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Montag, 19. August 2019

Mozart, Wolfgang Amadeus - Sinfonia Concertante

Früh- und Hochklassik


Label/Verlag: Real Sound
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mozarts Sinfonia Concertante KV 364 für Violine, Viola und Orchester gehört zu seinen bekannteren Werken. Eine weitere Komposition dieses Namens für Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Orchester schrieb Mozart 1778 vermutlich für die Pariser ?Concerts spirituels?. Allerdings ist bei diesem Werk (KV 297b) nicht restlos geklärt, ob es auch wirklich von Mozart stammt. Für ausführende Musiker ist diese Frage natürlich sekundär: Um ein entdeckens- und spielenswertes Stück Musik handelt es sich allemal.
Das Orchestra Sinfonica del Friuli Venezia Giulia hat die Sinfonia Concertante zusammen mit Boccherinis Symphonie op. 12 Nr. 4 und Haydns Symphonie Nr. 49 (?La Passione?) unter der Leitung von Ezio Rojatti eingespielt. Die vier Solisten in der Sinfonia Concertante sind Francesco Di Rosa (Oboe), Fabrizio Meloni (Klarinette), Alessio Allegrini (Horn) und Valentino Zucchiatti (Fagott). Das dreisätzige Werk hebt mit einem ausgedehnten ?Allegro? an, das hinter Mozarts besten Konzertsätzen nicht zurücksteht. Nach der kurzen Einleitung des Orchesters kommen die Solisten ins Spiel, allerdings nicht deutlich herausgestellt, sondern ins Gesamtgeschehen eingebettet. Somit fällt es schwer, einen der vier Bläser besonders hervorzuheben, obwohl Alessio Allegrini seine Hornpartie mit besonders viel Bravour absolviert. Naturgemäß hat es ein Fagott da viel schwerer, sich durchzusetzen; Valentino Zucchiatti nutzt die wenigen Stellen, bei denen er sich auszeichnen kann. Oboe und Klarinette agieren demgegenüber unauffällig, manchmal sogar etwas blass. Die Begleitung des Orchesters ist angemessen. Der zweite Satz ist noch kein geniales ?Adagio? wie z.B. im A-Dur-Klavierkonzert, manche Wendung wirkt hier ein wenig unbeholfen und lässt tatsächlich Zweifel an Mozarts Autorschaft wach werden. Die Interpreten geben sich größte Mühe, die qualitative Differenz zum Kopfsatz nicht zu groß ausfallen zu lassen. Insbesondere Oboist Di Rosa kann nun beeindrucken.
Im neckisch-virtuosen Finale erfreuen die Interpreten den Hörer mit ihrem kunstvollen, aber unaufdringlichem Spiel. Der nach dem Variationsprinzip gebaute Satz birgt manche Überraschungen in sich. Die Solisten bemühen sich, einander nicht zu übertrumpfen und gelangen so zu einem ausgewogenen Ergebnis. Ob nun von Mozart oder nicht ? interpretatorisch ist die Sinfonia Concertante den Ausführenden durchaus gelungen.

Boccherinis Symphonie trägt den Untertitel ?La casa del Diavolo? und besteht aus drei Sätzen. Der erste und der dritte Satz beginnen jeweils mit einer langsamen Einleitung ? ein Verfahren, wie es später auch Beethoven im Anfangs- und Finalsatz seiner 1. Symphonie verwendet. Der Tonfall von Boccherinis Werk ist vor allem im Kopfsatz dramatisch bis pathetisch, es gibt häufige Moll-Eintrübungen. Die Streicher dominieren deutlich gegenüber den Bläsern, die sich kaum einmal deutlich in den Vordergrund spielen können. Der langsame Satz klingt heiterer und gelassener, eine gewisse Nähe zu den ?Mannheimern? ist nicht zu überhören. Die Interpretation des Orchestra Sinfonica del Friuli Venezia Giulia ist ansprechend, auch im ausgefallenen Finale, das Boccherini als Hommage an Gluck gestaltet hat. Etwas monoton ist allerdings wiederum die Vorherrschaft der Streicher, von der delikaten Bläserbehandlung eines Mozart ist Boccherini noch ein gutes Stück entfernt. Davon abgesehen handelt es sich aber um eine unterhaltsame Symphonie der frühen Klassik.

Die 49. Symphonie von Joseph Haydn schließlich wird gelegentlich dem musikalischen ?Sturm und Drang? zugerechnet. Ezio Rojattis stürmische Herangehensweise an das Werk lässt diese Interpretation plausibel erscheinen; bereits im an erster Stelle stehenden ?Adagio? hört man düster-leidenschaftliche Klänge, die das ?Allegro di molto? noch ungestümer ausbreitet. Einziger ?Aufheller? ist das Menuett mit seinem melodiösen Trio, bevor das Werk mit dem vorwärtspreschenden Presto-Finale beschlossen wird.
Die Sinfonia Concertante Mozarts ist sicherlich der Höhepunkt dieser CD, die anderen beiden Werke werden vom Venediger Orchester nicht so überzeugend vorgetragen. Vor allem von der Haydn-Symphonie existieren zwingendere Einspielungen. Wer jedoch Mozarts Werk noch nicht kennt, kann hier zugreifen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mozart, Wolfgang Amadeus: Sinfonia Concertante

Label:
Anzahl Medien:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Real Sound
1
70:40
2002
Medium:
BestellNr.:

CD
RS 051-0111


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Boccherini, Luigi
 - Symphony in D minor op.12 no.4 - La casa del Diavolo
Haydn, Joseph
 - Symphony in F minor Hob.I - La Passione
Mozart, Wolfgang Amadeus
 - Sinfonia Concertante in E flat Major KV 297b -


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Orchester/Ensemble:Orchestra Sinfonica del Friuli Venezia Giulia


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