> > > Bruckner, Anton: Symphony No.9
Freitag, 3. Juli 2020

Bruckner, Anton - Symphony No.9

In Memoriam Heinz Rögner


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Gleich zu Beginn der neuvorgelegten Bruckner-Aufnahme (Sinfonie Nr.9) mit dem Rundfunk-Sinfonie-Orchester Berlin gibt der Klangkörper nicht unbedingt eine eindrucksvolle Visitenkarte ab, denn die Intonation bei den Unisono-Klängen ist geringfügig unstimmig. Doch im weiteren Verlauf hält die immerhin 20 Jahre alte Produktion (1983) was das Booklet vollmundig verspricht: Dort ist die Rede vom ?Primat des weichen, runden, stets ?körperhaften' Tons und einer geraden, dreidimensionalen Klangarchitektur?, so Autor Dirk Stöve, der sich exzellent auskennt. Seinen Ausführungen darf man sich getrost anschließen und hinzufügen, dass diese Aufnahme eine tolle Plastizität zeigt.
Das spürt der Hörer insbesondere zu Beginn des 2. Satzes: Scherzo. Bewegt, lebhaft. Die instrumentalen Soli von Oboe und Klarinette bestechen mit Präzision; weniger diejenigen der Flöte - da steht Daniel Barenboim bei seiner exzellenten 1976er Einspielung mit dem Chicago Symphonie Orchestra eine viel bessere zur Verfügung.
Rögners Klang federt gut und entfaltet eine sehr breite Dynamik. Harnoncourt hat in seiner jüngst vorgelegten Einspielung das gestochenere Klangbild, auch trumpft der Grazer mit größerer, geheimnisvollerer Attitüde auf - Heinz Rögner fehlt dieses pathetische, schicksalhafte, dramatische Element, er trimmt das Rundfunk Sinfonie Orchester auf Leichtigkeit oder zumindest größte Zielstrebigkeit, was sich in raschen Zeiten widerspiegelt. Was bei Heinz Rögners Aufnahme auffällt, ist sein ungeheures Talent zum weichen, quasi mit der Blende vollzogenen Übergang von Stelle zu Stelle. Das ist einzigartig.

Die Karriere des Dirigenten Heinz Rögner verlief aus westlicher Perspektive eher unspektakulär, geradlinig, steil aufwärts: Von Leipzig, wo er studierte, arbeitete er sich über Weimar (Korrepetitor, 2. Kapellmeister), Leipzig (Dozent an der Musikhochschule und Dirigent des Großen Orchesters von Radio Leipzig) zum GMD der Staatsoper Berlin, also zu einem von Daniel Barenboims Vorgängern, hoch. Schließlich wird Rögner 1973 -1993 Chef von Rundfunkchor und Rundfunk Sinfonie Orchesters Berlin und gleichzeitig Professor für Orchesterleitung an der Hochschule für Musik Hanns Eisler. In dieser Zeit entstand die vorliegende Aufnahme, genau gesagt vom 9.-12.2.1983. Ein Jahr später wird er zusätzlich Chefdirigent und 1990 ständiger Gastdirigent des Yomiuri Nippon SO Tokyo . Er starb am 10. Dezember 2001 fast 73-jährig in Leipzig.

Das Adagio atmet viel Kraft und bei Rögner spürt der Hörer dessen große Brucknerliebe und -verehrung. Die Aufnahme dieses Satzes steht der in Westdeutschland so verehrten letzteren Aufnahme von Günther Wand nicht nach. Heinz Rögner - auch wenn er die religiöse Komponente der Musik Bruckners sozialistisch treu (?) indirekt leugnen mag (so kann man es dem Booklet entnehmen) - verdient auch bundesweit mehr Beachtung. Allein die Fülle der exzellenten Aufnahmen, z.B. Chicago SO/ Barenboim, Berliner Philharmoniker/ Barenboim, Wiener Philharmoniker/ Harnoncourt, um nur drei zu nennen, lassen die abschließende Bewertung nur durchschnittlich ausfallen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bruckner, Anton: Symphony No.9

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Berlin Classics
1
01.09.2003
54:17
1983
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
0782124837822
0183782BC


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Bruckner, Anton


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Dirigent(en):Rögner, Heinz
Orchester/Ensemble:Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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