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Mittwoch, 17. Oktober 2018

Wagenaar, Johan - Sinfonische Dichtungen

Niederländische Entdeckungen


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


CPO hebt mit der Orchestermusik des Niederländers Johan Wagenaar einen weiteren Schatz - großartige Musik in überzeugender Wiedergabe. Was will man mehr?

Johan Wagenaar (1862–1941) wurde im selben Jahr geboren wie Delius und Debussy, zwei Jahre vor Richard Strauss. Er studierte an der Musikschule für Tonkunst seiner Heimatstadt Utrecht (1892 studierte er kurzzeitig Komposition bei Heinrich von Herzogenberg) und wurde 1885 Lehrer dort; 1896 wurde er Direktor der Musikschule, ehe er 1919 als Direktor ans Den Haager Konservatorium berufen wurde. Zu seinen Schülern gehörten viele wichtige niederländische Komponisten des 20. Jahrhunderts.

Die hier vorliegenden Kompositionen entstanden alle lange vor dem Ersten Weltkrieg im Zeitraum zwischen 1886 und 1909. Die früheste erhaltene Orchesterkomposition ist 'Frithjofs Meerfahrt' op. 5. Die Komposition ist nicht ganz unähnlich den Kompositionen Ernst Bœhes oder anderer Tondichter der Zeit. Wagenaar beherrscht bereits die Kunst des Orchestrierens bestens und ein direkter Vergleich mit den im selben Jahr uraufgeführten 'Variations symphoniques' von César Franck zeigen, dass Wagenaar durchaus auf der Höhe seiner Zeit war. Spannende Klangfarben, sorgsame Formgestaltung, dramaturgisch kluger Aufbau – untadelig sind die Kompositionen, legt man nicht ungerechte Vergleichsmaßstäbe an. 1894 entstand das 'Romantisch intermezzo' op. 13. Die pastorale Komposition strahlt beeindruckende Ruhe aus. Der Bookletautor diagnostiziert eine Nähe zur französischen Orgelmusik und in der Tat könnte man sich Wagenaars Intermezzo als Orgelmedidation vorstellen. Die Orchesterphantasie 'Levenszomer' op. 21 entstand 1903. Sie strahlt Eleganz und Raffinesse aus, vielleicht Gabriel Fauré oder auch Hubert Parry verwandt – oder aber eben einfach Teil des herrschenden Zeitstils. Wie bei vielen Komponisten, die sich ihren Lebensunterhalt vornehmlich durch pädagogische Tätigkeit verdienten, stagnierte die musikalische Entwicklung Wagenaars; er blieb Meister seines Fachs, wurde aber nicht der progressivsten einer. Im direkten Vergleich mit Frederick Delius’ 'Lebenstanz' (rev. 1901) ist Wagenaars Komposition deutlich traditioneller, wie ein erfreulicher, durch nichts zu beeinträchtigender Sommertag. Die Komposition spiegelt das Lebensgefühl eines Komponisten, der alles erreicht hat, was er erreichen wollte, vielleicht sogar noch mehr.

Die beiden spätesten Kompositionen auf der CD sind die Symphonische Dichtung 'Saul en David' op. 24 und die Ouvertüre 'De getemde feeks' (Der Widerspenstigen Zähmung) op. 25, 1906 bzw. 1909 entstanden. Sie spiegeln die gesamte Bandbreite von Wagenaars Schaffen. Die Tondichtung entstand als Auftragskomposition zum 300. Geburtstag Rembrandts und wurde durch dessen Gemälde inspiriert. Vielleicht haben wir hier diejenige Partitur vorliegen, mit der Wagenaar sich am stärksten in sowohl harmonisches als auch instrumentationstechnisches Neuland (für ihn) vorwagte. Hier haben wir eine wirklich und wahrhaftig dramatische, sogar rhythmisch ausgesprochen interessante Komposition vorliegen, die sich fast bis zu Strauss’ 'Elektra' vorwagt (die erst drei Jahre später uraufgeführt werden sollte). Die Ouvertüre wurde in den Niederlanden schnell äußerst beliebt und gilt auch heute noch als eines der Erfolgsstücke niederländischer Dirigenten: eine inspirierte, quirlige Lustspielouvertüre, in Momenten durchaus jener Emil Nikolaus von Rezniceks zu 'Donna Diana' (1894) vergleichbar.

Die Nordwestdeutsche Philharmonie Herford unter der Leitung des niederländischen Dirigenten Antony Hermus leistet Überzeugungsarbeit. Die Interpretationen sind sorgfältig, insgesamt recht inspiriert, die Streicher in genau der rechten Mischung von Wärme und Kühle, die Bläser auf den Punkt; man spürt, dass Hermus mit der Musik vertraut ist. Vergleicht man aber 'De getemde feeks' mit der grandiosen Einspielung Willem van Otterloos mit dem Resieentie Orkest Den Haag aus dem Jahre 1954 (die auch Riccardo Chaillys Decca-Studioaufnahme weit hinter sich lässt), so ist nicht zu überhören, dass Hermus um entscheidende Momente zu kalkuliert, gleichzeitig in den Übergängen viel zu wenig flexibel ist. Wo es Otterloo mit Leichtigkeit gelingt, Kitschhaftigkeit zu vermeiden (z.B. die Wahl des Tempo II in 'De getemde feeks'), fällt dies Hermus ungleich schwerer, wirken seine Darbietungen vergleichsweise fast betulich (aber immerhin sauberer musiziert als bei Otterloo). Dieses entscheidende Manko kann auch die wahrhaft exzellente Aufnahmetechnik nicht gänzlich auffangen. So kann das zweifellose große Verdienst um den zu Unrecht vergessenen Komponisten leider nur mit einem Wermutstropfen genossen werden, oder anders: Eine echte Referenzeinspielung hätte noch mehr dirigentischen Mut vertragen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Wagenaar, Johan: Sinfonische Dichtungen

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
20.09.2009
EAN:

761203747924


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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