> > > Scarlatti, Alessandro: San Filippo Neri
Freitag, 19. Oktober 2018

Scarlatti, Alessandro - San Filippo Neri

Sehr italienisch


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Engagement für vergessenes Repertoire seitens des Labels Brilliant Classics ist ehrenwert. Wie auch das musikalische Ergebnis, das freilich in einigen Aspekten überzeugender ausfallen könnte.

Die Bemühungen von Brilliant Classics, sich auf nahezu enzyklopädische Art für vergessenes Repertoire einzusetzen, ist mehr als ehrenwert. Alessandro Scarlattis Oratorium 'San Filippo Neri' entstand 1705 und ist für bescheidene Kräfte konzipiert. Um mehr über das Werk (und seine Interpreten der vorliegenden Einspielung) zu erfahren, muss allerdings die der Produktion beigelegte CD-ROM in den Computer eingelegt werden. Ob jede etwaige Druckkostenersparnis diese CD-ROM wert ist, wage ich zu bezweifeln. Immerhin, eine sechs Seiten lange Einführung in das Werk ist deutlich mehr, als andere Low-Budget-Labels jemals leisten würden.

Filippo Neri (1515-1595) gilt als der Begründer des Oratoriums (der geistlichen Aktion und daraus folgend auch des dafür erforderlichen Raumes), hat aber außerhalb Italiens keine umfassende Bekanntheit erlangt. Auch in dem vorliegenden Werk auf ein Libretto Kardinal Pietro Ottobonis geht es nicht um das Leben Neris, vielmehr bietet das zweiteilige Oratorium in umfangreichen Dialogen seine Auseinandersetzung mit den drei christlichen Kardinaltugenden Glaube, Hoffnung und Liebe. Vier „Akteure“ also sind erforderlich, Filippo selbst naturgemäß die tiefste Stimme (Tenor). Mario Nuvoli hat vor allem in Italien Karriere gemacht, er besitzt eine feine lyrische, auch in den Koloraturen gut ansprechende Stimme ohne besondere Voraussetzungen für historisch informierte Aufführungspraxis - in manchen Momenten erinnert sie ein wenig an Anthony Rolfe Johnson, doch ist Nuvolis Stimme deutlich leichter. Herausragend etwa seine Leistung in der Arie des Filippo 'Son come destriero' aus dem zweiten Teil. Der bereits international erfolgreiche Countertenor Marco Lazzara singt den Part des Glaubens; seine Stimme ist nicht so fein abschattiert wie etwa seine angloamerikanischen, französischen oder deutschen Fachkollegen - doch vielleicht ist diese „erdigere“ Zugangsweise zu seinem Stimmfach eine durchaus ernst zu nehmende Alternative, die allerdings in der vorliegenden Rolle nicht unbedingt auf die optimalste Weise zur Geltung kommt. Die in Novara geborene Altistin Manuela Custer (Hoffnung) war schon in aller Welt unter renommiertesten Dirigenten zu hören, und völlig zu Recht. Wir haben hier eine jener raren Koloraturaltistinnen, deren Stimme in allen Lagen gleich gut anspringt und die auch das Vibrato effektvoll einzusetzen weiß. Ein Organ ähnlicher Färbung erinnere ich nur von Carolyn Watkinson, deren Stimme jedoch insgesamt etwas leichter war. Die Sopranistin Rosita Frisani (Liebe) kann als Lehrerinnen unter anderem Jessye Norman und Magda Olivero vorweisen; ihre Stimme ist die problematischste der ganzen Einspielung, ein Koloratursopran, der in lyrischeren Passagen ein Vibrato an den Tag legt, dass einem (mit Verlaub) schwindelig wird - aber nicht wegen seiner Qualität, sondern wegen seiner mangelnden Stetigkeit. Die Stimme selbst entbehrt besonderer Raffinesse, ist aber in Koloraturpassagen (etwa im A-Teil der Arie 'L'alta Roma reina del mondo') gar nicht schlecht.

Insgesamt lässt sich vielleicht sagen, dass das Ensemble in seiner Gesamtheit mit einer Direktheit an das Werk herangeht, die im Grunde äußerst erfreulich und auch typisch italienisch ist. Da gibt es keine akademischen Diskussionen, da wird - und das vielfach im besten Sinne - musiziert. Die Spielfreude des Alessandro Stradella Consort ist unüberhörbar und ansteckend, fast durchgängig überzeugt die Gruppierung durch Kraft und Lebhaftigkeit (einzig ein wenig problematisch die Viola in der Arie 'Mio ti voglio'). So ist es nur zu bedauern, dass die Sopranistin mit ihren Kollegen und Kolleginnen in dieser Weltersteinspielung nicht ganz mithalten kann. Die Aufnahmetechnik aus Sori in der Provinz Genua ist tadellos, und hätte der Dirigent Estevan Velardi nicht selbst die Produktion überwacht, sondern mit einem Aufnahmeleiter noch eine zusätzliche Kontrollinstanz gehabt, so hätte es eine Referenzeinspielung werden können. So leider nicht ganz.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Scarlatti, Alessandro: San Filippo Neri

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
2
05.03.2010
EAN:

5028421940373


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