> > > Rudolf Schock: Die schönsten Opernarien 1947-1953
Samstag, 22. Januar 2022

Rudolf Schock - Die schönsten Opernarien 1947-1953

Von bieder keine Spur


Label/Verlag: Profil - Edition Günter Hänssler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Man kann als Freund älterer Aufnahmen eigentlich nur voreingenommen an die neue CD herangehen, die von dem kleinen Label Profil-Medien unter dem schlichten Namen ‘Rudolf Schock – die schönsten Opernarien 1947-1953’ herausgegeben worden ist, und mit solider Technik und fundiertem Booklet für sich einnimmt. Zu viele herausragende Tondokumente Rudolf Schocks klingen Opern- wie Operettenbegeisterten im Ohr. Der wundervoll sanfte und gleichzeitig edle Stolzing (Die Meistersinger von Nürnberg) unter Kempe, der Bacchus (Ariadne auf Naxos), den Schock so eloquent wie tonschön mit Karajan eingespielt hat, sowie diverse Operettenrollen wie der geradezu berückende Prinz Sou-Chang (Das Land des Lächelns).


Fernsehtenor

Und doch scheiden sich an Rudolf Schock auch die Geister. Es scheint, dass gerade das Finale seiner Karriere, als er als volkstümlicher Sänger im Fernsehen der 70er Jahre unbestrittene Beliebtheit genoss, einen langen Schatten auf seine erste Karriere als Opernsänger wirft. Dabei hatte Schock nicht erst in der Fernsehära den Kontakt mit den visuellen Medien gesucht. Seine Filmkarriere begann 1953 mit dem Film ‘Du bist die Welt für mich’, einer fiktiven Lebensgeschichte Richard Taubers.

Der Erbe

Als der legitime Erbe Taubers wurde und wird Schock von seinen Verehrern gesehen. Seine Gegner führen dagegen schwerwiegende Argumente ins Feld: Er habe z.B. die ‘Italianità’ ins Deutsche übersetzt, womit wohl eine Überbetonung des Sentiments und veristische Effekte gemeint sind. Seine Stimme sei nicht besonders tragfähigen gewesen, zudem hätte sie hauchig geklungen, in der Attacke oft angestrengt und rau, in der Übergangslage gar forciert. Ist Ersteres allein noch eine Frage des Geschmacks, trifft die Kritik an der Technik des Tenors empfindlicher. Es wäre nicht sachlich, die technischen Mängel Schocks wegdiskutieren zu wollen. Sie bestehen. Aber sind sie wirklich wichtig?
Gerade die Allergrößten der Operngeschichte haben ihre Position in den seltensten Fällen durch absolute Makellosigkeit der Stimme eingenommen. Weder Callas noch Caruso, um nur die Bekanntesten zu nennen, waren frei von Fehlern, aber sie haben diese Energie gehabt, die den Zuhörer unmittelbar angreift, ihn stimuliert und seine Fantasie entzündet. Rudolf Schock verfügt in den besten seiner Aufnahmen genau über diese Qualität. Wenn er die berühmten Stücke aus Das Land des Lächelns schmettert, so berühren sie sofort das Herz. Was macht es da schon, dass der herrliche Ton in der Kopfstimme am Ende von ‘Von Apfelblüten einen Kranz’ anders klingt als bei Tauber? Es ist dadurch nicht weniger gültig, und gerade der zu Recht bis heute unvergessene Tauber war ein Sänger, der trotz der Eingeschränktheit seiner Stimme – er kam bestenfalls bis zu einem hohen B – Weltruhm erlangte. Und um noch einmal auf den Stolzing zurückzukommen: Wer hat den Walther mit mehr Eleganz und Souveränität auf Platte gebannt als Rudolf Schock? Viele Namen werden einem da wohl kaum einfallen.

Breiter Querschnitt
Auch wenn der Titel der Profil-CD so bieder klingt wie einer der volkstümlichen Fernsehauftritte Schocks in den 70ern sollte man sich davon nicht täuschen lassen. Geboten wird ein breiter Querschnitt aus den frühen Jahren des Tenors, der das italienische und deutsche Fach einschließt, sowie die französische und russische Oper streift. Den Einstieg bildet ‘Dies Bildnis ist bezaubernd schön’ aus der Zauberflöte. Auch wenn Schock nicht an die Interpretation Fritz Wunderlichs heranreicht, singt er tadellos. Bei der Carmen, die Schock auf Deutsch eingespielt hat, kann er voll punkten. Im Duett mit der hervorragenden Anny Schlemm trifft er den Ton der Musik Bizets und betont vor allem die lyrischen Aspekte. Den Lenski aus Eugen Onegin singt er mit schöner Höhe und transparenter Stimmführung. Auch das Hindu-Lied aus Sadko profitiert von diesen Qualitäten, zeigt aber auch die Grenzen des Sängers bezüglich Legato-Singens und flüssiger Verziehrungen. Die ausgesprochen gute Diktion und enorme Spannkraft der Stimme zeigt sich in den Arien aus Hoffmanns Erzählungen. Die Romanze gestaltet er mit geschmackvollen mezza di voce-Effekten, die man so selten gehört hat.
Es ist bedauerlich, dass die Arie und Stretta des Manrico aus Verdis Troubadour nicht auf Italienisch gesungen wurden, denn beide sind geschmackvoll und sicher gesungen, wenn auch einige Vokale verfärbt sind. Dafür ist das Kirschenduett aus L’Amico Fritz mit der schlichtweg fantastischen Joan Hammond in der Originalsprache eingespielt und überzeugt im lockeren Parlando-Stil genau so wie im nachfolgenden Duett selbst, wo beide Künstler im besten Sinne des Wortes zusammen musizieren. Die Klassiker aus dem tenoralen Repertoire Puccinis singt Schock sicher weniger emotional als italienische Kollegen, dafür aber mit großer Innerlichkeit, schöner Färbung, Kraft und Stilgefühl. Gleiches gilt auch für die französischen Arien aus Opern Massents und Meyerbeers. Und dann sind da noch die Evergreens ‘Ach so fromm’ aus Martha und ‘Lebe wohl, mein flandrisch Mädchen’ aus Zar und Zimmermann. Spätestens hier zeigt sich Rudolf Schock als das, was er ist: einer der besten deutschen Tenöre der Nachkriegszeit.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rudolf Schock: Die schönsten Opernarien 1947-1953

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Profil - Edition Günter Hänssler
1
01.07.2004
71:50
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
UPC881488403329
PH04033


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Bizet, Georges
 - Hier an deinem herze treu aus: Carmen -
 - Ich seh die Mutter dort aus: Carmen -
Flotow, Friedrich von
Hoffmann, E.T.A.
Lortzing, Albert
Mascagni, Pietro
Massenet, Jules
Meyerbeer, Giacomo
Mozart, Wolfgang Amadeus
 - aus: Zauberflöte: Dies Bildnis ist bezaubernd schön -
Puccini, Giacomo
Rimsky-Korsakow, Nikolai
Tschaikowsky, Peter
 - Arie des Lenski aus: Eugen Onegin -
Verdi, Giuseppe


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Interpret(en):Schock, Rudolf


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"Ein Porträt des jungen Rudolf Schock, wie man ihn heute nicht mehr kennt: Als Opernsolist in den schönsten Opernarien. Die Aufnahmen stammen aus den jahren 1947 - 1953 und zeigen einen talentierten jungen Sänger am Anfang einer vielversprechenden Karriere. "


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Profil - Edition Günter Hänssler

Profil - The fine art of classical music
EDITION GÜNTER HÄNSSLER - EIN LABEL MIT "PROFIL"
Bei der Gründung seiner "EDITION GÜNTER HÄNSSLER" und dem neuen Label "PROFIL" betrat Produzent Günter Hänssler, der ehemalige Chef des erfolgreichen Labels Hänssler Classics, mit einer ganz klaren Philosophie und Zielsetzung den Klassik-Markt:
"Nur ein Label mit einem klaren PROFIL, mit einem eindeutigen Wiedererkennungseffekt hat heute noch eine Chance auf dem heiß umkämpften CD-Markt - um die Liebhaber klassischer Musik heute mit einem Produkt zu überzeugen braucht man Originalität, Innovation und optimierte Vertriebswege."
Der Name PROFIL ist Programm. Günter Hänssler denkt in Serien. Nur groß angelegte Projekte haben heute noch eine Chance, sich nachhaltig auf dem Markt wiederzufinden. So entstanden international hoch gepriesene und mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Editionen wie die EDITION STAATSKAPELLE DRESDEN oder die GÜNTER WAND EDITION.
Die Repertoire-Politik ist charakteristisch. Eine Auswahl erster internationaler Künstler finden sich im Programm von PROFIL ebenso wieder wie erfolgreiche Newcomer der Klassikszene, darunter das mehrfach preisgekrönte Klenke-Quartett, das in der Interpretation von Kammermusik in den letzten Jahren neue Maßstäbe setzen konnte.
Ergänzt wird das Repertoire durch ausgewählte, digital aufwendig restaurierte historische Aufnahmen, Interpretationen von legendärem Ruf in neuer, bisher nicht gekannter digitaler Klangqualität. Auf diese Weise schlägt PROFIL die Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart und versteht sich so auch als Bewahrer musikalischer Traditionen.
PROFIL: Ein Programm - eine Verpflichtung aus Tradition!


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