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Dienstag, 25. Juni 2019

Goethe, Johann Wolfgang von - Willkommen und Abschied

Willkommen und Abschied


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


?Die Würde der Kunst erscheint bei der Musik vielleicht am eminentesten, weil sie keinen Stoff hat, der abgerechnet werden müsste. Sie ist ganz Form und Gehalt und erhöht und veredelt alles, was sie ausdrückt.?. (Maximen und Reflexionen)
Johann Wolfgang von Goethe, die Sonne von Weimar, hat sich nicht nur mit Dichtung und Naturwissenschaften beschäftigt, sondern auch mit der Musik. Wie es sich für ein Angehöriger der Oberschicht jener Zeit gehörte, erhielt der 1749 in Frankfurt Geborene seit 1763 Klavierunterricht. Als Student musizierte er als Flötist und nahm in Straßburg auch Violoncello-Unterricht. 1798 lernte Goethe den Komponisten Johann Friedrich Reichardt kennen, der bereits 1780 erste Goethe-Vertonungen vorgelegt hatte. Mit ihm zusammen entwickelte er ? die Fragment gebliebene ? Tonlehre. Aber erst die Bekanntschaft mit Carl Friedrich Zelter und schließlich mit Felix Mendelssohn-Bartholdy (1821) prägten Goethes musikalische Ästhetik und Geschmack endgültig.

Die nun vorgelegte Sammlung ?Willkommen und Abschied? hat sich nicht zum Ziel gesetzt, Goethes Musikanschauung klanglich zu demonstrieren. Vielmehr vereint sie Texte von bzw. über Goethe mit Vertonungen seiner Gedichte. Im ersten Teil wird Goethes Schwärmerei für Friederike Brion anhand von Auszügen aus ?Dichtung und Wahrheit? dokumentiert. Dazwischen erklingen ? sinnvoll ausgewählt - Vertonungen von Schubert, Pfitzner, Reichardt und Beethoven. Der Beziehung zwischen dem jungen Mendelssohn und dem alten Goethe ist der zweite Teil gewidmet. Zu Gehör gebracht werden Lieder von Fanny Hensel und Felix Mendelssohn-Bartholdy, die durch Briefauszüge der beiden kommentiert werden. Der dritte Teil wendet sich einer unglücklichen, aber künstlerisch umso fruchtbareren Beziehung zu, nämlich zwischen Goethe und Schubert. Der Weimarer Dichterfürst bekam von Schubert Lieder geschickt, hielt es aber nicht für nötig, darauf zu antworten. Schuberts Vertonungen ließen Goethe kalt. Freilich sollten das nicht zu vorschnellen Schlüssen führen: Goethe huldigte wie Reichardt und Zelter einem anderen Liedideal als Schubert, so dass die Ablehnung Schuberts zumindest aus historischer Perspektive verständlich wird.

Die zweite CD der Sammlung ?Willkommen und Abschied? setzt zunächst die Konzeption der ersten fort: Wieder wird anhand von Briefauszügen und entsprechenden Liedern eine persönliche Beziehung geschildert, nämlich die zwischen Goethe und Beethoven. Danach folgen neben Ausschnitten aus Goethes Werken mehrere Vertonungen von Hugo Wolf und Ferruccio Busoni.
Die Zusammenstellung ist ebenso klug wie originell und gewährt dem Hörer einen Einblick in das Verhältnis Goethes zur Musik und in die musikalische Goethe-Rezeption. Freilich kann so etwas äußerst akademisch und steril ausfallen: Dies ist aber hier nicht der Fall. Die Zusammenstellung ist nämlich genauso lehrreich wie unterhaltsam. Dass diese Einspielung nicht langweilt, liegt nicht nur an der guten Konzeption, sondern auch an der Qualität der Interpreten. Die Texte liest der Schauspieler Hans-Jürgen Schatz, der für seine Rezitation bereits namhafte Preise erzielen konnte. Schatz liest einfühlsam, aber unprätentiös; die gewählten Ausschnitte werden lebendig vorgetragen, ohne in falsches Pathos zu geraten oder die Texte zu stark zu dramatisieren. Leider ist die Akustik vollkommen trocken und ohne Raumklang. Dies stört umso mehr, als die Liedvertonungen nicht so steril aufgenommen wurden. Wie es sich jedoch für eine Lied-CD gehört, muss der Sänger im Mittelpunkt des Interesses stehen: der Bariton Andreas Schmidt. Seinem Namen eilt ? das ist sicherlich keine Übertreibung ? einen exzellenten Ruf als Liedsänger voraus. Und in der Tat wird er auf den vorliegenden CD diesem Ruf gerecht. Sowohl technisch als auch interpretatorisch bleiben keine Wünsche offen. Bewundernswert ist seine stimmliche Wandlungsfähigkeit, auch seine Fähigkeit, hohe Töne piano zu singen. Bei all dem werden die Lieder emotional anrührend vorgetragen, aber ohne ins vordergründig Gefühlsselige abzugleiten. Sensibel begleitet wird er von Rudolf Jansen. Jansen und Schmidt arbeiten seit einigen Jahren zusammen ? offensichtlich zu beiderseitigem Vorteil.

Ansprechend gestaltet ist das Textheft. Penibel werden die zitierten Texte aufgelistet, selbst die dabei genannten Personen werden in einem Register erläutert. Die kleine Einführung von E. Daniel Kühnel ergänzt das Booklet. Leider ist es dem Verfasser nicht gelungen, die nötige Distanz zu wahren. So spricht er davon, dass er bei einem Konzert von Schmidt/Jansen ?der Gegenwart entrückt? worden sei. Gerne gönnen wir dem Konzerbesucher solche Erlebnisse, aber ein Booklet ist der falsche Ort für derartige Bekenntnisse. Auch die wohlmeinende Anpreisung der Künstler ist unnötig: Sie steht allein den Hörerinnen und Hörern zu, vielleicht auch dem Rezensenten, nicht aber dem Produzenten einer CD.
Zu ergänzen bleibt, dass diese empfehlenswerte Musik-Literatur-CD in Zusammenarbeit mit dem Deutschlandfunk entstanden ist. Aufgenommen wurde sie 2002 in Köln.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Goethe, Johann Wolfgang von: Willkommen und Abschied

Label:
Anzahl Medien:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Berlin Classics
2
1:54:47
2003
2003
Medium:
BestellNr.:

CD
0017592BC


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Arnim, Bettine von
Beethoven, Ludwig van
Busoni, Ferruccio
Goethe, Johann Wolfgang von
Hensel, Fanny
Mendelssohn Bartholdy, Felix
Pfitzner, Hans Erich
Reichardt, Johann Friedrich
Schubert, Franz
Wolf, Hugo


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Interpret(en):Schmidt, Andreas (Bariton)
Jansen, Rudolf (Klavier)


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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