> > > Horvat, Frank: For those who died trying: Mivos Quartet
Dienstag, 7. Juli 2020

Horvat, Frank: For those who died trying - Mivos Quartet

Erschütternde Portraits


Label/Verlag: Atma classique
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Frank Horvats Streichquartett 'For Those who Died Trying' ist ein musikalischer Aufschrei gegen die ständige Menschenrechtsverletzung in Thailand und ein einfühlsames Portrait von 35 außergewöhnlichen Menschen.

Es ist ein stiller und doch Aufmerksamkeit erregender Protest, als der Fotograf Luke Duggelby 2016 seine Ausstellung 'For Those Who Died Trying' der internationalen Öffentlichkeit präsentiert. Die Serie zeigt 35 Porträts politisch und gesellschaftlich engagierter Thailänder, platziert exakt an den Orten, an denen sie für ihre Courage den Tod fanden. Sie starben, weil sie sich stark gemacht haben gegen unhaltbare Arbeitszustände, weil sie protestiert haben gegen die Allmacht großer Ölkonzerne oder weil sie etwas tun wollten gegen die illegale Mülldeponie in ihrer direkten Nachbarschaft. Jedes dieser 35 Menschenleben fand ein gewaltsames Ende, doch keiner der Morde wurde je offiziell aufgeklärt.

Die von Duggleby ausgewählten Schicksale stehen symbolisch für über 50 ungeklärte Fälle in den letzten 20 Jahren allein in Thailand. Er gab ihnen ein Gesicht, der kanadische Komponist Frank Horvat 2018 schließlich auch wieder eine Stimme. Erschüttert von der im Land still geduldeten und vom Rest der Welt ignorierten Ungerechtigkeit, komponierte er mit 'For Those Who Died Trying' ein Streichquartett, dass jedem der 35 Bilder Dugglebys einen Satz widmet. Für die Uraufführung gewann er das renommierte New Yorker Mivos Quartet. Er hätte keine besseren Partner finden können, denn die vier Musiker widmen sich leidenschaftlich der Aufführung aktueller Musik. In diesem Herzensprojekt geben sie daher 200 Prozent, um jedem der Sätze, Sinnbilder für 35 Menschenleben, gerecht zu werden. Atma Classique präsentiert die Weltpremiere des auch 'The Thailand HRDs' genannten Werkes.

Frank Horvat will in seiner Musik die individuellen Persönlichkeiten widerspiegeln. Die musikalische Sprache des Streichquartetts entwickelte er in jedem Satz aus dem Vor- und Nachnamen eines Verstorbenen. Die darin vorkommenden Töne verband er zu Motiven, welche die tragischen Geschichten ihrer Namensgebers erzählen. Keiner der Sätze ist länger als zweieinhalb Minuten, weshalb sie lediglich Momentaufnahmen sein können. Diese sind dafür umso eindrucksvoller in ihrer tiefgründigen Klanggewalt. Immer wieder schimmert ein Hauch thailändischer Folklore durch das Netz zarter Töne und verwurzelt unaufdringlich die ansonsten universale Musik. Ein gutes Beispiel hierfür ist das fragmentarisch wirkende 'Chaweewan Pueksungnoen', ein stilles Abbild seines menschlichen Vorbildes, das zwischen breit gestrichenen Streichermotiven einzelne Lichtblicke setzt.

Umfassende Sogwirkung

Das Projekt ist durchaus eine Herausforderung an Horvats Kreativität, schließlich ist er in der Wahl seiner kompositorischen Mittel beschränkt, will aber gleichzeitig jedem Satz und damit jedem Opfer seine Individualität zusprechen. Letztendlich ist ihm mit 'For Those Who Died Trying' ein Werk gelungen, das über seinen ernsten Hintergrund hinaus eine umfassende Sogwirkung erzielt. Der Eröffnungssatz 'Ari Songkraw' zeigt bereits, in welche Richtung sich das Streichquartett bewegt. Lebensfreude und tiefste Trauer sind nie weit voneinander entfernt und auch musikalisch in stetem Wechsel durch friedliche Pizzicati und sorgenvolle Streicherlinien.

Die vier Musiker des Mivos Quartetts – Olivia De Prato und Lauren Cauley Kalal (Violine), Victor Lowrie Tafoya (Viola) und Mariel Roberts (Violoncello) – interagieren wunderbar miteinander. Sie musizieren die Sätze mit ergreifender Hingabe und beweisen ein Händchen für dynamische Raffinesse, so auch in 'Somporn Pattaphum'. Problemlos geben sie einander, je nach Bedarf, die Führung ab. Mit dem nahtlosen Übergang von 'Ari Songkraw' in 'Charoen Wat-Aksorn' beispielsweise kann Roberts am Cello zeigen, welche solistische Stärke in ihrem Instrument steckt. Das Quartett entwickelt zusammen einen intensiven Klang, der jedes Einzelschicksal durchleuchtet und die Persönlichkeit hinter der Musik ausmodelliert.

Horvats Streichquartett verbindet die internationale Sprache der Musik mit 35 persönlichen Einzelschicksalen. Jeder Satz vermischt Menschlichkeit mit Verlust und ist doch ein Trost für die Familien der Angehörigen. Oftmals mit melancholischem Anklang, wird die Musik stellenweise auch trotzig und aufrührend, wie es ihr musikalischer Pate vielleicht auch im wahren Leben gewesen ist. Kämpfer waren sie alle, diese mutigen Persönlichkeiten, die sich im Wissen um die Gefahr dafür eingesetzt haben, ihr Leben und das ihrer Mitmenschen ein kleines bisschen besser zu machen. 'For Those Who Died Trying' erzählt ihre Geschichte und will seine Hörer inspirieren, aufzuwachen und vielleicht sogar selbst aktiv zu werden. Es ist ein tiefgründiges, bewegendes und letztendlich zeitloses Album.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Horvat, Frank: For those who died trying: Mivos Quartet

Label:
Anzahl Medien:
Atma classique
1
Medium:
EAN:

CD
722056278829


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Atma classique

Das Label ATMA - Seele oder Lebensgeist auf Sanskrit - wurde 1995 gegründet und bietet inzwischen mehr als 200 Aufnahmen von mittelalterlicher bis zu zeitgenössischer Musik mit einem besonderen Schwerpunkt im Barock. Für ihre Aufnahmen umgibt sich Johanne Goyette, Direktorin und zugleich Toningenieurin der Firma, gerne mit wagemutigen Künstlern, um in ihrem Studio Unerhörtes (und Ungehörtes) zu schaffen.
ATMA Classique vertreibt in Kanada, den Vereinigten Staaten, in Europa, Australien und Asien. Das Label erfreut sich zunehmend großen Erfolgs und genießt weltweite Anerkennung für die hohe Produktionsqualität sowohl in aufnahmetechnischer als auch in künstlerischer Hinsicht. Zahlreiche Aufnahmen wurden mit Preisen (Diapason d?or, Goldberg, Prix Opus, Félix, JUNO u.a.) ausgezeichnet.
Im Juni 2004 hat ATMA Classique in Zusammenarbeit mit dem Festival Montréal Baroque den Grundstein zu einem anspruchsvollen Großprojekt gelegt: Über die nächsten fünfzehn Jahre sollen Johann Sebastian Bachs 200 geistliche Kantaten zum ersten Mal im hybriden SACD-Format (Super Audio Compact Disc) mit Surround-Sound aufgenommen werden.


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