> > > Rimsky-Korsakov, Nikolai: Symphonien Nrn. 1 und 3
Sonntag, 25. Oktober 2020

Rimsky-Korsakov, Nikolai - Symphonien Nrn. 1 und 3

Das Orchester wächst mit!?


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Alles in Allem sollte man vor dem Kauf entscheiden, in welcher Beziehung man zu welchem Werk steht, um diese Anschaffung wirklich lohnend zu finden.

Zu der im Label BIS Records erschienenen Einspielung sinfonischer Werke Rimsky-Korsakows, nämlich der ersten sowie dritten Sinfonie, welche die ‘Fantasie über ein serbisches Thema’ flankieren, durch das noch junge Malaysian Philharmonic Orchestra unter der Leitung Kees Bakels, kann man ohne Scheu ein gespaltenes Verhältnis haben. Dies liegt in dem Welten trennenden Qualitätsunterschied, der sich im Verlauf der knapp siebenundsechzig minütigen Aufnahme auftut, begründet. Es scheint geradezu, als würde das Orchester gemessen an der Opusnummerierung der Kompositionen (op.1, op.6, op.36), gleichsam mit dem Können des Komponisten mitwachsen.

Mangelnde Akkuratesse

Zu kurz kommt damit die erste Sinfonie des russischen Meisters, die alleinig als Komposition überzeugen mag; trotzdem sie als absolutes Frühwerk (op.1) nicht den Höhepunkt des Könnens Rimski-Korsawovs markiert - in der Interpretation aber wesentliche Schwächen enthält. So ist zum einen der Orchesterklang verwaschen, dumpf und viel zu breit, was zum Teil auch an der Akustik der Dewan Filharmonic PETRONAS Hall, die ein wenig hallt, liegen mag, zum anderen entbehren die Einsätze der einzelnen Instrumentengruppen der erforderlichen Prägnanz. Dadurch verliert das Werk sein Temperament und seine protzige Kraft, die ihm allenthalben innewohnt. Insbesondere die Ecksätze ermangeln der Akkuratesse, die auch in den Mittelsätzen nicht gerade durch ihren Glanz auffällt.
Ärgerlich ist auch, dass dieser Malus gerade im tonangebenden und klanglich dominanten Bläserapparat seinen Ursprung findet, wodurch die gesamte Konzeption der Ecksätze ein wenig ins Wanken gerät und die Interpretation trotz des zügigen Spiels somit schwerfällig wirkt.
Positives lässt sich über die gefühlvolle und dynamische Spielweise in den Mittelsätzen äußern, die somit die erste Sinfonie ein wenig auflockern, was allerdings nicht in die Anlage der Komposition passen sollte.

Lichtblick

Überraschend erfrischend wirkt dem entgegen die Interpretation der ‘Fantasie über ein serbisches Thema’, der zwar immer noch ein wenig Präzision der Einsätze abgeht, dafür aber durch ein temperamentvoll-zügiges Musizieren die unselige Schwere der ersten Sinfonie überwindet. Dabei fällt die Ausrichtung nach vorn auf, die das Stück paradeartig vorantreibt und ihm so den richtigen Esprit verleiht. Auch in Sachen Dynamik liegt sie verglichen mit der ersten Interpretation vorn und hält bei exzentrischen Wechseln der Lautstärke gelassen mit.
Die besten Momente lassen sich dann freilich in der Einspielung der dritten Sinfonie, op.36 erleben. Ein frischer und merkwürdigerweise auch recht zufriedenstellend sauberer Klang ist da zu finden, sowie sich die für Korsakow typische expressive Dynamik der Ecksätze und gefühlsstarker Ausdruck plötzlich verkörpert. Dem zarten Hall zum Trotz fällt die sorgsame Akzentuierung ausdruckstragender Klänge auf, die dem Scherzo und insbesondere dem triumphalen Schlusssatz ihren Charme verleihen. Zügiges Tempo und eine durchsichtige Schichtung der einzelnen Stimmen machen die dritte Sinfonie zu einem Hörerlebnis.
Wer sich also die Mühe macht, die CD bis zum Ende durch zu hören, kann, trotz des verpatzten Einstieges, noch einige schöne Klänge und eben auch eine gute Interpretation Rimsky-Korsakowscher Tonkunst erhalten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Christoph Mann,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rimsky-Korsakov, Nikolai: Symphonien Nrn. 1 und 3

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
BIS Records
1
28.04.2005
66:48
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
7318590014776
bis501477


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Rimsky-Korsakow, Nikolai
 - Fantasie auf serbische Themen -
 - Symphonie Nr. 3 C-dur op. 32 -


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Dirigent(en):Bakels, Kees
Orchester/Ensemble:Malaysian Philharmonic Orchestra


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"Zwei Highlights aus seiner Feder hängen dem Komponisten an und verfrachten ihn in eine Schublade: „Sheherazade“ und der unvermeidliche „Hummelflug“. Vor diesem alles zudeckenden Urteil des breiten Publikums ist es umso verdienstvoller, dass BIS sich des orchestralen Schaffens abseits der Ohrwürmer angenommen hat. Insbesondere die zwei hier eingespielten Symphonien sind kaum einmal im Konzertsaal zu hören. Alle Werke erklingen auf dieser CD in ihrer jeweils zweiten Fassung. In der Rimsky-Korsakov-Serie sind bereits erschienen: BIS 501377 und 501387 "


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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