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Samstag, 25. Juni 2022

Bach on the Rauwolf Lute - Jakob Lindberg, Laute

Meisterlich


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine ebenso wunderbare Lauten- wie Bachplatte: Jakob Lindberg verbindet beide Sphären mit höchster interpretatorischer Überzeugung und einer solchen Souveränität, dass man kaum anders kann, als beeindruckt zu sein.

Johann Sebastian Bach und die Laute – das ist eine durchaus interessante und fruchtbare Beziehung, auch wenn der Komponist selbst kein Lautenist war. Der Klang des Instruments, auch vermittelt durch das Lautenwerk auf dem Cembalo, muss für ihn aber unabweisbar attraktiv gewesen sein, wie Bearbeitungen eigener Hand von Werken für eine ursprünglich andere instrumentale Bestimmung zeigen. Der schwedische Lautenist Jakob Lindberg greift diesen Impuls auf seiner aktuell beim Label BIS erschienenen Platte wie manch anderer Interpret zuvor auf und eignet sich auf diese Weise weitere Werke des Bachschen Kosmos‘ an. Neben Bachs originalem Prelude BWV 999 sowie der Suite BWV 1006a sind das zum Beispiel Sätze aus der ersten und dritten Violinsonate BWV 1001 und 1005, dazu die berühmte Chaconne aus der zweiten Partita BWV 1004 sowie die erste Suite für Violoncello solo BWV 1007.

Lindberg spielt das Programm auf einer der wenigen noch spielfähigen Lauten des 16. Jahrhunderts, der titelgebenden ‚Rauwolf-Laute‘, die der Augsburger Instrumentenbauer Sixtus Rauwolf um 1590 hergestellt hat. Lindberg selbst bezeichnet sie in seinem Booklettext als die wahrscheinlich älteste spielbare Laute mit originalem Resonanzboden. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde das Instrument mit einem neuen Hals ausgestattet, der die zu diesem Zeitpunkt erforderliche höhere Saitenzahl aufnehmen und bewältigen konnte. Selbst wenn man um die bemerkenswerte Geschichte dieser Laute nicht wüsste, wäre zu konstatieren, dass selten ein so harmonisch gebautes, bronzen gefärbtes Klangbild zu hören war, von gleichermaßen warmer Brillanz wie gediegener Rundung. Dazu trägt sicher auch die Entscheidung Lindbergs bei, die schließlich erklingenden Tonarten seiner Bearbeitungen an das reale und besondere Klangvermögen der Rauwolf-Laute anzupassen – was ganz sicher einen eminenten Beitrag zur in allen Lagen ungezwungenen Klangwirkung der Musik wie des Instruments leistet.

Wunderbare Verbindung von Instrument und Interpret

Vom ersten Ton an perlt und fließt die Musik unter Jakob Lindbergs Händen so natürlich und lebendig, als habe Bach sie überhaupt nur für die Laute und ihre gar nicht so bescheidenen Klangmöglichkeiten ersinnen können. Die hörbar optimale Spielbarkeit der Sätze auf Grund der tonartlichen Flexibilität der Bearbeitungen rückt das Instrument ins günstigste Licht: Jakob Lindberg lässt es uneitel der Star der Einspielung sein – und trägt dank technischer Perfektion, makelloser Tongebung und überlegener Disposition der instrumentalen Möglichkeiten interpretierend doch alles Entscheidende bei. Die Tempi fließen, in der Beziehung der Sätze untereinander fein austariert, eher am unteren Rand des jeweils zutreffenden gewählt – und doch hochmusikalisch in der Wirkung. Klar und plastisch ist die Artikulation – das ist bei der Laute stets zu erwarten. Doch kommen Akkordbrechungen von fast sinnlicher Qualität ebenso dazu wie ein feines Singen, das man der perkussiven Laute kaum zutrauen möchte. Lindberg entfaltet den Klangkosmos seiner Laute insgesamt behutsam und drucklos, wobei ihm die ebenso direkte wie komplett wirkende klangliche Realisierung kongenial zur Seite steht.

Eine ebenso wunderbare Lauten- wie Bachplatte: Jakob Lindberg verbindet beide Sphären mit höchster interpretatorischer Überzeugung und einer solchen Souveränität, dass man kaum anders kann, als beeindruckt zu sein.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach on the Rauwolf Lute: Jakob Lindberg, Laute

Label:
Anzahl Medien:
BIS Records
1
Medium:
EAN:

CD SACD
7318599925523


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Bach, Johann Sebastian


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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