> > > Clara Schumanns Klavier: Eugenie Russo, Hammerflügel
Freitag, 24. September 2021

Clara Schumanns Klavier - Eugenie Russo, Hammerflügel

Farbenreich


Label/Verlag: Paladino
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine wichtige Wiederauflage zum Clara-Schumann-Bizentenarium.

Auf einem Streicher-Hammerflügel von 1868 entstand die vorliegende CD, aber nicht auf irgendeinem, sondern auf jenem Instrument, das Clara Schumann 1870 anlässlich der Eröffnung des Kleinen Saales des Wiener Musikvereinsgebäudes spielte. Das Instrument befindet sich seit 1957 in der Sammlung Alter Musikinstrumente des Kunsthistorischen Museums Wien. Natürlich ist der Titel ‚Clara Schumanns Klavier‘ irreführend, doch haben wir abgesehen hiervon eine schöne, in vielerlei Hinsicht farbenreichen Produktion. Zum einen haben wir das Booklet, reich illustriert, nur im Textanteil zu knapp. Dann haben wir die Aufnahmetechnik, die das Instrument, doch auch den Aufnahmeraum in der Neuen Burg in vorzüglicher Weise abbildet. Die Aufnahmen entstanden schon 2007 und wurden 2013 erstmals veröffentlicht; zum Bizentenarium Clara Schumanns erfolgte eine weitere Auflage.

Im Zentrum der Produktion, die sich ausschließlich dem Klavierschaffen Clara Schumanns widmet, stehen drei Klavieropera, die posthum veröffentlichten Sonate g-Moll (1841/42), die 'Drei Romanzen' op. 11 (1838/39) und die 'Quatre pièces fugitives' op. 15 (1845), wobei das Schlussstück der 'Quatre pièces fugitives' identisch ist mit dem Scherzo der Sonate. Umrahmt werden sie durch zwei Nummern aus den 'Soirées musicales' op. 6 (1834/36), eine der 'Drei Romanzen' op. 21 (1853) sowie das substanzielle 'Souvenir de Vienne' op. 9 (1838), eine Phantasie über die österreichische Kaiserhymne.

Großer Farbenreichtum

Die in Wien lebende Amerikanerin Eugenie Russo entzündet auf dem vorbildlich vorbereiteten Instrument den großen Farbenreichtum der Musik, ihre emotionale Tiefe, ihren Charme, auch ihren ‚romantischen Ton‘. Dennoch kommt eine Komponente zu kurz – und dies liegt nicht am Instrument, sondern an Russos Vorliebe für ‚musikalische Milderung‘. Das dynamische Spektrum, das der Streicher-Flügel wie auch die Musik geboten hätten, wird nicht voll ausgespielt, und auch manche Temposteigerung erfolgt schwächer als im Notentext vorgeschrieben – möglicherweise etwa in einer Weise, wie man es von der späteren Pianistin Clara Schumann hätte erwarten können. Am wohlsten fühlt sich Russo hörbar im Bereich der musikalischen Introversion – ein Mezzoforte wird selten und fast nie als Kontrast überschritten.

Gleichwohl bleibt die CD eine willkommene Wiederbegegnung mit dem Klavierschaffen Clara Schumanns auf Hammerflügel. Das Notturno aus Op. 6 atmet pianistischen Mondenschein, ohne billig deskriptiv zu werden, das ‚Impromptu‘ 'Souvenir de Vienne' zeigt ihre Fähigkeit der musikalischen Themenanverwandlung ganz jenseits brillanten Virtuosentums. Die 'Romanzen' op. 11 vermitteln neben Clara Wiecks Individualität ebenso ihre Verbundenheit ihrem späteren Ehemann gegenüber, dem Widmungsträger der Komposition. Die 'Vier flüchtigen Stücke' (bei Breitkopf & Härtel erschien auch eine deutsch betitelte Ausgabe des Op. 15) gehören mit der Sonate zur Essenz der CD, in ihrer Tiefgründigkeit, ihrer musikalischen Ausarbeitung, ihrer starken Wirkung. Ein Vergleich der im Notentext im Detail geringfügig, aber nicht unbedeutend abweichenden Ausgestaltung in der Phrasierung erweist aber leider, dass Russo hier nicht genügend differenziert – die Unterschiede zwischen den beiden Versionen des Scherzo ergeben sich mehr aus der kontextuellen Charakterisierung denn der sorgfältigen Erkundung des kompositorischen Details. Diese Details mögen nur den Fachmann interessieren, gerade auch weil das klangliche Ergebnis im Großen und Ganzen sehr zufriedenstellend ist, doch dürfen sie nicht unerwähnt bleiben und verwehren der Interpretation die Höchstnote.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Clara Schumanns Klavier: Eugenie Russo, Hammerflügel

Label:
Anzahl Medien:
Paladino
1
Medium:
EAN:

CD
9120040730949


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Schumann, Clara


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Paladino

Das CD-Label paladino music wurde 2009 von dem Cellisten Martin Rummel gegründet und ist sozusagen die Keimzelle von paladino media, wozu mittlerweile neben paladino music auch Orlando Records, KAIROS und Austrian Gramophone gehören. Inzwischen bei einem Durchschnitt von 15 Veröffentlichungen pro Jahr angekommen, hat paladino music sich zu einem anerkannten Boutique-Independentlabel entwickelt. Die Veröffentlichungen sind zumeist auf einen Komponisten fokussiert, aber auch Rezitalprogramme und aufsehenerregende Debütaufnahmen sind neben Ersteinspielungen von Komponisten wie Franz Krommer, David Popper, Johann Joachim Quantz, Thomas Daniel Schlee, Robert Stark und Johann Wenzel Tomaschek entstanden. Herausragende Interpreten aller Generationen, von jungen Künstlern bis hin zu internationalen Stars wie Vladimir Ashkenazy garantieren, dass die künstlerische Qualität der Einspielungen außer Frage steht. Ursprünglich auf Kammermusik fokussiert, veröffentlicht paladino music in jüngster Zeit auch zunehmend Solokonzert- und andere Orchesteraufnahmen.

Zahlreiche Veröffentlichungen haben Auszeichnungen bekommen oder sind zumindest dafür nominiert worden, und Kritiker in internationalen Medien loben nicht nur die Aufnahmen und das Repertoire selbst, sondern auch die strikt durchgezogene Eleganz des Designs, dass aus dem Firmendesign von paladino media entwickelt ist. paladino music wird von Martin Rummel kuratiert, der von einem kleinen Team an Fachleuten in der Umsetzung, Fabrikation und Distribution unterstützt wird. Das Lager wird von Naxos Global Logistics verwaltet, und ein Netzwerk von über 50 internationalen Vertrieben garantieren, dass jede Aufnahme weltweit über den Fach- und Internethandel sowie über alle wesentlichen Streaming- und Downloadplattformen verfügbar ist.


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