> > > Goldschmidt, Berthold und Reizenstein, Franz: Cellokonzerte: Raphael Wallfisch, Konzerthausorchester Berlin, Nicholas Milton
Montag, 24. Juni 2019

Goldschmidt, Berthold und Reizenstein, Franz: Cellokonzerte - Raphael Wallfisch, Konzerthausorchester Berlin, Nicholas Milton

Aus der Emigration


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Raphael Wallfisch und das Konzerthausorchester Berlin mit Cellokonzerten von Berthold Goldschmidt und Franz Reizenstein.

Nach den Cellokonzerten von Hans Gál und Mario Castelnuovo-Tedesco setzt Raphael Wallfisch, zusammen mit dem Konzerthausorchester Berlin unter Nicholas Milton, die Erkundung des Schaffens emigrierter Komponisten fort. Mit Franz Reizenstein und Berthold Goldschmidt stehen diesmal zwei Persönlichkeiten im Fokus, die in Großbritannien ganz unterschiedliche Karrieren machten. Franz Reizenstein (1911–1968) und Berthold Goldschmidt (1903–1996) verließen Berlin bereits 1934 bzw. 1935. Während aber Goldschmidt mit einer durchaus eigenen kompositorischen Stimme in Großbritannien eintraf und sich eher als Dirigent und vor allem als Mitarbeiter der BBC profilieren konnte (noch heute berühmt ist seine Mitarbeit an Deryck Cookes Aufführungsfassung von Mahlers Zehnter Sinfonie), setzte Reizenstein seine Ausbildung in England fort und wurde auch als Komponist akzeptiert. Reizensteins Konzert war schon entstanden, wurde aber 1948 überarbeitet; Goldschmidts Werk entstand kurz nach dem Weltkrieg – ehe er als ‚deutscher Komponist‘ vom englischen Musik-Establishment an die Seite gedrängt wurde.

Beide Werke wurden Anfang der 1950er-Jahre durch William Pleeth aus der Taufe gehoben. Ihre Rückkehr nach Berlin, mit einem britischen Cellisten mit Migrationshintergrund, greift den Berliner ‚Expressionismus‘ der 1920er-Jahre in gewisser Weise auf – Berg, Hindemith und andere Komponisten schauen sozusagen indirekt über die Schulter. Ihr Ton liegt eindeutig der deutschen Tradition näher als der britischen. Bei Goldschmidt ist auch ein genuin jüdischer Ton nicht überhörbar, der – hätte das britische Musikleben diese Möglichkeit gegeben – im britischen Musikleben einen zusätzlichen Ton hätte bieten können, der erst in Goldschmidts letzten Lebensjahren, mit seiner internationalen Rehabilitierung als Komponist, erfolgte. Das Reizenstein-Konzert bezeichnet Wallfisch im Booklet als cellistische Tour de force, doch spielt er beide Werke mit unüberhörbarer Souveränität. Auch das Berliner Konzerthausorchester legt ein sensitives Gespür für das kompositorische Idiom der beiden Werke an den Tag, das aufhorchen lässt und von manch anderem Berliner Orchester nicht zu erwarten wäre; sein substanzieller Anteil an beiden Werken ist nicht zu unterschätzen. Die ausgezeichnete Feinabstimmung im Orchester wie auch mit dem Solisten ist zu gleichen Teilen den Interpreten wie den Tonmeistern des Deutschlandfunks zu danken – das Engagement aller Beteiligten für die beiden Werke ist vorbildlich und ergänzt unser Wissen um verfemte Musik des 20. Jahrhunderts nachhaltig.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Goldschmidt, Berthold und Reizenstein, Franz: Cellokonzerte: Raphael Wallfisch, Konzerthausorchester Berlin, Nicholas Milton

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
25.04.2018
Medium:
EAN:

CD
761203510924


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Goldschmidt, Berthold
 - Cello Concerto - Andante
 - Cello Concerto - Caprice mélancolique
 - Cello Concerto - Quasi Sarabande
 - Cello Concerto - Tarantella
Reizenstein, Franz
 - Cello Concerto in G - Allegro ma non troppo
 - Cello Concerto in G - Lento
 - Cello Concerto in G - Molto moderato


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Dirigent(en):Milton, Nicholas Christopher
Orchester/Ensemble:Konzerthausorchester Berlin
Interpret(en):Wallfisch, Raphael


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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