> > > Goldmark, Karl: Symphonic Poems Vol.1: Bamberger Symphoniker, Fabrice Bollon
Sonntag, 21. April 2019

Goldmark, Karl: Symphonic Poems Vol.1 - Bamberger Symphoniker, Fabrice Bollon

Von großer Souveränität


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Fabrice Bollon erweist sich erneut als genuiner Goldmark-Interpret.

Als Symphoniker ist Karl Goldmark (1830–1915) trotz zahlreicher Bemühungen unterschiedlichster Hand immer noch eine zum großen Teil unterschätzte Größe. Neben den beiden Symphonien und dem Violinkonzert schuf er nämlich umfangreiche Ouvertüren, die man gerne Symphonische Dichtungen nennen möchte, Werke, die formal wie thematisch-motivisch attraktiv und ‚gut gebaut‘ sind, harmonisch und instrumentatorisch aus einem reichen Reservoir schöpfen und gerade in ihrer außermusikalischen Inspiration eine Bereicherung des Konzertwesens wären. Dennoch wäre es verkürzt, würde man Goldmark als ‚Stimmungsmaler‘ bezeichnen – es ist zunächst gut zu wissen, dass er auf eine poetische Idee rekurriert, ehe man dann die symphonischen Gestaltungen davon abgehoben hört; im vorliegenden Fall stehen mit 'Sakuntala' (1865), 'Penthesilea' (1880) und 'Sappho' (1893) drei ganz unterschiedliche Frauen (und ihre Geschichte) im Zentrum, Ausgangspunkt zu drei reichen ‚Klanggemälden‘, in denen die Materialverarbeitung eher im Hintergrund steht und manchmal das Uninspirierte streift.

Komplettiert wird das Programm durch zwei Scherzi für Orchester aus den Jahren 1871 und 1893/94, selbstständige symphonische Sätze, die die Ferne zur Symphonie durch ihre formelle Anlage durchaus betonen, aber als absolut-musikalische Orchestersätze Goldmarks erfolgreich waren. Die Bamberger Symphoniker als Orchester spätromantischer Symphonik loben zu wollen, erübrigt sich quasi von selbst – dennoch sei das exakte Timing der Musiker unter Fabrice Bollons beschwingter Leitung, seine Fähigkeit zur Farbmischung und zur ausgewogenen Balance ausdrücklich hervorgehoben (hier natürlich makellos realisiert durch die Aufnahmetechnik des Bayerischen Rundfunks – ausgenommen das etwas zu präsente Violinsolo in 'Sappho'). Gerade bei eher unbekannterem Repertoire ist eine solche Souveränität keineswegs selbstverständlich – und wenn etwa im späten Scherzo op. 45 die Allusionen an Mendelssohn, Raff oder gar Bruckner fast en passant ‚angespielt‘ werden, muss die große Kunst, diese Eklektizismen tatsächlich nur ‚quasi nebenbei‘ anzudeuten, umso mehr bewundert werden. Bollon arbeitet die Sensualität der Musik ebenso wie die anderen vielfältigen Stimmungen heraus.

Besondere Erwähnung verdient Eckhart van den Hoogen umfangreicher, sehr informativer Booklettext, der manchem Leser eher zu ausladend denn zu knapp sein könnte. Hier haben wir klar einen Bookletautor, der sich kaum weniger mit seinem Sujet auseinandergesetzt zu haben scheint als die Musiker. Es bleibt zu hoffen, dass auf die nächste Folge der Orchestermusik Goldmarks nicht zu lange zu warten sein wird.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Goldmark, Karl: Symphonic Poems Vol.1: Bamberger Symphoniker, Fabrice Bollon

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
EAN:

761203516025


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Goldmark, Karl
 - Overture Sakuntala op.13 -
 - Scherzo for Orchestra op.19 in E minor -
 - Overture Penthesilea op.31 -
 - Overture Sappho op.44 -
 - Scherzo for Orchestra op.45 in A major -


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Dirigent(en):Bollon, Fabrice
Orchester/Ensemble:Bamberger Sinfoniker


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
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Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
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