> > > Werke von Cowen & Somervell: Klavierkonzerte
Donnerstag, 24. Mai 2018

Werke von Cowen & Somervell - Klavierkonzerte

Musik aus dem Land ohne Musik


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


In der Reihe "The Romantic Piano Concerto" liegen zwei Beiträge von Frederic Hymen Cowen und Arthur Somervell vor. Sie werden von Martin Roscoe und dem BBC Scottish Symphony Orchestra unter der Leitung von Martyn Brabbins spannend dargeboten.

Zum achten Mal befasst sich die Reihe ‚The Romantic Piano Concerto‘ nunmehr mit britischer Musik, mit Musik aus einem Land, das sich selbst das Diktum – aus Zeiten des Ersten Weltkrieges – eines ‚Landes ohne Musik‘ angeeignet hat. Was allein schon dafür spricht, dass dieses Diktum entweder aus Ignoranz oder aus Propaganda geprägt wurde (ersteres ist der Fall). Zwar gehören die beiden Komponisten auf der vorliegenden CD nicht zu den bekanntesten Briten der Jahrhundertwende. Aber wer tut das schon? Wird wohl die einstündige posthum ‚ausgearbeitete Fassung‘ des Elgar-Klavierkonzerts jemals in der Reihe erscheinen (eine gekürzte Version wurde bei Dutton vorgelegt)?

Hier haben wir also Frederic Hymen Cowen und Arthur Somervell, zwei Komponisten, die heute zwar vergessen sind, die aber zu Lebzeiten immerhin in den Ritterstand erhoben wurden. Cowen (1852–1935) war nicht nur als Komponist, sondern auch als Dirigent äußerst erfolgreich. Immerhin einige seiner Sinfonien liegen mittlerweile auf CD vor. Cowen ist ein brillanter Komponist, sein Konzertstück aus dem Jahre 1897 ein ‚Showpiece‘ im besten Sinne, in der Nachfolge Griegs, Schumanns und Liszts, sehr ‚tuneful‘, musikalisch reich und äußerst dankbar – spätromantisch im allerbesten Sinne, gar nicht so fern Tschaikowsky oder Saint-Saëns. Dabei macht Cowen deutlich klar, dass er kein Konzert, sondern ein ‚Concertstück‘ vorlegt, ist es doch sowohl von der Konzeption als auch von der musikalischen Faktur her weniger schwer als die beiden folgenden Werke.

1912, kurz vor dem Ersten Weltkrieg entstand 'Normandy', ein substanzielles symphonisches Variationswerk von Arthur Somervell (1863–1937), das die ganz eigene Klangästhetik dieses Komponisten, der erst in den letzten Jahren wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zurückkehrt, bestens hervorhebt (die Uraufführung 1913 spielte Donald Tovey). Orchester- und Klavierpart sind bestens ausgearbeitet, auch wenn auch hier der Klaviersatz teilweise noch klar (für manchen vielleicht allzu klar) in der Schumann-Nachfolge steht. Effektvolle, den Konzertsaal bereichernde Kompositionen sind sowohl 'Normandy' als auch das 1921 uraufgeführte 'Highlands'-Klavierkonzert a-Moll. Das Werk ist von ähnlich schottischem Geist wie Kompositionen Hamish MacCunns, Granville Bantocks oder anderer, voller Charme und Spielfreude – damals noch mit dem Hintergrundwissen, Musik möge nicht hässlich klingen (eine entsprechende Diskussion gab es im Musikleben der Zeit ab 1906 für rund zwanzig Jahre – dass man von den Ergebnissen heute nur noch eine Handvoll Komponisten kennt, zeugt von der Ungerechtigkeit der Musikgeschichte).

Martin Roscoe und das BBC Scottish Symphony Orchestra unter der Leitung von Martyn Brabbins finden exakt den rechten Ton für die Kompositionen. Ihre Rehabilitation lange vergessener Werke ‚von der Insel‘ ist allemal eine Empfehlung wert. In manchen Momenten könnten ihre Interpretationen noch mehr Schwung vertragen ('Normandy'), doch ist zu vermuten, dass sie den Vorgaben der Partitur folgen und die Musik nicht mit in damaliger Zeit gewiss unangemessener Verve überdecken wollen. Wohltuend klar die musikalischen Strukturen, die orchestrale Balance, der architektonische Aufbau der Interpretationen. Vorbildlich, wie fast immer in der Reihe, Aufnahmetechnik und Booklettext. Mehr davon!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Werke von Cowen & Somervell: Klavierkonzerte

Label:
Anzahl Medien:
Hyperion
1
EAN:

034571178370


Cover vergössern

Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

Our records are easily available throughout the world in those countries served by our distributors. A list of the world's top Hyperion dealers, listed by country and city, can be found on our homepage. But if you have any difficulty please get in touch with the distributor in your territory. In Germany that is Note 1 Music Gmbh.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Hyperion:

  • Zur Kritik... Lebendige Traditionen: Ein erfrischendes Dokument der formidablen Arbeit Stephen Laytons mit den reichen Ressourcen am Trinity College in Cambridge. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Familiensache: Die Bachs – was für eine Familie! Natürlich, man weiß es. Und doch ist man geneigt, das klingende Ergebnis zu bestaunen. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Tippetts weiter Weg zur Symphonie: Michael Tippetts Ruhm als Komponist kam langsam, aber umso nachhaltiger. Vorliegende Interpretation der ersten beiden Symphonien lässt den Hörer diese Entwicklung nachvollziehen. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
blättern

Alle Kritiken von Hyperion...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Jürgen Schaarwächter:

  • Zur Kritik... Kammermusikalisch transparent: Rundum empfehlenswert: Telemann ohne orchestrale Opulenz, dafür in einer farbenreichen und hervorragend aufgenommene Interpretation. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Griffige Lesart: Eine attraktive Lesart von Händels Krönungsanthems, gekoppelt mit Auszügen aus der 1732er-Fassung seines Oratoriums 'Esther' Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Aus dem Nachlass Leopold Stokowskis: Auf verschiedene Weise sind die drei Stokowski-Konzertmitschnitte aus den Jahren 1954 bis 1961 mit Großbritannien verbunden. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Jürgen Schaarwächter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (5/2018) herunterladen (2883 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 4442 im Portrait Musik ohne Grenzen
Programme abseits der Konventionen beim Festival Printemps des Arts de Monte-Carlo

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich