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Donnerstag, 18. August 2022

Chopin, Frédéric - Klavierkonzerte

Ehrenrettung für Chopin


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die beiden Klavierkonzerte von Frédéric Chopin sind Jugendwerke. Man könnte, weniger gewogen, auch sagen, sie sind Jugendsünden. Knapp 20jährig, kurz vor der Übersiedlung von Warschau nach Paris, beging bzw. komponierte er sie. Zur Ehrenrettung des Komponisten sei angefügt, dass ihm sicher nie vorgeschwebt hatte, Konzerte in der ausgewogenen formalen Disposition eines Beethoven oder Mozart zu schreiben. Sucht man diese Ausgewogenheit in den Klavierkonzerten Chopins, wird man sie nicht finden. Chopin schrieb die Konzerte als komponierender Solist für sein Instrument. Insofern sind seine beiden Klavierkonzerte nichts weiter als Ausdruck des künstlerisch-musikalischen Credos Chopins und das lautete: der individuelle Ausdruckswille erhebt sich über formale Strenge. Das Orchester wird zum Stichwortgeber, zum reinen Begleitinstrumentarium für die meditative Konzentration auf den Klavierpart.

Ausgleich und Versöhnung

Dieses vermeintliche Missverhältnis zwischen Solisten und Orchester auszugleichen und zu versöhnen, darin liegt die Stärke der vorliegenden Aufnahme. Annerose Schmidt, Preisträgerin des Chopin-Wettbewerbs in Warschau und bereits seit ihrem 12. Lebensjahr diplomierte Konzertpianistin, ist die Solistin. Kurt Masur dirigiert in diesen Aufnahmen aus den Jahren 1982 und 1984 das Gewandhausorchester Leipzig.

Annerose Schmidt interpretiert die Konzerte mit dem Bewusstsein der die Musik beherrschenden Solistin. Das mag äußerst pathetisch klingen, dürfte aber durchaus im Sinne des Komponisten liegen. Chopin war nun mal in erster Linie Klaviervirtuose und der Vorrangstellung des Klaviers ist sich Annerose Schmidt in diesen Aufnahmen ohrenfällig bewusst. Dem Klavier ringt sie gleichsam orchestrale Farben ab und, den Satzcharakteren entsprechend, erreicht sie durch flexiblen Anschlag die betörendsten Klangnuancen. Selbstredend ist ihre Technik perfekt, gerät aber an keiner Stelle zur Selbstdarstellung. Ihr Spiel steht immer im Dienst der Musik. Das ist ja das Schlagende an Annerose Schmidts Interpretation dieser Konzerte: nie plakativ, nie der reinen Show wegen. Man kann Chopins Musik musizieren oder technisch totschlagen. Bei Annerose Schmidt leben Chopins Klavierkonzerte förmlich auf.

Kurt Masur bringt das Kunststück fertig, das Orchester als nahezu gleichrangigen Konzertpartner fungieren zu lassen. Der formalen Schwäche der orchestralen Faktur begegnet er mit der Betonung von feinsten Binnenstrukturen innerhalb des Satzgefüges. Das Gewandhausorchester reagiert darauf mit selten gehörter Subtilität. So entstehen vor allem in den langsamen Sätzen Episoden von großer Zartheit. Masur entkräftet so das Vorurteil, Chopins Klavierkonzerte seien mitunter schlecht instrumentiert.

Die Klavierkonzerte von Frédéric Chopin liegen hier in untadeligen, noch dazu klanglich hervorragend aufbereiteten Aufnahmen vor.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Erik Daumann Kritik von Erik Daumann,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Chopin, Frédéric: Klavierkonzerte

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Berlin Classics
1
02.08.2004
Medium:
EAN:

CD
0782124133726


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Chopin, Frédéric


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Dirigent(en):Masur, Kurt
Orchester/Ensemble:Gewandhausorchester Leipzig
Interpret(en):Schmidt, Annerose


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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