> > > Richard Wagner: Die Walküre: Deutsches Nationaltheater Weimar, Carl St. Clair
Montag, 28. September 2020

Richard Wagner: Die Walküre - Deutsches Nationaltheater Weimar, Carl St. Clair

Schiffbruch mit Neuauflage


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die DVD-Neuauflage der Weimarer 'Walküre' aus dem Jahr 2008 motiviert wenig zum Neukauf und auch musikalisch wie szenisch kann man mit den großen Konkurrenten trotz ordentlicher Leistung nicht mithalten.

Nach gut 10 Jahren hat man sich beim Label Arthaus dazu entschlossen, den 'Ring des Nibelungen' aus Weimar von 2008 auf vier Einzel-DVDs neu aufzulegen, was alle Anhänger dieser Produktion zunächst aufhorchen und im Anschluss umso enttäuschter zurücklassen wird. Kein Booklet, keine Zusatzfeatures und vor allem keinerlei Informationen, aus welchen Gründen man sich für diese Neuauflage entschieden hat. Ist dieser 'Ring' denn so gut? Wurde von den Toningenieuren nochmal signifikant am Sound gefeilt? Oder liegt es vielleicht daran, dass in diesem Jahr in Bayreuth ein neuer 'Ring' hätte starten sollen und Arthaus die Käufer schon einmal in Stimmung bringen wollte? Aus den Bayreuther Festspielen ist im Pandemie-Jahr nichts geworden und auch mit dieser so lieblos aufgetischten DVD-Neuauflage von 'Die Walküre' erleidet man Schiffbruch.

Dabei konnte der Weimarer 'Ring' aus dem international gesehen so kleinen Deutschen Nationaltheater seinerzeit einen durchaus großen Achtungserfolg einfahren. Regisseur Michael Schulz kommt ohne hyperprogressives Regietheater oder pompöse Bühnendekoration aus und konzentriert sich ganz auf eine schlichte Personenregie, die ideal mit Wagners Musik harmoniert. Platz für eindrucksvolle Bilder gibt es gleichwohl auch, am überzeugendsten etwa, wenn Brünnhilde Siegmund seinen bevorstehenden Tod verkündet und als schwarze Silhouette am Ende eines dunklen Tunnels im Hintergrund erscheint.

Life of Wotan

Dennoch sind die Regie-Ansätze bisweilen zu eingeschränkt, um die wirkliche Vielschichtigkeit des 'Ring'-Kosmos zu erschöpfen. Der Schwerpunkt liegt bei Schulz auf dem Familiendrama im Hause Wotan, worum es in der 'Walküre' selbstverständlich auch geht – aber eben nicht nur. Die gelungene Personenregie wird darüber hinaus durch ein allzu häufig eingesetztes Hinzufügen von stummen Begleitpersonen getrübt. Dass Siegmund sein Schwert nicht aus der Esche zieht, sondern vom für ihn unsichtbaren Wotan überreicht bekommt, ist zwar ein kluger Einfall; da der beständig grinsende Gott allerdings schon im Vorhinein mit seiner Dauerpräsenz störte, kommt dieser Moment deutlich wirkungsloser daher. Effektlos mutet auch die Idee an, Grane nicht als Pferd, sondern als grauhaarige Amme und stetige – darstellerisch wenig überzeugende – Begleiterin (Erika Krämer) von Brünnhilde umzudeuten. Der Inszenierung auf die Sprünge hilft solche Redundanz denkbar wenig, mehr noch, es schwächt die Momente größter Emotionalität zwischen Brünnhilde und Wotan unnötig ab.

Hyäne und Tiger

Die große Baustelle ist gleichwohl nicht die Inszenierung, sondern der Gesang. Auch hier ist festzuhalten, dass die Sängerleistungen angesichts der Möglichkeiten des kleinen Weimarer Hauses im damaligen Liveerlebnis sicherlich überzeugen konnten; auf einer DVD können die Darbietungen im großen Wettbewerb allerdings kaum noch bestehen. Kirsten Blanck als Sieglinde und Renatus Mészár als Wotan überzeugen vor allem in den Pianostellen, wenn die ungewohnten kammermusikalischen Klanginnovationen dieser 'Walküre' zum Vorschein kommen. Sobald es aber an lautstarke Spitzentöne geht, flackert Blancks Stimme und verliert Mészárs Bariton seine Strahlkraft. Besser machen es Erin Caves als baritonal gefärbter, kämpferisch ansprechender Heldentenor Siegmund sowie die gesanglich alle anderen Akteure überragende Catherine Foster als in den Höhen sattelfeste und im Ausdruck anmutende Brünnhilde. Christine Hansmann fällt als hyänenartig tremolierende Fricka deutlich ab, Hidekazu Tsumaya neigt als Hunding zum gesanglichen Overacting, dennoch versprühen die übertrieben angeschliffenen Töne die überzeugende Bedrohlichkeit eines Tigers.

Chef im Ring ist in dieser Produktion Dirigent Carl St. Clair, der das Maximum aus der Staatskapelle Weimar herausholt. Nicht nur, dass er es versteht, der reduzierten Orchester-Besetzung einen in dieser Oper nie gehörten Miniaturklang zu entlocken; er zeigt mit seiner Agogik und Akzentuierung ebenso ein vortreffliches Verständnis der Wagnerschen Musik. So ist es primär sein Verdienst, dass diese 'Walküre' bei aller Reduktion im Bühnenbild nicht langweilig wird. Seinerzeit musste sich dieser 'Ring' freilich nicht vor der damaligen enttäuschenden Bayreuther Produktion verstecken. Aber rechtfertigt dies auch eine Neuauflage, zumal in einer Ausführung, die sich kaum darum bemüht, einen neuen Kaufanreiz zu schaffen? Den ein oder anderen wird die DVD vielleicht dennoch über das Jahr 2020 – ganz ohne Bayreuther Festspiele – hinwegtrösten können.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







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    Richard Wagner: Die Walküre: Deutsches Nationaltheater Weimar, Carl St. Clair

Label:
Anzahl Medien:
Arthaus Musik
1
Medium:
EAN:

DVD
4058407094050


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Wagner, Richard


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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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