> > > Bach, Johann Sebastian: Sonate e Cembalo Obligato e Traversiere solo: Laura Pontecorvo, Rinaldo Alessandrini
Mittwoch, 20. Februar 2019

Bach, Johann Sebastian: Sonate e Cembalo Obligato e Traversiere solo - Laura Pontecorvo, Rinaldo Alessandrini

Sonatenkunst


Label/Verlag: Arcana
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Pontecorvo und Alessandrini sind ein tolles Doppel. Die beiden und Bach – das passt. Hochstehende Sonatenkunst.

Traversflöte und Cembalo sind, zumal dann, wenn letzterem obligate Aufgaben übertragen sind, eine ganz besonders charmante Kombination barocker Kammermusik. Bei Johann Sebastian Bach ist das Doppel nur schmal vertreten, vor allem durch die Sonaten BWV 1030 und 1032, die Bach zweifelsfrei zugeordnet werden können. Vielleicht – das ist eine gewisse Einschränkung mit Blick auf den Repertoirewert der aktuell bei Arcana erschienenen Platte von Laura Pontecorvo und Rinaldo Alessandrini – hätten die beiden Instrumentalisten ihre Zweifel gegenüber BWV 1031 zurückstellen und das Werk in die Einspielung aufnehmen sollen. Zwar ist die Sonate nicht so klar überliefert wie die beiden Schwesterwerke. Und es gibt Hinweise, dass Johann Joachim Quantz oder Carl Philipp Emanuel Bach eine Rolle für die Entstehung des Werks gespielt haben könnten. Doch wäre auf der Platte Raum gewesen, neben den beiden kanonischen Sonaten und zwei weiteren Umarbeitungen, für die instrumentale Konstellation.

Die sind freilich interessant: Einmal kommt eine Version der Orgelsonate BWV 526, die ausweislich des klingenden Ergebnisses für vieles offensteht, auch wenn der Transfer in Sachen Struktur, Klangfarben und Balance ein etwas größerer ist als bei BWV 1019. Diese Komposition gehört eigentlich dem Konvolut der sechs Sonaten für Violine und obligates Cembalo an und ist bekannt und vertraut aus jenem Kosmos von Triosonaten. Hier, in der Flötenversion, wird die Tonart G-Dur beibehalten, was der Flöte im tieferen Register gelegentlich Probleme bereitet, sich gegen den sicher nicht übermächtigen Cembalo-Diskant zu behaupten.

Strukturklar und balanciert

Doch ist das interpretatorische Ergebnis dieser Konstellation insgesamt sehr erfreulich. Das Travers-Spiel von Laura Pontecorvo ist harmonisch, der Ton ebenmäßig schön, transparent und substanzreich gleichermaßen. Diesen ansprechenden Gehalt moduliert die Flötistin klug, fügt die Register gelungen ineinander. Technisch ist ihr Spiel unangefochten; die Interaktion mit dem gleichrangig agierenden Cembalo ist geschmeidig. Rinaldo Alessandrini agiert technisch virtuos und mit stupenden Möglichkeiten. Vor allem ist er ein entschlossener Deuter der Triosonaten-Form: Der Diskant wird klar und plastisch als zweite Solostimme profiliert. Die Begleitung ist als dazu kontrastreiches Gewebe angelegt. Das auch ursprünglich für Solo-Cembalo komponierte mittlere Allegro der umgearbeiteten Violinsonate gerät zum solistischen Feuerwerk. Die Tempi sind dezidiert gewählt, geraten aber nicht forciert. Insgesamt ist sehr viel plastisches Spiel zu hören, das Strukturen lebendig macht und gleichzeitig in ein stimmiges Verhältnis von konstruktiven und klangsinnlichen Momenten mündet. Dem entspricht auch die technische Realisierung: Im Ergebnis ein schönes Gesamtbild, klar und edel strukturiert, dazu plastisch und belebt.

Ein schönes Album, dem die mittlere der drei Sonaten trotz möglicher Bedenken gut getan hätte. Pontecorvo und Alessandrini sind ein tolles Doppel. Die beiden und Bach: Das passt. Idiomatisch ist es ein Heimspiel – hochstehende Sonatenkunst.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Sonate e Cembalo Obligato e Traversiere solo: Laura Pontecorvo, Rinaldo Alessandrini

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arcana
1
07.09.2018
EAN:

3760195734537


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Bach, Johann Sebastian


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Arcana

Michel Bernstein hat mit ARCANA eine Institution im Bereich der Alten Musik geschaffen, deren Katalog mit einer Vielzahl prominenter Namen der Alten Musik aufwarten kann, darunter prominente Namen wie Rinaldo Alessandrini, Gunnar Letzbor oder Sigiswald Kuijken. Als der Labelgründer 2006 plötzlich verstarb, schien es zunächst so, als würde dies auch unweigerlich das Ende von ARCANA bedeuten. Zum Glück entschied sich der italienische Vertrieb Jupiter zum Kauf des Labels. Selbstverständlich plant man, es im Sinne seines Gründers weiterführen. Nach und nach werden nun Aufnahmen aus dem umfangreichen Backkatalog des Labels in neuer Gestaltung wieder veröffentlicht und der Katalog durch neue Aufnahmen bewährter Künstler und von Neuzugängen (darunter Marco Beasley und das Ensemble Accordone) erweitert.


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