> > > Schubert, Franz: Klaviersonaten D. 625, 664, 958
Donnerstag, 20. Juni 2019

Schubert, Franz - Klaviersonaten D. 625, 664, 958

Wanderer auf weitem Weg


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die bei Genuin Select erschienene CD enthält Aufnahmen, die schon einige Jährchen auf dem Buckel haben und bereits 1972 entstanden.

‘Schuberts Klaviersonaten gehören zu den größten Offenbarungen in der Musik.’ So beginnt Paul Badura-Skoda seinen Essay im Beiheft. Dem ist unbedingt zuzustimmen, zumal, wenn sie so klingen wie bei ihm selbst. Die bei Genuin Select erschienene CD enthält Aufnahmen, die schon einige Jährchen auf dem Buckel haben und bereits 1972 entstanden. Zunächst wundert man sich vielleicht: Wie kann es sein, dass ein Künstler nach 35 Jahren noch immer mit seinen alten Deutungen zufrieden ist? Doch solche Bedenken zerstreuen sich schnell, denn Badura-Skodas Interpretationen schlagen selbst die seiner berühmtesten Kollegen aus dem Feld.

Noch am Anfang des musikalischen Lebensweges, den Schubert zu gehen auferlegt war, steht die Sonate A-Dur, D 664, ohnehin ein sonniges, heiteres Werk, doch bei Badura-Skoda stellt sich sofort der Eindruck einer geradezu Mozartschen Leichtigkeit ein. Liest man im Beiheft nach, findet man diesen Eindruck bestätigt, denn genau in diese Richtung gehen die Gedanken des Pianisten auch als Musikwissenschaftler. Auf knappem Raum werden eine ganze Reihe von Deutungen und Bezügen zu Mozart hergestellt. Interpretationsabsicht und Ausführung korrespondieren in vollkommener Weise. Vor diesem Hintergrund ist es sicherlich gerechtfertigt, die zweite Wiederholung des ersten Satzes wegzulassen, was auch den Proportionen der Sonate insgesamt gut tut.

Einen Schritt weiter erlebt man Schubert in der eher selten zu hörenden Sonate in f-moll, D 625. Sie fehlt in vielen Notenausgaben wie auch Gesamteinspielungen der Schubertschen Sonaten, auch in der wohl berühmtesten von Alfred Brendel. Somit dürfte sie für viele Hörer noch eine Neuentdeckung sein. Und zwar eine lohnende! Typisch für Schuberts Stil ist sie wohl nicht, und Badura-Skoda bezeichnet sie als ‘geradezu revolutionär’. Sehr einleuchtend wirkt auch sein Hinweis auf gewisse Ähnlichkeiten mit Chopins bekannter, später entstandenen Sonate in b-moll, besonders der Anfangsmotive beider Finalsätze. Die Sonate wurde von Schubert nicht ganz vollendet, Badura-Skoda spielt seine eigene Rekonstruktion des Werkes. Besser noch als in der A-Dur Sonate passt der Klang des Bösendorfer-Flügels zu der düsteren Gefühlswelt des Stückes.

Schmerz, Kampf, Leben und Tod

Ein weiter Weg ist es noch bis zur Gefühlswelt, die Schubert gegen Ende seines kurzen Lebens erreichte. Hierher gehört auch die späte Sonate c-moll, D 958. Ein großes Werk, geprägt von Schmerz. Badura-Skoda vergleicht ihren emotionalen Gehalt mit dem der Winterreise. Und hochemotional ist bereits der ausgedehnte erste Satz mit seinen extremen Kontrasten. Diese werden von Badura-Skoda tatsächlich voll ausgereizt. Damit ist seine Deutung anderen Aufnahmen bei weitem überlegen, auch der hochgerühmten Einspielung des dreieinhalb Jahre jüngeren Alfred Brendels, wie er selbst ein Schüler Edwin Fischers, der sich im Vergleich der Sonate mit äußerster Zurückhaltung widmet. Dies gilt bei ihm auch für das Adagio, während Badura-Skoda die Zerrissenheit des späten Schubert hervorhebt. Hier wird der im Beiheft beschriebene Schmerz des Stückes geradezu beklemmend spürbar. Intensiver kann man dieses ‘Gebet’ nicht mehr darstellen.

Im kurzen Menuett sind wiederum Brendels dynamische Abstufungen lächerlich gering im Vergleich zu denen Badura-Skodas. Auffällig ist der sehr sparsam dosierte Pedaleinsatz, die Satzstruktur wird klar hörbar. Im Finale erhebt sich Badura-Skoda vollends in Dimensionen, die sich denen einer Clara Haskil in ihrer unübertrefflichen Aufnahme der B-Dur Sonate nähern. Rein technisch gesehen ist hier Alfred Brendel überlegen, auch klanglich ist seine zeitgleich entstandene Aufnahme besser gelungen. Doch wie unerbittlich lässt Badura-Skoda die Musik in Schuberts typischem ‘Wanderer’-Rhythmus dahinrasen! In der Tat ein Kampf um Leben und Tod!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schubert, Franz: Klaviersonaten D. 625, 664, 958

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
20.10.2006
Medium:
EAN:

CD
4260036250572


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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