> > > von Einem, Gottfried: Klavierkonzert op. 20 & Orchesterwerke
Mittwoch, 17. Oktober 2018

von Einem, Gottfried - Klavierkonzert op. 20 & Orchesterwerke

Von innen


Label/Verlag: ORFEO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Meriten der vorliegenden CD, die hoffentlich den Anfang einer regelrechten Einem-Reihe bilden wird, sind zahlreich.

Der österreichische Komponist Gottfried von Einem (1918–1996) hat in den vergangenen zwanzig, fünfundzwanzig Jahren eine Renaissance erleben können, nicht zuletzt dank des Einsatzes des ORF und des Münchner Labels Orfeo. Einem wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer Ikone der österreichischen zeitgenössischen Musik, seine Opern 'Dantons Tod‘ und 'Der Prozess‘ erlebten ihre Uraufführungen bei den Salzburger Festspielen, 'Der Besuch der alten Dame‘ an der Wiener Staatsoper.

Die hier vorliegende CD präsentiert Gottfried von Einem als Bühnen- und Orchesterkomponisten gleichermaßen. Die eröffnende Suite aus der Oper 'Dantons Tod‘ (1947) vermittelt Einems Bühnengespür und macht Appetit auf die Gesamtaufnahme (unter Lothar Zagrosek ebenfalls bei Orfeo erschienen). Die Interpretation sprüht vor Energie, rhythmischer Präzision und instrumentatorischer Raffinesse. Die Klänge werden fein abschattiert und erfahren wo erforderlich auch kräftigeren Zugriff. Auch wenn gelegentlich zwölftönerisch, ist Einems Musik eingängig und in bestem Sinne zeitgemäß – ähnlich jener seines Zeitgenossen Rolf Liebermann.

Zwei kürzere Orchesterstücke – 'Wandlungen‘ op. 21 und 'Nachtstück‘ op. 29 – stammen aus den Jahren 1956 und 1960, ebenfalls aus Einems ‚Frühzeit‘ also – sein Oeuvre reicht bis zum Opus 111 aus seinem Todesjahr. 'Wandlungen‘ ist eine entspannte, humorvolle knapp siebenminütige Miniatur, die sich durch 'Ein Mädchen oder Weibchen‘ aus der Zauberflöte inspirieren ließ (es handelt sich um eine von zwölf für die Donaueschinger Musiktage komponierten Hommages zum Mozart-Jahr), 'Nachtstück‘ ein stimmungsvolles Naturstück, das ebenso als langsamer Satz einer Sinfonie entstammen könnte. Beide Werke sind vom musikalischen Gestus eher rückwärtsgewandt, erweisen dabei gleichzeitig Einems kompositorische Meisterschaft und tiefe Integrität: An dieser Musik ist nichts Gewolltes oder Aufgesetztes – was er schrieb, entsprang seiner Seele.

Im Januar 1957 erlebte Einems Ballett 'Medusa‘ seine Uraufführung an der Wiener Staatsoper. Die hier vorgelegte Auswahl an Orchesterstücken folgt in der stilistischen Ausrichtung den Auszügen aus 'Dantons Tod‘. Wie raffiniert die Orchesterleistung abgestuft ist, erweist sich am Eröffnungssatz und dem Prestissimo in Track 12.

Kernstück und Höhepunkt der CD ist das (erste) Klavierkonzert – es war 1956 durch die Gattin Boris Blachers, Gerty Herzog, uraufgeführt worden und liegt bei Orfeo auch in einem Mitschnitt unter Herbert von Karajan vor. Das Werk ist voller Witz und Charme, Kraft und Energie – wer je Gerty Herzog gehört hat, spürt, wie sehr es ihr ‚in die Finger‘ komponiert wurde. Konstantin Lifschitz liefert eine vielleicht etwas ‚männlichere‘ Interpretation des Klavierparts – mit ihm zusammen läuft das ORF Radio-Symphonieorchester Wien zu absoluter Höchstform auf. Das Orchester ist immer wieder nur gelegentlich profiliert durch Tonträger an die Öffentlichkeit getreten. Das ist höchst bedauerlich, weil sowohl sein Repertoire als auch seine interpretatorische Qualität nichts zu wünschen offen lässt. Ab September 2010 wird Cornelius Meister, bislang Leiter des Philharmonischen Orchesters Heidelberg, die Nachfolge von Bertrand de Billy antreten, der das Orchester wieder bestens auf der musikalischen Landkarte positioniert hat. Meister erweist sich als Meister seines Fachs und wir hoffen, dass er nicht in den Banalitäten des Standardrepertoires verloren gehen wird.

Ein äußerst informatives Booklet und tadellose Aufnahmetechnik ergänzen die Meriten der vorliegenden CD, die hoffentlich den Anfang einer regelrechten Einem-Reihe bilden wird.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    von Einem, Gottfried: Klavierkonzert op. 20 & Orchesterwerke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ORFEO
1
17.01.2010
EAN:

4011790764122


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ORFEO

Erschienen die ersten Aufnahmen des 1979 in München gegründeten Labels noch in Lizenz bei RCA und EMI, produziert und vertreibt ORFEO seit 1982 unter eigenem Namen. Durch konsequente Repertoire- und Künstlerpolitik konnte sich das Label seit seinem aufsehenerregenden Auftritt am Anfang der Digital-Ära dauerhafte Präsenz auf dem Markt verschaffen. Nicht nur bekannte Werke, sondern auch weniger gängige Musikliteratur und interessante Raritäten - davon viele in Ersteinspielungen - wurden dem Publikum in herausragenden Interpretationen zugänglich gemacht. Dabei ist es unser Bestreben, auch mit Überraschungen Treue zu klassischer Qualität zu beweisen.
Der Musik der Moderne wird mit den gleichen Qualitätsstandards Beachtung geschenkt - in exemplarischen Neuaufnahmen wie in Mitschnitten bedeutender Uraufführungen. Wichtige Akzente setzen dabei die Serien Edition zeitgenössisches Lied, die bis in die unmittelbare Gegenwart vorstößt, und Musica Rediviva mit Werken verbotener oder zu Unrecht vergessener Komponisten.
Zu den Künstlern zählen die besten Sängerinnen und Sänger, Instrumentalisten, Orchester und Dirigenten der letzten drei Jahrzehnte. Die Förderung aufstrebender Künstler der jüngeren Generation war und ist ORFEO stets ein Anliegen. Viele, die heute zu den Großen der Musikszene zählen, errangen bei uns ihre ersten Schallplattenerfolge.
Mit der Serie ORFEO D'OR wird auf die große interpretatorische Vergangenheit zurückgegriffen; legendäre Aufführungen u.a. aus Bayreuth, München, Wien und Salzburg werden dokumentiert. Hierbei wurde von Anfang an besonderer Wert auf sorgfältige Edition gelegt; durch - das dürfte auf dem Markt für historische Aufnahmen heute sehr selten sein - offizielle Zusammenarbeit mit den Künstlern, Erben und Institutionen hat ORFEO D'OR jeweils exklusiven Zugriff auf die besten erhaltenen Originalquellen.
Unser Ziel: Die Faszination, die klassische Musik ausüben kann, über die Generationen lebendig nahe zubringen.


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