> > > George Antheil: Serenades 1 & 2: Württembergische Philharmonie Reutlingen, Fawzi Haimor
Montag, 10. August 2020

George Antheil: Serenades 1 & 2 - Württembergische Philharmonie Reutlingen, Fawzi Haimor

Getanzte Träume


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Fawzi Haimor und die Württembergische Philharmonie Reutlingen setzen die cpo-Reihe mit Werken von George Antheil fort und spannen in ihrer Auswahl einen Bogen von der frühen bis zur späten Kompositionsphase.

George Antheil, Jahrgang 1900, gehörte bis zu seinem Tod 1959 zu den wichtigsten amerikanischen Komponisten in der Mitte des letzten Jahrhunderts. Begonnen hatte er seine musikalische Karriere als Pianist. Nach ersten Erfolgen in New York zog es ihn nach Europa, wo er in London, Berlin und vor allem in Paris als exzentrischer Musiker auffiel. In der französischen Hauptstadt mischte er bald in der Künstlerclique um Satie, Cocteau, Picasso und Hemingway mit. Hier sorgte 1926 auch sein mit mehreren Klavieren, Xylophonen, elektrischen Klingeln und Flugzeugpropellern ungewöhnlich besetztes 'Ballet mécanique' für einen handfesten Skandal, wie auch andere von ihm konzipierte Konzerte. Mit solchen modernistischen Klängen konnte man in Amerika nichts anfangen und so floppte die New Yorker Premiere 1927. Womit sich auch Antheils exzentrische Phase dem Ende näherte.

Kunterbuntes Divertissement

Sein Stil wandelte sich, wurde gefälliger und balancierte geschickt zwischen Postromantik, Neoklassik und amerikanischen Stileinflüssen. Er war ausgesprochen produktiv, komponierte sechs Sinfonien, Orchestrales, Solo- und Jazzkonzerte, Opern und viel Kammermusik. Zudem etablierte er sich in Hollywood. Was Freunde aus avantgardistischen Zeiten, wie der große Musikjournalist Hans Heinz Stuckenschmidt, kritisch sahen. Der schrieb in seinen Memoiren: ‚Er hatte seine Seele an den Film verkauft‘. Das war bei 'The Golden Bird' aus dem Jahr 1919 noch nicht der Fall. Das Orchesterwerk dauert nur gut vier Minuten und illustriert Vogelgeräusche in schillernden, chinesisch anmutenden Klangfarben. Es ist das einzige progressive Stück in der neuesten Antheil-Kollektion, die cpo sukzessive veröffentlicht. Moderat und eingängig sind hingegen die beiden teils charmant dahinfließenden, teils rhythmisch pulsierenden Serenaden Nr. 1 und 2 für Streichorchester von 1948 bzw. 1950. Im Zentrum aber steht das Ballett 'Dreams'. Antheil komponierte es 1935 auf Anregung des Choreographen George Balanchine, als amerikanische Version von Darius Milhauds Tanzstück 'Les Songes', das in Frankreich viel Anklang gefunden hatte. Darin bilden sich die Träume einer Ballerina ab: in einem kunterbunten Divertissement, in dem sich unter anderem Polka, Marsch, süffiger Walzer und Can Can ein Stelldichein geben. 

Die Württembergische Philharmonie Reutlingen hat sich auf dem CD-Markt durch viele Einspielungen von Orchesterraritäten einen Namen gemacht. Unter der inspirierenden Leitung des neuen Generalmusikdirektors Fawzi Haimor erweist sie sich auch bei Antheil als ein stilistisch und spieltechnisch kompetenter Klangkörper. Eine Empfehlung wert ist die klangliche tadellose CD auch wegen des Booklet mit einem Artikel von Eckhardt van den Hoogen, der so launig wie detailreich ist und den persönlichen und musikalischen Hintergrund treffend einfängt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    George Antheil: Serenades 1 & 2: Württembergische Philharmonie Reutlingen, Fawzi Haimor

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203519620


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Antheil, George
 - Serenade No.1 for String Orchestra - Allegro
 - Serenade No.1 for String Orchestra - Andante molto
 - Serenade No.1 for String Orchestra - Vivo
 - Serenade No.2 for String Orchestra - Moderately fast - poco piu mosso
 - Serenade No.2 for String Orchestra - Adagio
 - Serenade No.2 for String Orchestra - Quite fast
 - The Golden Bird -


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Dirigent(en):Haimor, Fawzi
Orchester/Ensemble:Württembergische Philharmonie Reutlingen


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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