> > > Schumann, Robert: Violinsonaten Nr. 1 & 2
Sonntag, 24. Oktober 2021

Schumann, Robert - Violinsonaten Nr. 1 & 2

Sehr persönliche Handschrift


Label/Verlag: Challenge Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der junge Geiger Linus Roth und sein Klavierpartner José Gallardo legen eine nicht unproblematisch, aber sehr persönliche Einspielung von Robert Schumanns Violinsonaten op. 105 und op. 121 vor.

Diese Einspielung von Challenge Classics lässt aufhorchen: Linus Roth, junges Geigentalent aus Ravensburg, hat sich gemeinsam mit seinem Klavierpartner José Gallardo an Robert Schumanns 1851 entstandenen Violinsonaten Nr. 1 a-Moll op. 105 und Nr. 2 d-Moll op. 121 versucht. Gemeinsam haben die beiden eine Interpretation vorgelegt, der man das Besondere und Individuelle anhört: Hier herrscht nicht die schöne, gelegentlich nivellierende Glätte im Erscheinungsbild, die man von anderen Talenten wie etwa Julia Fischer kennt, hier dominiert eher eine fieberhafte Unruhe, die sich in einer spannungsreichen, alles andere als langweiligen und vor allem klanglich geschärften Aufnahme niederschlägt.

Es ist der harte, aber auch energiereiche Beginn der Kopfsatz-Einleitung aus der d-Moll-Sonate, durch Roth gleich darauf zu einer dynamisch äußerst fein formulierten melodischen Fortsetzung geführt, der die CD wie ein Signal eröffnet und stellvertretend für vieles steht, was da noch im weiteren Verlauf zu hören ist. Drängend, nervös gerät der nachfolgende rasche Teil – ein Tonfall, den die beiden Interpreten auch in einer etwas abgemilderteren Form für den Kopfsatz von op. 105 wählen –, klare, feste Artikulationen auf beiden Seiten lassen die Musik in präziser und (wie im Finale von op. 121) schneidender Diktion erscheinen. Dass Gallardo dabei erfreulicherweise ohne übermäßigen Pedalgebrauch auskommt, trägt viel zur Transparenz der Aufnahme bei, auch wenn sich dieses Detail mit dem manchmal schon etwas unangenehm trockenen Klang der CD zu einer stellenweise fast schon abweisenden Härte aufschaukelt.

Dies wirkt sich wiederum auf die Wahrnehmung des Zusammenspiels aus, denn trotz hervorragender Balance zwischen den Instrumenten wirken die beiden Musizierenden manchmal klanglich etwas isoliert voneinander. Da Roth und Gallardo zudem sehr viel Wert auf die Wiedergabe kleinteiliger, eng umgrenzter Abläufe legen – so etwa in den Durchführungspassagen der raschen Sonatensätze –, wird an einigen Stellen der Anschein von Isoliertheit verstärkt, so dass die Musik dort in sich zu kreisen beginnt und die Darstellung insgesamt an Stringenz zu verlieren droht. Von diesem Eindruck einmal abgesehen, überzeugt die Wiedergabe aber gerade durch ihren Detailreichtum und durch Genauigkeit in der Umsetzung. Die Subtilität, die Roth etwa im langsamen Satz der Sonate d-Moll an den Tag legt und mit einer eigenartigen Kühle verbindet, sorgt dafür, dass die Musik von einem leicht unheimlichen Hauch überzogen wird – im Gesamtkonzept dieses Werkes eine schlüssige Entscheidung, die sich hervorragend in die unruhige Grundhaltung einpasst.

Was nun den erwähnten Hang zur Nervosität anbelangt, so verdankt er sich nicht nur der hier realisierten Schumann-Auffassung, sondern auch der vollen, für meinen Geschmack im vollen Vibrato jedoch eine Spur zu penetranten Tongebung des Geigers, die – wenngleich bis hin zum vibratolosen Klang äußerst wandlungsfähig – in den Momenten des Aufblühens eine seltsame Hektik ausstrahlt. Das wird besonders dort deutlich, wo es eher um die Nachzeichnung lyrischer Gedanken geht: nämlich in den vier Bearbeitungen Schumannscher Lieder (eine aus der Feder von Joseph Joachim, drei weitere von den beiden Musikern selbst gefertigt), die stellenweise ein wenig zu exaltiert geraten. So erscheint die Schumann-Interpration des Duos Roth-Gallardo letzten Endes zwar nicht ganz unproblematisch; dennoch spürt man aber hinter dieser Produktion eine sehr persönliche Handschrift – und das ist gut so und schürt die Vorfreude auf zukünftige Einspielungen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schumann, Robert: Violinsonaten Nr. 1 & 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Aufnahmejahr:
Challenge Classics
1
29.05.2009
2007
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
608917234121
CC72341


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"Linus Roth: Außergewöhnliche Klangkultur und technische Brillanz Der deutsche Geiger Lius Roth gehört zu den interessantesten Musikern der jüngeren Generation und wurde u.a. 2006 für seine Debüt-CD bei EMI CLASSICS mit dem Echo-Klassik-Preis der Deutschen Phono-Akademie als „Bester Nachwuchskünstler“ ausgezeichnet. Seit 1997 spielt er die Stradivari „Dancla“ aus dem Jahr 1703. Der argentinische Pianist José Gallardo ist ein international gefragter Solist und Kammermusikpartner und lehrt seit Herbst 2008 am Leopold Mozart Zentrum der Universität Augsburg. Gemeinsam präsentieren sie hiermit eine sehr eigenständige Interpretation der Schumann-Sonaten, die die Einfachheit und Schönheit der Melodien betont und gleichzeitig die innere Zerrissenheit und emotionalen Ausbrüche dieses späten Schumann-Werkes nachvollziehen lässt. 'Die künstlerische Reife Roths ist angesichts des jungen Alters außergewöhnlich, seine beiläufig kenntliche technische Sicherheit eigentlich Nebensache....' (FAZ) "


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Challenge Classics

CHALLENGE RECORDS ist eine unabhängige Schallplattenfirma, die ihren Sitz in den Niederlanden hat. Sie setzt sich aus einer Gruppe von Musikenthusiasten zusammen, die mit großer Leidenschaft für den Jazz und die Klassische Musik internationale Produktionen kreieren.
Die Zusammenarbeit mit Künstlern wie Ton Koopman, dem Combattimento Amsterdam, dem Altenberg Trio Wien, Musica Antiqua Köln u.v.a., gibt CHALLENGE CLASSICS ein eindeutiges Profil.
Neben den inhaltlichen Schwerpunkten im Bereich der Barockmusik und der Kammermusik, finden sich auch herausragende Aufnahmen im Liedgesang, in frühklassischer Sinfonik sowie Opern und Oratorien auf DVD-Video.


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