> > > Krebs, Johann Ludwig: Die Orgeln von Gottfried Silbermann Vol. 8
Sonntag, 20. September 2020

Krebs, Johann Ludwig - Die Orgeln von Gottfried Silbermann Vol. 8

Schlusspunkt einer glanzvollen Reihe


Label/Verlag: Querstand
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit dieser Einspielung schließt die achtteilige Reihe ‘Die Orgeln von Gottfried Silbermann’, mit der das Label Querstand den 250. Todestag des genialen Orgelbauers angemessen feiert. Der Rezensent hat bereits bei den vorangehenden Editionen im Rahmen dieser Reihe die hervorragende Präsentation hervorgehoben; dies gilt ohne Abstriche auch für Folge 8. Als Interpret wurde Hansjürgen Scholze gewonnen, der als Organist an der Katholischen Hofkirche in Dresden ein Silbermann-Instrument betreut und sich daher besonders für diese Projekt empfiehlt. Neben Scholzes ‘Hausinstrument’ erklingen die Silbermann-Orgeln von Großkmehlen, Crostau und Dittersbach. Die Dresdner Orgel, Silbermanns Opus ultimum, ist ein großes, eindrucksvolles Werk. Im Gegensatz zu diesem dreimanualigen, farbenreichen Instrument steht das bescheidene einmanualige Instrument in Dittersbach. Ungefähr gleich groß und mit jeweils zwei Manualen ausgestattet sind die Orgeln von Crostau und Großkmehlen.

Wie schon in den vorangegangenen Einspielungen der CD-Reihe wurde das Programm ideal auf die Instrumente abgestimmt. So reicht die Palette der Werke von Bachs Präludium und Fuge in g-Moll BWV 535 bis zu galanten Gelegenheitskompositionen eines Zisterzienserpaters aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Auf der Großkmehlener Orgel erklingen ein Werkpaar Präludium und Fuge sowie zwei Choralbearbeitungen des Bach-Schülers Johann Ludwig Krebs. Die Choralvorspiele von Krebs sind ähnlich galant wie die melodisch sehr erfindungsreichen, solide gearbeiteten Sätze von Gottfried August Homilius, die Scholze auf der Orgel von Crostau spielt, wie auch Bach großes Präludium und Fuge in g-Moll BWV 535. Die beschränkten Mittel des kleinen ‘Örgelchens’ von Dittersbach nutzt der Organist für eine überzeugende Wiedergabe eines Variationenwerkes von Samuel Scheidt und dreier Miniaturen des Zisterzienserpaters Frater Nepomuk Heyne. An der Silbermann-Orgel der Katholischen Hofkirche in Dresden interpretiert Scholze schließlich eine Sonate aus den bekannten ‘Biblischen Historien’ des Thomaskantors Johann Kuhnau und Bachs virtuose E-Dur-Toccata.

Scholze erweist sich als souveräner Meister seines Faches, der alle Register seiner Kunst beherrscht. Mit einer rhetorisch ausgefeilten Darbietung von Präludium und Fuge in C-Dur von Johann Ludwig Krebs kann er ebenso aufwarten, wie mit einer pathosgeladenen Interpretation von König Sauls Traurigkeit und Wut aus Kuhnaus biblischer Sonate ‘Der von David vermittels der Music curirte Saul’. Die beiden großen freien Orgelwerke Johann Sebastian Bachs erfasst Scholze in all ihrer technische Grenzen sprengenden Fantasie und Genialität, aber auch für die schlichten Piecen von Frater Heyne findet er den angemessenen Ton.
So wird diese CD-Produktion zu einem abwechslungsreichen, musikalisch unanfechtbaren Orgelmusik-Kompendium, garniert durch rundum überzeugende optische und editorische Gestaltung und ausgezeichnet durch die Qualität der Silbermann’schen Arbeiten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dr. Franz Gratl Kritik von Dr. Franz Gratl,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Krebs, Johann Ludwig: Die Orgeln von Gottfried Silbermann Vol. 8

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Querstand
1
14.11.2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4025796003055
VKJK 0305


Cover vergössern

Bach, Johann Sebastian
Heyne, Frater Nepomuk
Homilius, Gottfried August
Krebs, Johann Ludwig
Kuhnau, Johann
Scheidt, Samuel


Cover vergössern

Interpret(en):Scholze, Hansjürgen


Cover vergössern

"Am 4. August 2003 jährt sich zum 250. Male der Todestag von Gottfried Silbermann. Diesem berühmten Orgel- und Klavierbauer widmet das querstand-Label eine Edition, die seine noch vorhandenen Orgeln komplett vorstellt. In einer Folge von 8 CDs werden die 32 Instrumente klanglich, in Bild und Text ausführlich vorgestellt. Dabei soll auf das musikalische Umfeld jener Zeit ein besonderes Augenmerk gelegt werden. So setzt sich das Repertoire der einzelnen CDs fast ausschließlich aus Werken mitteldeutscher Komponisten des 17. und 18. Jahrhunderts zusammen, wobei neben bekannteren Namen auch seltener berücksichtigte Komponisten ins Rampenlicht gerückt werden und sogar einige Ersteinspielungen zu Buche stehen. Viele Silbermann-Orgeln sind in den letzten Jahren grundlegend restauriert worden. Daher ist die CD-Edition zugleich eine reizvolle Dokumentation mitteldeutschen Kunsthandwerks, der lokalen Musikgeschichte und der Musizierpraxis. Die Fertigstellung von Gottfried Silbermanns letztem und größtem Orgelbauwerk erlebte der Meister nicht mehr mit. Bereits zu Zeiten des Vertragsabschlusses 1749 schwer erkrankt, aber zwischenzeitlich wieder genesen, starb Gottfried Silbermann am 4. August 1753 in Dresden. Neben seinem Neffen und Universalerben wirkten weitere renommierte Orgelbauer an der Fertigstellung des Instrumentes mit, das im Februar 1755 schließlich geweiht werden konnte. Einige von ihnen hatte Silbermann selbst ausgebildet, so beispielsweise Zacharias Hildebrandt oder Adam Gottfried Oehme. Das Instrument selbst erlitt umfangreiche Schäden im Zweiten Weltkrieg; die letzte große Restaurierung fand 2002 ihren Abschluß. Hansjürgen Scholze wirkt seit vielen Jahren als Organist an diesem Instrument und lotet seine Stärken in der vorliegenden Aufnahme konsequent aus. Neben Ullrich Böhme wählte auch er eine der "Biblischen Sonaten" von Johann Kuhnau aus, und zwar "Der von David vermittels der Music curirte Saul". Aufnahmen der Instrumente in Großkmehlen, Crostau und Dittersbach runden die CD und damit die komplette 8-CD-Serie ab."


Cover vergössern

Querstand

Mit viel Liebe zum Detail bringt das querstand-Label dem interessierten Hörer die Vielfalt und Schönheit der klassischen Musik auf wenig ausgetretenen Pfaden näher. Das Label hat sich seit 1994 durch die Produktion hochwertiger klassischer CDs einen ausgezeichneten Ruf erworben. Über 500 Produktionen werden weltweit vertrieben, wobei ein Augenmerk auf Orgelmusik liegt. Die Gesamteinspielung der Orgelwerke von Johann Ludwig Krebs (bisher 11 CDs) und des Kantaten- und Orchesterwerkes des berühmten Bachschülers bilden ein Glanzlicht des Labels, dem mit der Serie ?Die Orgeln von Gottfried Silbermann? (8 CDs) ein weiteres zur Seite gestellt wurde (Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik 2003). Auch im kammermusikalischen und sinfonischen Bereich wurden zahlreiche CDs veröffentlicht, etwa mit dem Gewandhausorchester Leipzig. Mit der Aufnahme des Passionsoratoriums ?Der Tod Jesu? von Carl Heinrich Graun mit dem MDR Rundfunkchor und dem MDR Sinfonieorchester unter Howard Arman gewann das Label 2005 einen ECHO Klassik-Award. Im Jahre 2013 erhielt die 9-CD-Box mit allen Sinfonien Anton Bruckners, eingespielt von Herbert Blomstedt mit dem Gewandhausorchester Leipzig, den ICMA (International Classical Music Award). Mit Verlagssitz im Thüringischen Altenburg kann querstand von der einzigartigen Vielfalt der mitteldeutschen Musiklandschaft profitieren, die sich auch im Verlagsprogramm niederschlägt. Neben den vielseitigen Einflüssen der fantastischen Orgellandschaft der Region, ist es auch die Nähe zur Musikstadt Leipzig mit ihrer wunderbaren Tradition und facettenreichen Szene, auf die das Label besonderes Augenmerk richtet.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...



Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Querstand:

  • Zur Kritik... Lutherische Marienverehrung: Diese CD enthält eine Huldigung Mariens in verschiedenen Kompositionen zu verschiedenen Zeiten. Dabei sind Entdeckungen zu machen, eröffnet durch einen ambitionierten Chor. Weiter...
    (Diederich Lüken, )
  • Zur Kritik... Auf ein Großprojekt: Diese Reger-CD ist der Teaser für ein großes Onlineprojekt. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Nympha britannica: Marie Luise Werneburg wirft einen ästhetisch ambitionierten, vom Programmkonzept nicht ganz gelungenen Blick auf das englische Renaissancelied. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Querstand...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Franz Gratl:

blättern

Alle Kritiken von Dr. Franz Gratl...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Ein royaler Klassiker: Das Royal Ballet zeigt, dass die Inszenierung des Ballett-Klassikers stilvoll, fesselnd und zugleich zeitgemäß sein kann. Weiter...
    (Lorenz Adamer, )
  • Zur Kritik... Siedende Musik aus dem Norden: Der finnische Komponist Erkki Melartin ist eine Entdeckung wert. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Die ganze Welt auf 88 Tasten: Mahler wollte nach eigener Aussage 'mit allen Mitteln der vorhandenen Technik eine Welt aufbauen'. Kann das auch durch die, verglichen mit dem Orchester, durchaus begrenzten Mittel des Klaviers gelingen? Weiter...
    (Sebastian Rose, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (9/2020) herunterladen (3402 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Niels Gade: String Quintet op. 8 in E minor - Adagio - Allegro appassionato

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Edlira Priftuli im Portrait "Musikalisch praktizierte Ökumene"
Edlira Priftuli hat den Straßburger Wilhelmerchor zur historisch informierten Aufführungspraxis geführt

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich