> > > Haydn, Joseph: Sinfonien Nr. 88, 89, 91
Mittwoch, 1. April 2020

Haydn, Joseph - Sinfonien Nr. 88, 89, 91

?Papa Haydn?


Label/Verlag: hr-musik.de
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Schon die ersten Takte lassen vermuten, dass das hr - Sinfonieorchester eine sehr lebendige Interpretation bereitstellt

Mit den Symphonien von Joseph Haydn steht einem Dirigenten sicherlich eine breite Palette an Werken zur Verfügung. Warum Hugh Wolff für diese Produktion gerade die Symphonien Nr. 88, 89 und 91 wählt, ist nicht großartig innerhalb des Booklets erwähnt. Sicherlich bilden sie, nicht zuletzt durch ihre Entstehung zwischen den ‘Pariser’ und ‘Londoner Sinfonien’, mit Ausnahme von Nr. 88 einen eher unbekannten, aber dennoch nicht uninteressanten Fleck innerhalb Haydns Sammlung – somit durchaus ein Grund sich im Gegensatz zu anderen Dirigenten einmal damit auseinander zusetzen.    

Erfreulicherweise findet sich im Booklet zuerst eine Erklärung, primär zum formalen Aufbau dieser Orchesterwerke aus der Feder von Andreas Maul, worauf der Dirigent persönlich noch einmal die wichtigsten Aspekte über die einzelnen Symphonien zusammengefasst darstellt.

Schon die ersten Takte lassen vermuten, dass das hr – Sinfonieorchester eine sehr lebendige Interpretation bereitstellt. Zackig, jedoch locker und luftig schallt es einem entgegen. Wenig später erhalten aber auch leise Stellen ihre Berechtigung und ihren Klang, wodurch gerade diese Kontraste in besonders wirkungsvoller Art umgesetzt werden. Klarheit und Transparenz werden beibehalten, und somit erhält der Notentext durchaus eine gewisse Lebendigkeit.

Wenn die Flöte im ersten Satz an einer Stelle fast solistisch hervortritt, erinnert es einen doch plötzlich sogar an Mozarts Zauberflöte,welche erst wenige Jahre später entstanden ist. Ähnlich der 3. Satz aus Symphonie Nr. 88. Er lässt einem die Schwelle zwischen der Barockzeit und der Wiener Klassik, in der ‘Papa Haydn’ zumindest als erster bzw. ‘ältester’ der drei großen Wiener Klassiker zu sehen ist, etwas deutlicher werden, wenn immerhin in manchen Takten Klänge an die Zeit des Barock erinnern. Verstärkt wird diese Tatsache vielleicht auch durch die teilweise sehr einschlägige Verwendung des Cembalos. Fritz Walther unterstützt diese Haydn – Interpretation durch seine continuo-artige Improvisationen auf diesem Instrument. Irgendwie verwundet jedoch der Cembalo-Gebrauch. Hugh Wolff hebt sich damit sicherlich etwas von anderen Interpreten ab, welche gerade diese relativ späten Symphonien ohne Continuo besetzten.

Wäre es an einigen Stellen gerade in Nr. 88 nicht so dominant und aufdringlich, würde es auch nicht weiter stören. Glücklicherweise wird mit den beiden weniger bekannten Symphonien auch die Aufdringlichkeit dieses Instruments geringer.

Was die anderen beiden Werke betrifft, stehen sie der ersten Symphonie in nichts nach. 

Gerade der erste Satz aus Nr. 89 wirkt wieder sehr lebendig. Gemäß Booklet beinhaltet sie ein eher ‘rückwärtsgerichtetes Konzept’, was so gesehen ja schon fast wieder für ein Cembalo sprechen würde. Nr. 91 schließlich zeigt wieder dieses gewisse Gefühl für prägnante Forte - und dem gegenüber stehende, einfühlsame Piano – Abschnitte.  

Zum Schluss möchte ich aber noch einmal erwähnen, dass es sicherlich gewisse Anerkennung verdient, sich nicht nur mit den absoluten ‘Standards’ zu beschäftigen, sondern auch einmal nahezu unbekanntes Repertoire aufzuführen, bzw. zu proben.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Manuel Müller,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Haydn, Joseph: Sinfonien Nr. 88, 89, 91

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
hr-musik.de
1
01.07.2005
Medium:
EAN:

CD
4035714100261


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Haydn, Joseph


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Dirigent(en):Wolff, Hugh
Orchester/Ensemble:The Frankfurt Radio Symphony


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