> > > Strauss, Johann/Korngold, Erich Wolfgang: Eine Nacht in Venedig: Oper Graz, Marius Burkert
Montag, 19. August 2019

Strauss, Johann/Korngold, Erich Wolfgang: Eine Nacht in Venedig - Oper Graz, Marius Burkert

Schwerfällige Maskenspiele


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese 'Nacht in Venedig' schließt keine diskografische Lücke und glänzt auch nicht durch besonderen Charme. Das hätte es nicht zwingend auf CD gebraucht.

Die 'Nacht in Venedig' gehört gewiss nicht zu den stärksten Operetten des Walzerkönigs Johann Strauß. Umso verwunderlicher ist es, dass sich das Werk hartnäckig auf den Bühnen hält. Offenbar zieht sich das Publikum Unterhaltspotential aus einer Geschichte, die außer viel Gewusel und ein paar venezianischen Maskenspielen wenig zu bieten hat und bei der man sich am Ende immer fragen muss, was eigentlich die letzten zwei Stunden passiert ist. Über dieses Textbuchdesaster tröstet aber immerhin die attraktive Musik von Johann Strauß hinweg – und vermutlich ist es auch ihr zu verdanken, dass 'Eine Nacht in Venedig' nicht in der Versenkung verschwinden will. Zahlreiche Bearbeitungen haben versucht, das Werk ‚aufzumöbeln‘, in den seltensten Fällen mit positivem Ergebnis.

Recht erfolgreich ist aber nach wie vor die schonungslose Bearbeitung von Erich Wolfgang Korngold, der 1923 die Operette ganz auf den angehenden Startenor Richard Tauber zuschnitt. Dass ganze Nummern ausgetauscht, umgetextet, umgewidmet und auch die Instrumentation dem Zeitgeschmack angepasst wurden, versteht sich von selbst. Wie groß das Vergehen am Original und damit ein Schaden für das Stück an sich ist und war, bleibt als Urteil jedem Hörer selbst überlassen. Fest steht aber, dass die Korngold-Fassung noch immer gern gespielt und konsumiert wird – auch weil so einige Tenorschlager dieser Variante nicht mehr aus dem Operetten-Repertoire wegzudenken sind.

Ohne Charme

So hat sich auch die Oper Graz in der Spielzeit 2017/18 für die Korngold-Fassung entschieden. Eine Livemontage vom März 2018 ist nun auf einer CD beim Label cpo erschienen – ganz ohne Dialoge, quasi als musikalische Gesamtaufnahme. Die Handlung muss der Hörer dementsprechend im Beiheft nachlesen, weil sie in dieser auf die Musik reduzierten Form in keiner Weise nachvollziehbar ist, aber der Verlust ist eher gering einzuschätzen. Was bleibt, sind dankbare Nummern mit guter Musik – wenngleich die musikalische Umsetzung dieses Mitschnitts in vielen Punkten wenig glücklich macht. Vor allen Dingen ist die Annina von Elena Puszta eine wirkliche Herausforderung. Energetisch, aber hauptsächlich schrill absolviert sie ihren Part, nimmt es mit den Tonhöhen nicht immer genau und verwechselt Leichtigkeit mit Attacke. Von Charme fehlt da jede Spur. Speziell im ersten Duett mit Caramello ist der Hörgenuss dermaßen getrübt, dass man sich schon die stilistisch fragwürdige Interpretation von Elisabeth Schwarzkopf in den so oft gelobten Ackermann-Einspielungen der Strauß-Operetten bei EMI zurückwünscht.

Überhaupt kommt man leider nicht umhin, ständig Vergleiche mit dieser ebenfalls auf der Korngold-Fassung basierenden Aufnahme von 1954 zu ziehen. Man mag von dieser alten Studioproduktion halten was man will, aber die Textdeutlichkeit und stilistische Raffinesse sind ohrenfällig. Und beides fehlt der Grazer Aufnahme leider eklatant. Dabei legt Marius Burkert am Pult der frisch aufspielenden Grazer Philharmoniker einen guten Grundstein. Das könnte Operettenflair entfachen, wie es bereits die Ouvertüre tut. Doch kaum wird gesungen, tritt Schwerfälligkeit oder sehr gewollte Heiterkeit auf den Plan. So sind Ivan Orescanin als Pappacoda und Sieglinde Feldhofer als Ciboletta zwar mit erfahrenen und sicherlich auch gewinnenden Ensemblegrößen besetzt, aber stimmlich erschlagen sie ihre Partien förmlich mit Klang und mulmiger Artikulation. Von einem nah am Text agierenden Buffopaar, das mit Witz und Energie punktet, kann hier keine Rede sein.

Einzig die beiden Tenöre verfehlen ihre Wirkung als kleiner Lichtblick dieser Einspielung nicht. Vor allem Alexander Geller macht mit strahlender Höhe und schlanker Stimmführung als Caramello eine gute Figur und liefert einen tadellosen 'Lagunen-Walzer'. Lothar Odinius zeichnet ein überzeugendes Porträt des erotisch umtriebigen Herzogs, präsentiert sich intonatorisch allerdings auch nicht gerade von der besten Seite, so dass auch hier Nicolai Gedda aus der Ackermann- oder späteren Allers-Aufnahme oder der schmachtende Anton de Ridder in der Fernsehverfilmung mahnend im Ohr klingen. Die komischen Rollen des Delaqua und der drei Venezianerinnen Barbara, Agricola und Constantia sind mit Götz Zemann Elisabeth Pratschner, Stefanie Hierlmeier und Dominika Blazek charaktervoll besetzt- Diese 'Nacht in Venedig' schließt keine diskografische Lücke und glänzt auch nicht durch besondere Leistungen. Das hätte es nicht zwingend auf CD gebraucht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Strauss, Johann/Korngold, Erich Wolfgang: Eine Nacht in Venedig: Oper Graz, Marius Burkert

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203523528


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Korngold, Erich Wolfgang
 - Eine Nacht in Venedig - Ouverture
 - Eine Nacht in Venedig - Introduktion
 - Eine Nacht in Venedig - Lied mit Chor
 - Eine Nacht in Venedig - Duettiono
 - Eine Nacht in Venedig - Arie mit Chor
 - Eine Nacht in Venedig - Duett
 - Eine Nacht in Venedig - Quartett
 - Eine Nacht in Venedig - Auftritt des Herzogs
 - Eine Nacht in Venedig - Finale I
 - Eine Nacht in Venedig - Entr'Act
 - Eine Nacht in Venedig - Melodram
 - Eine Nacht in Venedig - Couplet
 - Eine Nacht in Venedig - Lied
 - Eine Nacht in Venedig - Duetto
 - Eine Nacht in Venedig - Duettino
 - Eine Nacht in Venedig - Ensemble und Couplets
 - Eine Nacht in Venedig - Quartett
 - Eine Nacht in Venedig - Finale II
 - Eine Nacht in Venedig - Aufzugsmarsch
 - Eine Nacht in Venedig - Introduktion
 - Eine Nacht in Venedig - Lagunen-Walzer
 - Eine Nacht in Venedig - Duettino
 - Eine Nacht in Venedig - Finale III
Strauß, jun., Johann


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Dirigent(en):Burkert, Marius
Orchester/Ensemble:Grazer Philharmonisches Orchester


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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