> > > Telemann: Johannis-Oratorium: Kölner Akademie, Michael Alexander Willens
Montag, 8. August 2022

Telemann: Johannis-Oratorium - Kölner Akademie, Michael Alexander Willens

Reflektiertes aus Hamburg


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Zwei Telemann-Oratorien in Weltersteinspielungen.

2014 wurde erstmals das Oratorium zum Johannisfest ‚Gelobet sei der Herr‘, eine Komposition des ‚Kantatenjahrgangs‘ 1730/31 in einer wissenschaftlichen Ausgabe vorgelegt. Mit über 53 Minuten für den gottesdienstlichen Gebrauch fast nicht geeignet, wollte Telemann in dieser Saison Matthesons Oratorientradition der Zeit vor 1728 wiederaufgreifen – die Uraufführung erfolgte offenbar am 24. Juni 1731 (leider nennt der Booklettext keine Uraufführungsdaten). Das zugrunde liegende Libretto zeichnet sich durch phantasievolle und ausdrucksstarke Bilder aus, die Telemann zu beeindruckenden Klangwirkungen verschiedenster Art inspirierten. Die geistlich-reflektive Komponente hat ihren Gegenpart in der Beschreibung des Auszugs der Israeliten unter Moses Führung aus Ägypten. Mirko Ludwig (Moses) und Klaus Mertens (Pharao) sind die Protagonisten dieser Perspektive, Rahel Maas, Elvira Bill und Mauro Borgioni personifizieren die Christliche Vorsicht, den Glauben und die Gottselige Erwägung. Das Solistensensemble ist in vorbildlicher Weise ausgewogen und von hoher sängerischer und künstlerischer Qualität.

Michael Alexander Willens gelingt es nicht nur, diese disparaten Ebenen miteinander zu verbinden, die Ausgewogenheit zwischen ihnen beeindruckt und zeigt einmal mehr, das von seiner Grundcharakteristik Händels ‚Messiah‘ in seiner Zeit keineswegs allein stand. Die Solisten ordnen sich uneitel dem Gesamtkonzept unter, und wenn Mertens, der kurz nach der Aufnahme Anfang 2020 seinen 71. Geburtstag feierte, nicht mehr die Frische früherer Jahrzehnte aufbieten kann, ist das seinem Part durchaus nicht unangemessen – die Präsenz seines Baritons bleibt unbestritten; seine Arie ist wegen ihrer a-metrischen Aspekte besonders heikel. Nicht minder angemessen sind die Solobeiträge in dem kürzeren Oratorium ‚Bequemliches Leben, gemächlicher Stand‘ zum Sonntag Misericordias Domini aus demselben Jahrgang, der auf den 8. April 1731 fiel.

Chor und Orchester der Kölner Akademie zeigen sich ein weiteres Mal auch in Telemanns Idiom bewandert und beheimatet. Die Differenziertheit des Klanges verbindet sich klangfarblich vorzüglich mit den solistischen Beiträgen, so dass wir von nicht nur rundum gelungenen Einspielungen, sondern vor allem auch geistlich inspirierten sprechen können. Das ist in Zeiten der zunehmenden Säkularisierung auch im Konzertwesen keineswegs mehr eine Selbstverständlichkeit. Dass Michael Alexander Willens‘ Einspielungen immer noch längst nicht jene Bekanntheit erlangt haben, die sie verdienen, ist ein schändliches Zeiten fehlgeleiteter Promotion einerseits und großer Bescheidenheit andererseits.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Telemann: Johannis-Oratorium: Kölner Akademie, Michael Alexander Willens

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203527120


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Telemann, Georg Philipp


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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