> > > Myroslav Skoryk: Violin Concertos 2, 5-9: Andrej Bielow, National Symphony Orchestra of Ukraine, Volodymyr Sirenko
Samstag, 19. September 2020

Myroslav Skoryk: Violin Concertos 2, 5-9 - Andrej Bielow, National Symphony Orchestra of Ukraine, Volodymyr Sirenko

Zu wenig Abwechslung


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die hier zu hörenden fünf Violinkonzerte von Myroslaw Skoryk werden zwar solide musiziert, ähneln sich aber zu sehr, als dass man sie empfehlen könnte.

Im Juni 2020 starb mit Myroslaw Skoryk einer der renommiertesten ukrainischen Komponisten unserer Zeit. Das umfangreiche Werk des 1938 geborenen Tondichters hat seine Schwerpunkte in den traditionellen Gattungen, vor allem die Komposition von Violinkonzerten war für Skoryk eine Art Lebensaufgabe. In einer Zeit, in der viele Kollegen ‚Konzert‘ eher als (einmal) zu lösendes Problem denn als Gattung verstanden, schrieb er nicht weniger als neun Konzerte für Violine und Orchester. Dabei ging es ihm nicht um bahnbrechende Innovationen innerhalb der Gattung, sondern eher um ein Ausloten der (schon vorhandenen) Möglichkeiten – mit einigem Recht kann man seinen Stil als konservativ-traditionell bezeichnen. Anklänge seines Lehrers Kabalewski finden sich darin ebenso wie solche an Prokofiev. Der Geiger Andrej Bielow hat sich nun einer Gesamteinspielung der Konzerte angenommen, er wird dabei vom nationalen Symphonie-Orchester der Ukraine unter Volodymyr Sirenko begleitet. Vorliegende CD ist die zweite Folge mit den Konzerten Nr. 5 bis 9, die Skoryk in den Jahren 2004 bis 2014 komponierte.

Routiniert komponiert

Der betont schlichte Beginn des fünften Konzertes täuscht den Hörer über die Schwierigkeiten, die sich im weiteren Verlauf des Werkes gleichsam einschleichen. Bielow sieht sich vor alle möglichen geigerischen Herausforderungen gestellt, die er bravourös bewältigt. Die Aufgaben des Orchesters sind im Vergleich dazu überschaubar; Skoryk ging es ausdrücklich nicht um ein symphonisches Konzert im Sinne Regers. Vielmehr sind die Orchestermusiker klar dem Solisten untergeordnet und sehen sich oft mit wenig aufregenden Begleitrhythmen konfrontiert, die bisweilen etwas lustlos absolviert werden. Auch der klangliche Fokus liegt klar auf der Geige, was für ein Solokonzert zwar angemessen ist, hier aber doch etwas übertrieben wird. Insgesamt entsteht so der Eindruck eines routiniert komponierten Werkes, das ähnlich routiniert ‚heruntergespielt‘ wird; jenseits von Bielows geigerischer Leistung bleibt hier wenig in Erinnerung.

Ähnlich verhält es sich beim sechsten Konzert, das zwar rhythmisch etwas abwechslungsreicher als das blasse fünft daherkommt, aber in kurze Abschnitte zerfasert. Jenseits eines soliden Handwerks gibt es hier wenig, was das Auditorium in einem Konzertsaal zu Begeisterungsstürmen veranlassen könnte. Das Problem von Skoryks Musiksprache ist nicht ihr traditioneller Charakter, sondern ihre gewisse Beliebigkeit. Ein individueller, unverwechselbarer Tonfall ist kaum erkennbar. So sehr sich Bielow, dem man wirklich keinen Vorwurf machen kann, und die Orchestermusiker auch mühen – zu viele Passagen wirken hier einfach unverbindlich, bisweilen sogar austauschbar. Dies ist auch im siebten Konzert so, dem vielleicht schwächsten der hier versammelten Werke. Womöglich wollte Skoryk mit den einleitenden Paukenschlägen an Beethovens Violinkonzert erinnern. Der weitere Verlauf streift dann aber leider die Grenzen zur Trivialität.

Ordentlich musiziert

Auch wenn die Konzerte Nr. 8 und 9 wieder etwas mehr Abwechslung bieten, kommt man um die (zugegebenermaßen recht polemische) Erkenntnis nicht herum, dass es genügt, ein Konzert von Skoryk zu kennen – die Werke unterscheiden sich einfach zu wenig voneinander. Der direkte Vergleich mit dem (hörbaren) Vorbild Prokofiev zeigt eine gewaltige Fallhöhe. Wer sich für den Tondichter prinzipiell interessiert, kann mit dieser CD zwar nicht viel falsch machen – ordentlich musiziert wird allemal. Aber auch im Vergleich mit seinen Generationsgenossen (etwa mit Aribert Reimann oder Alfred Schnittke, um nur zwei zu nennen) bleibt Skoryks Musik blass.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Bisherige Kommentare zu diesem Artikel

  1. Verriss gelungen
    Den Skoryk haben Sie ja mächtig abgewatscht, Herr Kollege. Hab es mit Genuss gelesen. Weiter so.

    fuchsbuhl, 11.09.2020, 14:51 Uhr
    Registriert seit: 29.11.2009

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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Myroslav Skoryk: Violin Concertos 2, 5-9: Andrej Bielow, National Symphony Orchestra of Ukraine, Volodymyr Sirenko

Label:
Anzahl Medien:
Naxos
1
Medium:
EAN:

CD
747313408979


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Naxos

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