACD
7318599918433


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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