> > > Corelli, Arcangelo: Sonate a Violino e Violone o Cimbalo
Freitag, 5. März 2021

Corelli, Arcangelo - Sonate a Violino e Violone o Cimbalo

Das Non plus ultra


Label/Verlag: Arcana
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Kaum ein Werk der Musikgeschichte erlangte ähnlichen Modellcharakter die Violinsonaten Opus 5. Der Komponist war sich der epochemachenden Bedeutung seines Sonatenzyklus bewußt, wie die Wahl des Publikationsdatums belegt: 1. Januar 1700, der Beginn eines neuen Jahrhunderts. Arcangelo Corelli war absolut kein Vielschreiber, aber alles, was von seiner Hand an die Öffentlichkeit gelangte, wurde von der musikalischen Welt begierig aufgenommen.

Ein Schlüsselwerk der Musikgeschichte...

Worin besteht nun das Besondere der Sonaten Opus 5? Corelli liefert paradigmatische Exempel für die barocke Solosonate; durch die Synthese von traditionellen Formen und Elementen des strengen Satzes mit dem modernen, primär durch Tanzformen geprägten Kammerstil von modellhafter Einfachheit (im Sinne von „Schnörkellosigkeit“) bei gleichzeitiger höchster Kunstfertigkeit. Wer sich über dieses Schlüsselwerk der Musikgeschichte umfassend informieren will, dem sei Enrico Gattis enzyklopädisch reichhaltiger, qualitativ hochwertiger Einführungstext wärmstens ans Herz gelegt – Gatti gehört also auch zu der erlesenen Schar von Musikern, die auch über Musik schreiben können!

...in exemplarischer Interpretation...

Die Einspielung der drei italienischen Musiker (Enrico Gatti, Violine, Gaetano Nasillo, Violoncello, Guido Morini, Cembalo) ist schlichtweg fulminant zu nennen. Es gelingt dem Interpretentrio, die besonderen Qualitäten dieser Musik exemplarisch herauszuarbeiten. Vergleicht man diese Aufnahe zum Beispiel mit der älteren Einspielung mit Chiara Bianchini (harmonia mundi France), so treten nicht nur Gattis wesentlich höhere Fähigkeiten als Geiger offen zu Tage, die Interpretation von Gatti & Co. wirkt insgesamt viel geschlossener und ausgefeilter.

...aus einem Guss

Jedes improvisatorisch freie Präludium, jeder Tanzsatz, alle Einzelsätze des Sonatenzyklus werden auf ihren immanenten Affektgehalt hin ausgeleuchtet und mit fantastischem Gespür für den natürlichen Fluss der Musik wiedergegeben. Gatti scheut sich nicht vor langsamen Tempi und begründet dies auch im Booklet; sein Geigenspiel wirkt in dieser Aufnahme so ausgeglichen und souverän wie noch nie. Er verziert nicht, wie bei den Corelli-Sonaten üblich, à la Geminiani, Leclair o. ä. (es gibt ja zahlreiche notierte ausgezierte Fassungen dieser Sonaten aus dem 18. Jahrhundert), sondern aus seinem Stilempfinden heraus und in Kenntnis der historischen Gegebenheiten um 1700. Die Übereinstimmung zwischen den drei Musikern scheint geradezu perfekt zu sein, sodass das Ergebnis eine Einspielung wie aus einem Guss ist.
Die sehr schön aufgemachte CD-Box mit erstklassigem Begleittext ist das neue Non plus ultra in Bezug auf die Corelli-Sonaten. Vorbildlich!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dr. Franz Gratl Kritik von Dr. Franz Gratl,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Corelli, Arcangelo: Sonate a Violino e Violone o Cimbalo

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Arcana
2
17.11.2004
126:40
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
3464858024231
A 423


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Corelli, Arcangelo


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Interpret(en):Gatti, Enrico
Nasillo, Gaetano
Morini, Guido


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Arcana

Michel Bernstein hat mit ARCANA eine Institution im Bereich der Alten Musik geschaffen, deren Katalog mit einer Vielzahl prominenter Namen der Alten Musik aufwarten kann, darunter prominente Namen wie Rinaldo Alessandrini, Gunnar Letzbor oder Sigiswald Kuijken. Als der Labelgründer 2006 plötzlich verstarb, schien es zunächst so, als würde dies auch unweigerlich das Ende von ARCANA bedeuten. Zum Glück entschied sich der italienische Vertrieb Jupiter zum Kauf des Labels. Selbstverständlich plant man, es im Sinne seines Gründers weiterführen. Nach und nach werden nun Aufnahmen aus dem umfangreichen Backkatalog des Labels in neuer Gestaltung wieder veröffentlicht und der Katalog durch neue Aufnahmen bewährter Künstler und von Neuzugängen (darunter Marco Beasley und das Ensemble Accordone) erweitert.


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