> > > Lehár, Franz: Schön ist die Welt
Sonntag, 29. März 2020

Lehár, Franz - Schön ist die Welt

Schön ist die Welt. Wirklich?


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine gewisse Schwerfälligkeit macht sich in der Aufnahme von Beginn an breit und will auch nicht weichen. Selbst die etwas flotteren Schlagertitel zünden nicht so recht.

Das ist ein Gipfelsturm mit Hindernissen. Gesellschaftlich und landschaftlich könnte diese Operette von Ludwig Herzer und Fritz Löhner-Beda mit der Musik von Franz Lehár nicht höher angesiedelt sein. Ein Prinz und eine Prinzessin begegnen sich bei einer Autopanne, beide sind wie ihre gelangweilten und melancholischen Vorbilder – Büchners Leonce und Lena lassen grüßen – füreinander bestimmt und voreinander auf der Flucht. Operettenlogisch, dass sie sich nicht erkennen, unerkannt einen Berggipfel erklimmen, größten Gefahren entkommen und am Ende sich bekommen wie es zum Operettenfinale gehört. Na, welch freudige Überraschung auch.

Der ganz große Erfolg war bisher diesem, zwischen Oper und Filmsound changierenden, Werk um den zum Ohrwurm gewordenen Schlager „Schön ist die Welt“ – sicher hat sein erster Sänger, Richard Tauber daran wesentlichen Anteil – nicht beschieden. Ob die vorliegende Studioaufnahme mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks und dem Münchner Rundfunkorchester unter der Leitung von Ulf Schirmer daran etwas ändern wird, darf man getrost bezweifeln. Die Aufnahme ohne Dialoge hat den Charakter einer trockenen Dokumentation. Unverständlich aber, warum im Beiheft eine übliche Verlaufsliste der einzelnen Stücke fehlt, die Takes in einem verwirrenden Text zur Handlung erscheinen und dies z.B. im ersten Akt in der Reihenfolge 1, 2, 3, 6, 7, 4, 8, 5, 9 ? Eine gewisse Schwerfälligkeit macht sich in der Aufnahme von Beginn an breit und will auch nicht weichen. Selbst die etwas flotteren Schlagertitel zünden nicht so recht. 

Für den Tenorpart des Prinzen, der sich mit Frauen, Autos und Bergwelten auskennt, wurde Zoran Todorovich verpflichtet. Das er ein lyrischer Tenor „mit dramatischen Auswüchsen“ sei, soll er selbst gesagt haben. Seine Ausflüge in die Höhe sind kräftig, aber sie kosten ihm auch gehörig Kraft und gelangen vor allem nicht immer zu jener Höhe der leichten Tenorregionen des Genres. Elena Mosuc singt die Partie der Prinzessin. Zur Uraufführung 1931 begeisterte Gitta Alpar, die mit ihrem Partner Richard Tauber, nach Berichten von Zeitzeugen, so tat, als sängen sie Oper. Elena Mosouc hingegen singt sehr große Oper ohne jedes ironische Augenzwinkern. Natürlich ist sie mit den Koloraturen ihrer großen Arie „Ich bin verliebt“ im dritten Akt ganz in ihrem Metier. Eine Orientierung an dem schmalen, leichten, mitunter eher revue- und schlagerhaften Gesangsstil der Entstehungszeit im Sinne der Erschließung genrespezifischer Aufführungspraktiken war wohl nicht im Sinne der Produzenten dieser Einspielung in der Roland Kandlbinder den Hoteldirektor gibt. Alle anderen Gesangseinsätze teilen sich die Sopranistinnen Isabella Stettner und Mosako Goda, der Tenor Andreas Hirtreiter sowie der Bass Wolfgang Klose.               

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Lehár, Franz: Schön ist die Welt

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
cpo
1
20.02.2006
01:17:22
2004
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
0761203705528
77 055-2


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Lehár, Franz
 - Schön ist die Welt - Oper in 3 Akten


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Dirigent(en):Schirmer, Ulf
Orchester/Ensemble:Münchner Rundfunkorchester
Interpret(en):Todorovich, Zoran
Mosuc, Elena
Gläser, Michael


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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