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Dienstag, 25. Februar 2020

Bach, Johann Sebastian: Orgelwerke - Masaaki Suzuki, Orgel

Bach in Freiberg


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Bach, der Orgelkomponist: Von der üppigen Fülle der Toccata über die Formstrenge der Fuge bis zur klangfantastisch farbigen Choralpartita. Masaaki Suzuki macht diese Welt auf der wunderbaren Silbermann-Orgel des Freiberger Doms erfahrbar.

In seiner dritten Folge mit Orgelwerken Johann Sebastian Bachs stellt Masaaki Suzuki ein wiederum bemerkenswert komplettes Programm vor. Am Beginn stehen, einem Portal gleich, Präludium und Fuge C-Dur BWV 531 und Fantasie und Fuge c-Moll BWV 537; dann folgt nach drei Choralvorspielen über 'Allein Gott in der Höh sei Ehr' BWV 711, 715 und 717 die große Choralpartita über 'Ach, was soll ich Sünder machen?' BWV 770, gefolgt von der Toccata C-Dur BWV 566a, Präludium und Fuge c-Moll BWV 546 und den beiden Choralvorspielen zu 'Herr Jesu Christ, dich zu uns wend' BWV 709 und 726.

Einen dem gewichtigen Beginn symmetrisch entsprechenden Abschluss bildet die ebenso große wie großartige Passacaglia c-Moll BWV 582. Alles Typische ist prominent vertreten, vom charakteristischen Formenpaar Präludium und Fuge über Choralvorspiele, eine ausgedehnte Choralpartita, die räsonierende Freiheit einer großen Toccata bis zur kunstvoll explizierten Strenge der Passacaglia mit ihren reichen variativen Möglichkeiten. Es entsteht ein komplettes Bild des Orgelmeisters Bach, so dass die Platte auch einzeln und abseits der Reihe mit großem Gewinn gehört werden kann. Es frappiert an den Werken vieles, vor allem, wie souverän Bach Traditionen etwa von Böhm und Buxtehude aufgegriffen, wie er sie mit müheloser Leichtigkeit auf immer neue Höhen geführt und seinem Personalstil anverwandelt hat.

Zum sehr günstigen Gesamteindruck trägt die Wahl des Instruments entscheidend bei: Masaaki Suzuki war für die dritte Folge seiner Orgel-Reihe im Freiberger Dom zu Gast und spielt auf dem dort fast unverändert erhaltenen Instrument von Gottfried Silbermann. Die Freiberger Orgel, zwischen 1711 und 1714 entstanden, ist die erste große Silbermann-Orgel, unter anderem von Bachs Amtsvorgänger Johann Kuhnau geprüft und abgenommen – und damit ein Instrument, das Bachs Klangideal hochwahrscheinlich sehr nahekommt. Die Orgel bietet eine riesige Farbpalette, mit klangkräftigen, grundtönigen Registern, auf prachtvoller 16-Fuß-Basis, mit einem wahrhaft raumfüllenden Plenum: Die ganze Pracht hochbarocker Orgelbaukunst ist in diesem Klang zu erleben.

Exzellenz

Das liegt natürlich auch daran, dass Masaaki Suzuki es überzeugend versteht, die Möglichkeiten des Instruments optimal einzusetzen: Mit Geduld und Imaginationskraft nutzt er alle Optionen zu einer bildkräftigen Registrierung. Paradebeispiel ist die in ihrer Faktur weit aufgefächerte Choralpartita BWV 770, die einen knappen, kontrastreichen Rundgang durch die gesamte instrumentale Fülle bietet. Manualiter und pedaliter ist Suzuki eine erwartungsgemäß unangefochtene Größe. Diese Erwartung hat der Organist selbst bei seinen Bach- und Buxtehude-Erkundungen nachdrücklich geweckt. Und bei all seinen Verdiensten als Dirigent und Ensembleleiter des Bach Collegium Japan konnte man den Klasse-Organisten – und übrigens kaum weniger eindrucksvollen Cembalisten – Suzuki beinahe vergessen. Zu Unrecht, wie er hier unterstreicht. Man hört in mancher Fuge den perkussiven Grundimpuls des Koopman-Schülers, dazu einen wachen Sinn für große Architekturen ebenso wie für das Filigrane, gelegentlich Nervöse der lichteren Sätze. Die Tempi sind in frischer Bewegung – eben, weil Suzuki technisch ungemein souverän ist, zollt er diesem bewegten Ansatz nie Tribut. Das Klangbild ist ausgezeichnet gelungen: Die instrumentale Wirkung ist mit den räumlichen Bedingungen in ideale Korrespondenz gebracht; die ganze Farbigkeit der Orgel wird geradezu plastisch erfahrbar.

All das ist Bach, der Orgelkomponist: Von der üppigen Fülle der Toccata über die Formstrenge der Fuge bis zur klangfantastisch farbigen Choralpartita. Masaaki Suzuki macht diese Welt auf der wunderbaren Silbermann-Orgel des Freiberger Doms erfahrbar.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Bach, Johann Sebastian: Orgelwerke: Masaaki Suzuki, Orgel

Label:
Anzahl Medien:
BIS Records
1
Medium:
EAN:

CD
7318599924212


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Bach, Johann Sebastian


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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