> > > Bossi, Marco Enrico: Klaviertrios
Mittwoch, 15. August 2018

Bossi, Marco Enrico - Klaviertrios

Unharmonisch


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Trio Archè nähert sich zwei Klaviertrios von Marco Enrico Bossi auf je eigenen Pfaden: Manchmal ziehen sie an einem Strang, manchmal gehen die Musiker quasi solistische Wege. Das ist zu wenig, um ein Lanze für Bossi zu brechen.

Marco Enrico Bossi (1861–1925) kennen wir, wenn überhaupt, zumeist als Komponist von Orgelmusik. Ab 1890 Professor für Komposition in Neapel, scheint sein Stil in den beiden Klaviertrios d-Moll op. 107 und D-Dur op. 123 (1896 bzw. 1901) doch eher einem historischen Überhang anzugehören. Im ersten Trio hört man kaum eine Spur Brahms, Fuchs, Gernsheim, Bruch oder Herzogenberg – doch hört man Echos Schumanns und Mendelssohns. Das zweite Trio ist selbstständiger, doch gleichermaßen insgesamt konventionell (dass beide Kompositionen viersätzig und von ganz regelkonformer Konstruktion sind, ist fast schon selbstredend). Unter der formenden Hand engagierter Interpreten können aber auch so scheinbar nebensächliche Werke sozusagen über sich hinauswachsen (dies hat schon 2005 etwa das Hungarian Piano Trio für Hungaroton bewiesen).

So leider nicht in der vorliegenden Neueinspielung mit dem Trio Archè mit Francesco Comisso (Violine), Dario Destefano (Violoncello) und Francesco Cipolletta (Klavier). Da klingen viele Übergänge harmonisch unausgewogen, die Klangbalance lässt zu wünschen übrig. Dadurch zerfällt die Interpretation immer wieder in Einzelteile, statt ein in sich schlüssiges Ganzes zu bieten. In der breit aufgestellten Stereoakustik, die wohl dem Dialogisieren der Musiker Raum bieten sollte, werden Violine und Cello eher getrennt denn verbunden, wodurch Inkonsistenzen im Bogenstrich Comissos und Destefanos ebenso stark auffallen wie intonatorische Abweichungen. Ein genaues Gespür für die richtige Portion Vibrato und Portamento scheint den Musikern weniger wichtig als ein steter Fluss; selbst gequetschte Töne der Violine in den hohen Lagen blieben unkorrigiert. Sogar manche Melodielinie der Streicher scheint mehr buchstabiert denn ausgearbeitet, im Kopfsatz des zweiten Trios gar scheint das Ensemble zeitweise fast auseinanderzufallen.

Auch die Aufnahmetechnik (die Produktion entstand im Herbst 2016 in Bernareggio) bildet kein echtes Highlight – die Mikrofonierung ist bei den Streichern zu dicht, so dass sie nicht genügend atmen können (im zweiten Trio sind die Cellopizzicati deutlich zu laut), das Klavier gerät gelegentlich ins Hintertreffen.

Das Booklet informiert nicht einmal ausreichend über die Werke. Die zweite Komposition trägt den Titel 'Trio sinfonico', Entstehungsdaten werden nicht genannt, auch nicht das Fabrikat des genutzten Flügels, während stolz auf die alten Streichinstrumente hingewiesen wird. Schade um die in fast jeder Hinsicht verpasste Chance.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Bossi, Marco Enrico: Klaviertrios

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
1
02.02.2018
EAN:

5028421955810


Cover vergössern

Brilliant classics

Brilliant Classics steht für hochwertige Klassik zu günstigen Preisen!

Mit den Veröffentlichungen von komplettierten Gesamtwerks- Editionen und Zyklen berühmter Komponisten, hat sich das Label erfolgreich am Musikmarkt etabliert. Der Klassikmusikchef, Pieter van Winkel, ist Musikwissenschaftler und selbst Pianist. Mit seinem professionellen musikalischen Gespür für den Klassikmarkt, hat er in den letzten Jahren ein umfangreiches Klassikprogramm aufgebaut. Neben hochwertigen Lizenzprodukten fördert er mit Eigenproduktionen den musikalischen Nachwuchs und bietet renommierten Musikern eine ideale Plattform.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Brilliant classics:

  • Zur Kritik... Klangpracht aus dem Dom von Perugia: Adriano Falcioni entfaltet die klangliche Vielfalt der Orgel des Doms von Perugia mit drei Kompositionen von Max Reger, darunter die bekannte 'Fantasie und Fuge über B-A-C-H'. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Verhaltene Expressivität: Die Neuaufnahme der Klarinettentrios von Carl Frühling und Alexander Zemlinsky kann nur teilweise überzeugen. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Individuelle Klangfarben: Alessandro Commellato präsentiert die heute kaum mehr bekannten Variationswerke, mit denen Beethovens Pianisten- und Komponistenkarriere begann: Das Kennenlernen lohnt sich. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
blättern

Alle Kritiken von Brilliant classics...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Jürgen Schaarwächter:

  • Zur Kritik... Auf die schottische Art: Schottische Volkslieder werden in der vorliegenden Interpretation von drei Klaviertrios Leopold Kozeluchs eher als exotisches Beiwerk denn als essenzieller Teil der Musik gesehen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Nicht ohne Balalaika: Ein ungewöhnlicher Blick auf Schtschedrins 'Carmen-Suite', der den Blick befreit auf neue Perspektiven quer durch die halbe Welt. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Wenig innig: Weitgehend entschlackte Sichtweise auf einen Komponisten der musikalischen Romantik. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Jürgen Schaarwächter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... 5-Sterne-Beethoven: Beeindruckend, wie der niederländische Pianist Ronald Brautigam seinen nachgebauten Broadwood-Hammerflügel zum Klingen bringt: Auch neben den alten Starpianisten wie Gilels oder Richter kann sein einfühlsames und virtuoses Spiel beeindrucken. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Auf die schottische Art: Schottische Volkslieder werden in der vorliegenden Interpretation von drei Klaviertrios Leopold Kozeluchs eher als exotisches Beiwerk denn als essenzieller Teil der Musik gesehen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Originelle Kammermusik aus Ungarn: Das Nash Ensemble spielt drei ausgesprochen spannende Werke des Ungarn Ernst von Dohnányi, darunter ein höchst originelles Sextett für Klavier, Klarinette, Horn und Streichtrio. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/2018) herunterladen (3001 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Hieronymus Praetorius: Missa in Festo Sanctissimae Trinitatis - Kyrie eleison

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich