> > > Kalman, Emmerich: Kaiserin Josephine: Franz Lehár-Orchester, Marius Burkert
Freitag, 14. Dezember 2018

Kalman, Emmerich: Kaiserin Josephine - Franz Lehár-Orchester, Marius Burkert

Aus späten Tagen


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Es bleibt zu hoffen, dass die Vorstellungen der Bad Ischler 'Kaiserin Josephine' überzeugender waren, als es dieser Mitschnitt vermitteln kann.

Im Beiheft zur Operetten-Neuerscheinung bei cpo wird Emmerich Kálmáns 'Kaiserin Josephine' als ‚Gesangsoperette aus späten Tagen‘ bezeichnet. Und tatsächlich kommt die operettige Historie um die erste Ehefrau Napoleon Bonapartes im Jahr 1936 nach ihrer Zeit. Längst sind ähnliche Geschichten, mit denen noch ein Franz Lehár in 'Paganini' begeistern konnte oder ein Leo Fall in 'Madame Pompadour' humorvoll zurückblickte, in Richtung Tonfilm abgewandert. Die Operette hat sich neue Ufer erschlossen, nicht unwesentlich von der amerikanischen Musical Comedy beeinflusst. Verrückte Geschichten um fiktive Filmstars oder absurde Liebeleien mit Rhythmen der Zeit und frechen Seitenhieben sind weitaus gefragter als eben eine doch recht biedere Operette um die Kaiserin Josephine. Zudem hat Emmerich Kálmán im Dritten Reich und auch bald schon in Österreich keinen künstlerischen Platz mehr und emigriert in die USA. All diese Umstände sind seiner 'Kaiserin Josephine' nicht unbedingt zuträglich. Sie kommt 1936 in Zürich zur Uraufführung – zwar mit guten Solisten, aber eben ohne wirkliche Stars, die dem Werk auf weitere Bühnen hätten verhelfen können.

Selbst nach dem Zweiten Weltkrieg findet kaum eine Nummer der 'Kaiserin Josephine' nachhaltig in den Reigen der Operetten-Wunschkonzerte. Dabei ist die Musik waschechter Kálmán mit schmissigen Rhythmen und süffigen Melodien, vor allem für das ‚hohe Paar‘. Im vorliegenden Mitschnitt vom August 2017 aus Bad Ischl ist der musikalische Reiz von 'Kaiserin Josephine' zu großen Teilen nachvollziehbar. Die spannungsarme Handlung, die leicht in eine lose Folge von Momentaufnahmen zerfällt, kann aber auch viele Jahrzehnte nach der Uraufführung kaum fesseln. Die Charaktere sind doch recht schablonenhaft und überraschen dann noch nicht einmal mit kuriosen oder ironischen Reaktionen. Wirkliche Empathie kann man weder für Josephine noch für den Krieg führenden Napoleon empfinden. Das Unterhaltungskonzept ‚Liebesleben von Kaisern und Königen‘ geht nur bedingt auf.

Aus späten Tagen

Das sind keine guten Voraussetzungen, um einer CD-Aufnahme mit wachsendem Interesse zu folgen – es sei denn, es sind außergewöhnliche Solisten am Start, die den seichten Stoff mit Energie und stimmlicher Überzeugungskraft vergessen machen. Leider ist das bei dieser Aufnahme nicht der Fall. Das Attribut ‚aus späten Tagen‘, das der 'Kaiserin Josephine' verliehen wird, lässt sich auch auf die beiden Protagonisten übertragen. Die in Bad Ischl wohl beliebte und verdienstvolle Miriam Portmann sowie der Tenor Vincent Schirrmacher sind über die Rollenanforderungen der Josephine und des Napoleon schlicht hinausgewachsen. Während Schirrmacher noch in manchen Momenten vokale Jugend herzustellen weiß, will das Miriam Portmann nicht mehr gelingen. Ihr Sopran atmet eine Reife, die der lebenshungrigen und auch jungen Josephine nicht ansteht. Schon zu Beginn in 'Schöne Marquise, arme Marquise' stößt Portmann an die Grenzen ihrer Souveränität, von Glanz und Leichtigkeit ist ihre Interpretation weit entfernt. Josephines 'Mein Traum' hält dann auch noch intonatorische Schwierigkeiten bereit, die den Hörgenuss empfindlich belasten. Man muss der Künstlerin aber zugestehen, dass sie hörbar um Stilistik bemüht ist. Und genau jene Raffinesse, die sie im Vortrag mit sich bringt, hilft über die stimmlichen Defizite ein wenig hinweg. Miriam Portmann ist mit allen Operettenwassern gewaschen, wenngleich die im klischeehaftesten Singsang-Ton ausgeführten Dialoge nahezu unerträglich sind. Vielleicht ergibt sich eine Perspektive für ein anderes Operettenfach, in dem die Kunstfertigkeit von Miriam Portmann besser zur Geltung kommt.

Auch Vincent Schirrmacher war als Operettentenor schon überzeugender unterwegs als in dieser Produktion. Seine Stimme klingt hell und damit auch erstaunlich jugendlich, zudem verfügt der Sänger über eine hervorragende Artikulation. In der Mittellage wird der Ton aber oft rau und glanzlos, eine irritierende Veränderung, die erst in der Höhe wieder behoben scheint. Die Ausstrahlung und vokale Erotik, die vielleicht ein Richard Tauber der Partie hätte verleihen können, kann Vincent Schirrmacher nicht liefern. Man muss aber kein Tauber sein, um zumindest souverän über den Hürden der Partie zu stehen. Napoleons 'Schön ist der Tag' wird für den Künstler zum Kampf um hohe Töne und Farben, wobei er jedoch stets um Differenzierung bemüht bleibt und mutige dynamische Akzente setzt.

Hauch von Operettenzauber

Das Buffo-Paar Bernard und Juliette versöhnt ein wenig mit der nicht adäquaten Besetzung der Hauptfiguren: Theresa Grabner und Roman Martin lassen in ihren Duettszenen einen Hauch von Operettenzauber durch den Mitschnitt wehen. In Sachen Dialoge können aber auch sie keine Glanzlichter setzen – was aber im Ganzen eher der Dialogregie angelastet werden sollte, als den ausführenden Sängern.

Freude macht das Franz Lehár-Orchester unter der Leitung von Marius Burkert, das Kálmáns Partitur mit Schwung und Leidenschaft zum Klingen bringt. Den angeschlagenen Gesamteindruck kann dieser Pluspunkt zwar auch nicht vollständig ausgleichen, aber zumindest weckt Burkert mit seiner Souveränität Interesse für diese vergessene Musik. Und der Fairness halber sollte nicht unerwähnt bleiben, dass sich das Publikum in den Dialogszenen, die definitiv live mitgeschnitten wurden, punktuell hörbar amüsiert. Es bleibt eben schwierig, den Geist der leichten Muse in dieser Weise auf Tonträger einzufangen – und auch Solisten wie Miriam Portmann und Vincent Schirrmacher werden so auf ihre stimmlichen Mittel reduziert, wo doch das Gesamtpaket von Ausstrahlung, Gesang und Darstellung in all seiner Unmittelbarkeit zählen sollte. Es bleibt also zu hoffen, dass die Vorstellungen der Bad Ischler 'Kaiserin Josephine' überzeugender waren, als es der Mitschnitt bei cpo vermitteln kann.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Kalman, Emmerich: Kaiserin Josephine: Franz Lehár-Orchester, Marius Burkert

Label:
Anzahl Medien:
cpo
2
EAN:

761203513628


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Lehár, Franz
 - Kaiserin Josephine - Musikalische Szene und Lied
 - Kaiserin Josephine - Ein Wagen ist vor dem Hause vorgefahren
 - Kaiserin Josephine - Mir klopft das Herz
 - Kaiserin Josephine - Die Liebe und der prickelnde Champagnerwein
 - Kaiserin Josephine - Ich heiße Sie alle ganz herzlich willkommen!
 - Kaiserin Josephine - Liebe sind ihr Zauberlied
 - Kaiserin Josephine - Nun, General
 - Kaiserin Josephine - Die Liebe und der prickelnde Champagnerwein
 - Kaiserin Josephine - Aber... aber...
 - Kaiserin Josephine - Unter südlicher Sonne bin ich geboren


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Dirigent(en):Burkert, Marius
Orchester/Ensemble:Franz Lehár-Orchester
Interpret(en):Portmann, Miriam
Scheschareg, Steven


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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