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Sonntag, 22. Oktober 2017

Nowowiejski, Feliks - Quo Vadis

Einstiger Welterfolg


Label/Verlag: DUX
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit 'Quo Vadis' belebt das polnische Label DUX einen einstigen Welterfolg wieder, der auch auf Tonträger eine beeindruckende Figur macht.

Das groß besetzte Oratorium 'Quo Vadis' von Feliks Nowowiejski aus dem Jahr 1909 war einst ein häufig gespielter Welterfolg. Allein bis ins Jahr 1939 sind weltweit über 200 Aufführungen in neun Sprachen dokumentiert. Doch dann wird es still um das Werk, das die Christenverfolgung im alten Rom zum Thema hat und das neben religiösen auch humanitäre Werte hochhält. Nach dem Zweiten Weltkrieg erklingt 'Quo Vadis' noch in Polen, findet dort sogar 1966 als Rundfunkaufnahme einen Platz im Tonarchiv.

Heute kennen selbst Plattensammler und Vokalmusik-Interessierte kaum noch den Namen des Komponisten: Feliks Nowowiejski ist Schüler von Max Bruch, studiert in Berlin und gilt um die Jahrhundertwende durchaus als international gefeierter polnischer Komponist. Freilich ist es vor allen Dingen sein Oratorium 'Quo Vadis', das auf der berühmten gleichnamigen Novelle von Henryk Sienkiewicz basiert, das ihn schließlich berühmt macht. Mit gerade mal 26 Jahren macht er sich an die Komposition, die 1909 nach einigen Umarbeitungen im Amsterdamer Concertgebouw zur Uraufführung kommt. Die Musik ist hochromantisch, erinnert in vielen Punkten an Franz Liszt oder Johannes Brahms, atmet aber auch einen Duft von jungem Richard Strauss oder Arnold Schönbergs 'Gurreliedern'.

Vermutlich ist es aber vor allen Dingen der melodische Einfallsreichtum Nowowiejskis und sein effektvoller Umgang mit Chor und Orchester, der seine Musik auszeichnet. Die mitreißende Wirkung von 'Quo Vadis' ist jetzt in einer Neuaufnahme wieder akustisch nachvollziehbar. Im vergangenen Jahr 2016 jährte sich der Todestag Nowowiejskis zum 70. Mal, und auch der Dichter von 'Quo Vadis' feierte gleich zwei Jubiläen. Grund genug, das einstmals so berühmte Oratorium wieder ins Gedächtnis des Publikums zu rufen. Aus diesem Grund sind nun in relativ kurzer Zeit auch gleich zwei Aufnahmen des Werks auf CD erschienen – ein Livemitschnitt bei cpo und die vorliegende deutschsprachige Studioproduktion beim polnischen Label DUX, die im Rahmen von Aufführungen im Herbst 2016 in Olsztyn entstanden ist.

Der Dirigent der Aufnahme ist Piotr Sulkowski, der am Pult des Symphony Orchestra of the Feliks Nowowiejski Warmia and Mazury Philharmonic in Olsztyn die unzähligen Fäden der mehr als üppigen Partitur zusammenhält. Dabei gelingt ihm ein erstaunlich durchsichtiger Orchesterklang mit einem samtenen Streicherapparat und hervorragenden Bläsern. Der bestens präparierte Górecki Chamber Choir setzt mit seinem fein ausbalancierten Zusammenspiel seinerseits effektvolle Akzente.

Auch das Solistenquartett beeindruckt durch seine Stimmschönheit und dramatische Verve. Allen voran ist hier Aleksandra Kurzak als Ligia zu nennen. Die Sopranistin verfügt sowohl über die notwendige lyrische Innerlichkeit, um ihren Charakter glaubhaft zu gestalten, kann aber auch mit gleißendem Strahl über die Chormassen hinweg leuchten, dass es einem wohlige Schauer über den Rücken treibt. Mit Artur Rucinski steht ihr ein prachtvoller Bariton zur Seite, der den Apostel Peter vokal eindringlich umzusetzen weiß. Auch Rafal Siweks voluminöser Bass trifft genau jene Monumentalität, die 'Quo Vadis' so eindrücklich und mitreißend macht. Als Kantor gefällt der junge Bariton Sebastian Szumski mit balsamischen Tönen und gesundem Legato. Leider versteht man bei ihm am wenigsten, was er eigentlich gerade textlich auszudrücken versucht. Wobei man zu seiner Verteidigung zugeben muss, dass alle Solisten und auch der Chor ein eher weichgezeichnetes Deutsch pflegen, dessen Inhalt sich nicht problemlos transportiert. Aber wenn dann beispielsweise die dritte Szene, die nächtliche Versammlung der verfolgten Christen in den Katakomben, erklingt, liegen alle Emotion und damit auch der Inhalt der Szene in der Musik. Da ist die Textverständlichkeit mit einem Mal nebensächlich, weil die Situation musikalisch unmissverständlich greifbar wird. Vielleicht ist auch das ein Grund, weshalb Nowowiejskis Oratorium vor hundert Jahren so erfolgreich war: Es bedient sich im Grunde genommen einer emotionalen Sprache und ist nicht zwingend auf die eher intellektuelle Ebene von Text und Sprache angewiesen. Dennoch vermisst man im polnisch-englischen Beiheft schmerzlich einen Abdruck des Librettos.

Bei dem enormen besetzungstechnischen Aufwand bleibt es trotz dieser gelungenen Wiederbelebung und klangvollen Einspielung fraglich, ob 'Quo Vadis' den Weg zurück auf die Konzertpodien findet. Aber vielleicht ist das Werk zumindest wieder im Bewusstsein der Veranstalter angekommen. Das wäre ja auch schon was.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Bisherige Kommentare zu diesem Artikel

  1. Ein paar Anmerkungen
    Lieber Herr Künzel, in Polen haben wir wirklich kein Problem damit, wenn Sie "die im Rahmen von Aufführungen im Herbst 2016 in Allenstein entstanden ist" geschrieben hätten und nicht Olsztyn. Wir fahren auch nach Wilno, Lwów, Monachium oder Akwizgran und nicht nach Vilnius, Lviv, München und Aachen. Den meisten Deutschen ist die polnische Sprache fremd und wenn Sie versuchen die Nachkriegsortsnamen unbedingt auszusprechen oder schreiben weiss man häufig nicht was sie meinen. Es ist doch einfacher Stettin zu sagen als Szczecin... Verzeihen Sie bitte auch, aber der Satz "des Symphony Orchestra of the Feliks Nowowiejski Warmia and Mazury Philharmonic in Olsztyn" ist durchaus unverständlich. Da man in der Republik Polen Polnisch spricht konnten Sie schreiben "von Orkiestra Symfoniczna Filharmonii Warmińsko-Mazurskiej im. Feliksa Nowowiejskiego w Olsztynie" oder ganz ruhig "des Symphonieorchesters der Ermländisch-Masurischen Felix-Nowowiejski-Philharmonie in Allenstein". Wenn Sie die anderen Werke von Nowowiejski kennen (und ich meine hier keine 'Rota'), wissen Sie dass er auch nicht so ganz stramm polnisch war, wie viele meinen, sondern eher katholischer Ermländer war und durch das Klischee Pole-Katholik, Deutscher-Protestant viel gelitten hat. Viele Grüße und herzlichen Dank für die tolle Rezension!

    Nutzer_ISIXXNQ, 16.08.2017, 12:06 Uhr
    Registriert seit: 16.08.2017

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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Nowowiejski, Feliks: Quo Vadis

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
DUX
1
14.04.2017
EAN:

5902547013275


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DUX

Das polnische Label DUX wurde 1992 von Malgorzata Polanska und Lech Tolwinski, beides Absolventen der Toningenieur-Fakultät der Frédéric Chopin Musikakademie in Warschau, gegründet. Hauptanliegen war die Produktion von Aufnahmen mit klassischer Musik, wobei man von Anfang an höchste Ansprüche an künstlerische und technische Standards stellte.Viele Aufnahmen von Dux erlangten sowohl in Polen als auch im Ausland breites Interesse bei Publikum und Kritik, die sich in zahlreichen Preisen und Auszeichnungen widerspiegelt.

Ein Schwerpunkt des Labels ist natürlich das reiche musikalische Erbe Polens, das weitaus mehr umfasst als Chopin oder Penderecki. Im Katalog finden sich daher neben bekannteren Namen wie Wieniawski, Szymanowski oder Lutoslawski auch zahlreiche hierzulande bislang weniger bekannte oder völlig unbekannte Komponisten von der Renaissance bis zur Gegenwart, wie Ignaz Jan Paderewski, der Klaviervirtuose und spätere Premier- und Außenminister der Zweiten Polnischen Republik oder Stanislaw Moniuszko, ein Zeitgenosse Verdis und Schöpfer der polnischen Nationaloper. Aber auch zahlreiche polnische Künstler, Ensembles und Orchester gilt es bei DUX zu entdecken, darunter international renommierte Namen wie beispielsweise die gefeierte Altistin Ewa Podles.


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