> > > Ewa Podlés singt: Arien von Haydn, Rossini, Verdi u.a
Montag, 21. Mai 2018

Ewa Podlés singt - Arien von Haydn, Rossini, Verdi u.a

Vertane Chance


Label/Verlag: DUX
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ewa Podleś singt Arien von Haydn, Rossini, Verdi und Donizetti. Aber leider recht undifferenziert.

Wer Ewa Podleś einmal gehört hat, möchte sie wiederhören. Die 1952 geborene polnische Sängerin gehört zu jener raren Spezies des genuinen Kontraaltes, die manchen Partien erst das richtige Gepräge geben. Besondere Erfolge erlangte Ernest Frank in Rollen von Händel und Rossini, doch war auch in Mahlers 'Lied von der Erde’ und Verdis Requiem außerordentlich erfolgreich. Äußerst löblich war vom Label Naxos, Rossinis 'Tancredi’ auf CD vorzulegen, womit sich Podleś als legitime Nachfolgerin von Marilyn Horne etablieren konnte. Ihr Gluckscher Orpheus (bei Forlane und ARTS) ging eher unter, selbst ihre Mitwirkung in Glucks 'Armide’ und Händels 'Ariodante’ unter Minkowski (Archiv Produktion) bewirkten keinen großen Medienrummel. Eine bescheidene Sängerin ist sie, mit keineswegs bescheidenen stimmlichen und ausdruckstechnischen Mitteln, wie nicht nur ihre Opern-, sondern auch ihre Liedeinspielungen beweisen.

Nun also eine Recital-CD – so dachte ich zumindest. Leider ist dem nicht so. Vielmehr handelt es sich um ein Festkonzert vom 14. Dezember 2008 anlässlich der 200-Jahrfeier der juristischen Fakultät der Universität Warschau. Ein prachtvolles Festkonzert auf den ersten Blick, mit dem Polnischen Rundfunksinfonieorchester unter der Leitung von Łukasz Borowicz. Doch hat man erst die englischsprachigen Tracks zugeordnet, macht sich Ernüchterung breit. Drei der acht Tracks – immerhin 19 der insgesamt 63 Minuten – sind rein orchestral: Ouvertüren von Beethoven ('Die Geschöpfe des Prometheus’) und Rossini ('Il barbiere di Siviglia’ und 'L’italiana in Algeri'). Nicht das unbekannteste Repertoire also, der Beethoven lebhaft und inspiriert dargeboten, 'Il barbiere di Siviglia' mit etlichen Wacklern, alle drei Ouvertüren überflüssig mit Blick auf den in Riesenlettern geschriebenen Namenszug der Sängerin auf der CD. Im ganzen Booklet erfährt man nichts über den Sinn der Programmzusammenstellung - ohnehin ist das Booklet nur auf Polnisch und Englisch, mit Informationen lediglich zu den Interpreten und dem Anlass des Konzerts.

Fünf Szenen oder Arien insgesamt also auf der CD, zwei von Rossini, jeweils eine von Haydn, Verdi und Donizetti. Haydns Kantate 'Arianna a Naxos' wird in einer für den Rezensenten problematischen Orchesterfassung von Ernest Frank geboten. Und merkwürdigerweise wird der Zuhörer bereits bei der Orchestereinleitung enttäuscht. Wir befinden uns im stilistischen Niemandsland - das ist kein Haydn, der versucht, Beethoven zu sein (was Haydns Kantate natürlich nicht ist), und ist es doch nicht. Podleś’ Stimme scheint nicht mehr so leicht wie früher anzuspringen - ihr reiches Organ zeigt zahlreiche Schwächen bezüglich Stetigkeit, Vokalverfärbungen und Intonationssicherheit. Im Verlauf der Kantate steigert sich Podleś (wunderbar ihr 'barbaro' zum Schluss der Kantate - das aber eher nach Verdi als nach Haydn klingt), doch einige Schwächen bleiben vorhanden.

Podleś’ Rossini ist eine Kategorie für sich. Rund und warm umhüllt einen die Stimme in Rezitativ und Arie 'Di tanti palpiti' aus 'Tancredi' - runder und wärmer als in der Naxos-Gesamteinspielung noch, wo die Sängerin aber differenzierter musiziert. Offensichtlich braucht sie einen Dirigenten, der sie mitreißt, und das ist bei Borowicz eindeutig nicht der Fall. 'Cruda sorte' aus 'L’italiana in Algeri' gelingt ihr insgesamt deutlich besser - die Koloraturen sind leichtgängiger, die Sängerin kann ihre Spielfreude besser ausspielen und ähnelt der großen Marilyn Horne im kongenialen Stimmeinsatz, gerade bei den tiefen Registern. Von Donizetti ist Ewa Podleś in 'La fille du régiment' auf einer DVD von der Mailänder Scala dokumentiert - sie ist der heimliche Star der Aufnahme (oder gar nicht so heimlich, wird ihr Name auf dem Cover als erster genannt). In Orsinis Trinklied aus 'Lucrezia Borgia', einer technisch höchst anspruchsvollen Miniatur (mit merkwürdig fehlendem Schluss), spürt man aber leider wieder ein wenig, dass ihre Stimme nicht mehr ganz schnell anspricht. Es wäre schade, wenn eine so wunderbare Stimme durch falschen Gebrauch und nachlässige Dirigenten im Mediokren versauern müsste. Und leider ist eben dies ein wenig in dieser CD geschehen.

Podleś’ Stimme hat sich seit den 1990er-Jahren weiterentwickelt, trotz ihrer Koloraturfähigkeiten möchte man sie nun als Ulrica, Mrs. Quickly hören (vielleicht sogar als Erda?). Hier singt sie die Azucena in Verdis 'Trovatore'. Umfassend wird die Szene musikalisch bereitet - doch leider fehlt der essenzielle Chor und damit der dramatische Untergrund für 'Stride la vama'. Am besten hört man den Track nur ab 2:39 - zu irritierend ist der fehlende Chor. Dann jedoch erleben wir eine Sängerin, die einem Schauer über den Rücken jagt durch die schiere Präsenz ihrer Stimme. Schade, dass diese drei Minuten viel zu schnell vergehen - Ewa Podleś at her very best indeed.

Für einen Live-Mitschnitt ist die Klangtechnik tadellos, doch wie gesagt hätte es dem Label DUX bei dieser Covergestaltung angestanden, nicht schlicht diesen Live-Mitschnitt zu veröffentlichen, sondern die derzeit wohl bekannteste polnische Opernsängerin mit einem regelrechten Recital zu würdigen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Ewa Podlés singt: Arien von Haydn, Rossini, Verdi u.a

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
DUX
1
25.09.2009
EAN:
BestellNr.:

5902547007090
DUX 0709


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DUX

Das polnische Label DUX wurde 1992 von Malgorzata Polanska und Lech Tolwinski, beides Absolventen der Toningenieur-Fakultät der Frédéric Chopin Musikakademie in Warschau, gegründet. Hauptanliegen war die Produktion von Aufnahmen mit klassischer Musik, wobei man von Anfang an höchste Ansprüche an künstlerische und technische Standards stellte.Viele Aufnahmen von Dux erlangten sowohl in Polen als auch im Ausland breites Interesse bei Publikum und Kritik, die sich in zahlreichen Preisen und Auszeichnungen widerspiegelt.

Ein Schwerpunkt des Labels ist natürlich das reiche musikalische Erbe Polens, das weitaus mehr umfasst als Chopin oder Penderecki. Im Katalog finden sich daher neben bekannteren Namen wie Wieniawski, Szymanowski oder Lutoslawski auch zahlreiche hierzulande bislang weniger bekannte oder völlig unbekannte Komponisten von der Renaissance bis zur Gegenwart, wie Ignaz Jan Paderewski, der Klaviervirtuose und spätere Premier- und Außenminister der Zweiten Polnischen Republik oder Stanislaw Moniuszko, ein Zeitgenosse Verdis und Schöpfer der polnischen Nationaloper. Aber auch zahlreiche polnische Künstler, Ensembles und Orchester gilt es bei DUX zu entdecken, darunter international renommierte Namen wie beispielsweise die gefeierte Altistin Ewa Podles.


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