> > > Janácek, Leos: Das schlaue Füchslein: Frankfurter Opernorchester, Johannes Debus
Donnerstag, 20. Juni 2019

Janácek, Leos: Das schlaue Füchslein - Frankfurter Opernorchester, Johannes Debus

Ein fulminantes 'Füchslein'


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese Frankfurter Einspielung der Oper 'Das schlaue Füchslein' ist ein Muss für alle, die Janacek lieben und Ohren für das Besondere haben.

Von Leoš Janáčeks 'Schlauem Füchslein' gibt es tatsächlich nur eine überschaubare Diskografie. Legendär sind noch immer die Aufnahme unter Sir Charles Mackerras mit Lucia Popp und auch die beiden Václav-Neumann-Einspielungen von 1967 und 1980. Dennoch kommen die Produktionen des 'Füchsleins' in ihrer Anzahl nicht einmal annähernd in Regionen einer 'Jenůfa' oder können sich gar mit der Präsenz von Puccinis 'La Bohème' auf dem Plattenmarkt messen. 'Das schlaue Füchslein', jene Geschichte vom ewigen Kreislauf der Natur, hat es verhältnismäßig schwer im Repertoire, weil man schnell Gefahr läuft, ein kindlich biederes Tiertreiben auf die Bühne zu stellen und dabei die Bissigkeit und Härte in Janáčeks Text und Musik zu übersehen. Harmlos ist das 'Füchslein' sicherlich nicht – es hat lichte, magische Momente und ebenso düstere Abgründe.

An der Oper Frankfurt scheint diese besondere Mischung hervorragend geglückt. Nachzuvollziehen ist das nun – wenn auch nur akustisch – auf dem Mitschnitt der Premierenserie von 2016, der auf zwei CDs beim Label Oehms erschienen ist. Wieder einmal muss man es bei den vielen wunderbaren Produktionsfotos, die nicht nur das Beiheft zieren, bedauern, dass keine DVD-Veröffentlichung vorliegt. Da muss beim Hören die Fantasie alles Nötige und Mögliche ergänzen – was aber problemlos möglich ist: Die Solisten und Johannes Debus am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters liefern eine lebendige, starke Interpretation, die sich mühelos in die eingangs erwähnten Referenzaufnahmen einreihen kann. Besonders Louise Alder in der Titelrolle fesselt mit ihrer ausdrucksstarken, schillernden Sopranstimme. In diesem fulminanten Rollenporträt zieht sie alle Register vom forschen, fordernden Tonfall bis hin zu den zarten Zwischentönen im Duett mit dem Fuchs. Alder artikuliert mit großer Klarheit und setzt mit ebensolcher Klarheit ihre vokalen Äußerungen in den Raum. Dieses Füchslein lebt im Hier und Jetzt, bedingungslos mit jugendlichem Übermut und überwältigender Frische.

Frische und Direktheit

Der Dirigent Johannes Debus hat an dieser Frische und Direktheit entscheidenden Anteil. Hier klingt nichts pathetisch oder gar sentimental. Selbst das schwelgerische Nacht-Zwischenspiel im ersten Akt verweigert sich wohltuend kitschiger Gefahrenzonen. Dafür blüht der Orchestersatz in seiner rhythmischen Prägnanz auf. Die Transparenz und dynamische Finesse sind ohrenfällig. Gleichzeitig drängt Debus ordentlich nach vorne, fast schon unnachgiebig. Das tut dem Werk gut. Die Zeit bleibt eben nicht stehen, das Leben geht weiter – in all seiner Härte, die aber durchaus von Schönheit durchzogen ist. Man könnte bemängeln, dass hier und da ein wenig Poesie verloren geht, aber die Konsequenz, mit der hier musiziert wird, überzeugt restlos.

Als Förster kommt Simon Neal von der heldenbaritonalen Seite. Das verleiht ihm die notwendige Präsenz und Größe, aber gerade im Schlussmonolog kämpft er mit den Spitzen- und ebenso mit den Zwischentönen. Dennoch gelingt ihm aufs Ganze gesehen eine eindrucksvolle Gestaltung, der freilich die raue und herbere Seite des Försters mehr liegt als die Altersmelancholie. Jenny Carlstedt ist in dieser Produktion ein herrlich burschikoser Fuchs. Ihr runder, warm leuchtender Mezzosopran schmiegt sich blendend an die Stimme Louise Alders, und Carlstedt punktet zudem mit furchtloser Höhe und urkomisch pubertärer Aufgeladenheit. In der Partie des Schulmeisters ist Beau Gibson in all seinem tenoralen Glanz zu erleben, so dass man sich fragen muss, weshalb die schöne Terinka ihn bloß andauernd übersieht. Auch Magnús Baldvinsson liefert als Dachs und scheinheiliger Pfarrer ein abgründiges Kabinettstückchen.

Aus der übrigen Besetzung seien stellvertretend noch der kernige und bedrohliche Haraschta von Sebastian Geyer sowie die temperamentvolle Försterin und Eule von Joanna Krasuska-Motulewicz genannt. Gesondertes Lob verdient der erstklassige Kinderchor der Oper Frankfurt unter der Leitung von Markus Ehmann, der wohl auch die Kindersolisten stellt, die im 'Füchslein' durchaus anspruchsvolle Aufgaben zu erledigen haben. Es stellt sich hier nämlich kein ‚Süß!‘-Effekt ein, bei dem man, weil es sich um Kindersolisten handelt, beide Augen und notfalls die Ohren zudrücken müsste. Kassiopi Küpper und Sophia Seeling sind mehr als nur souverän als Grille und Heuschrecke, ebenso Lilli Trosien als Fuchskind und Isabel Casás-Rama als Frosch. Und wo kann man schon Franzl und Seppl mit so durchdringenden und persönlichkeitsstarken Kinderstimmen besetzen wie in Frankfurt mit Ioannis Germanidis und Jascha Mössle? Da könnten sich so manche 'Zauberflöten'-Sängerknaben an internationalen Häusern eine Scheibe abschneiden. Dieses Frankfurter 'Füchslein' ist ein Muss für alle, die Janáček lieben und Ohren für das Besondere haben.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Janácek, Leos: Das schlaue Füchslein: Frankfurter Opernorchester, Johannes Debus

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
2
08.02.2019
Medium:
EAN:

CD
4260034869820


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Janácek, Leos


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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