> > > Schnittke, Alfred: Requiem
Mittwoch, 23. Mai 2018

Schnittke, Alfred - Requiem

Solide Aufnahme


Label/Verlag: DUX
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das polnische Label DUX präsentiert eine Neuaufnahme von Alfred Schnittkes Requiem.

Nachdem er mit seiner Sinfonie Nr. 1 (1968–72) über den Zeitraum mehrerer Jahre hinweg seinen eigenen, in gewisser Distanz zur zeitgenössischen Avantgarde verbleibenden Stil gefunden hatte, wandte sich der Komponist Alfred Schnittke (1934–1998) der historisch bedeutsamen Gattung des Requiems zu. Das rund 40-minütige, in den Jahren 1974–75 entstandene Werk war ursprünglich als Teil der Schauspielmusik zu Friedrich von Schillers ‚Don Carlos‘ geplant, sprengte jedoch aufgrund seines Umfangs diesen Rahmen und wurde als Einzelwerk veröffentlicht. Zu den bisherigen, nicht gerade eben seltenen Einspielungen des Requiems gesellt sich nun eine Einspielung des polnischen Labels DUX mit den überzeugend agierenden Solisten Katarzyna Oleś-Blacha (Sopran), Monika Korybalska (Sopran), Agnieszka Kuk (Sopran), Olga Maroszek (Alt) und Dominik Sutowicz (Tenor), dem Chor der musikalischen Fakultät der Universität Rzeszów und Mitgliedern des dortigen Sinfonieorchesters unter Leitung von Bożena Stasiowska-Chrobak. Dass im Booklet der Veröffentlichung nirgendwo die tatsächliche Instrumentalbesetzung – Trompete, Posaune, Pauke, zahlreichen Schlagzeuginstrumenten (u. a. Gongs, Glocken, Marimba, Vibraphon sowie einem Drum Kit auf dem Höhepunkt des Werkes), Celesta, Klavier, Orgel, E-Gitarre und E-Bass – genau genannt ist, gehört zu den Schwächen der etwas lieblos aufbereiteten Texte in englischer und polnischer Sprache. Ansonsten zeichnet sich die Produktion durch einen soliden, ganz der Melodie verpflichteten Zugang aus.

Schnittkes Vertonung des liturgischen Textes entspricht der gewöhnlichen Anordnung der lateinischen Totenmesse, doch fügt der Komponist als vorletzten Satz ein 'Credo' hinzu und setzt zudem an die Stelle des abschließenden 'Lux aeternam' eine erneute Vertonung des eröffnenden 'Requiem'-Textabschnitts. Als musikalische Ausgangspunkte nutzt er die modalen Choralintonationen der russisch-orthodoxe Liturgie sowie – erkennbar an der Benutzung glockenartiger Klangerzeuger – die charakteristischen Klangqualitäten von Igor Strawinskys rund ein Jahrzehnt zuvor komponierten 'Requiem Canticles' (1965–66). Diese beiden Elemente bestimmen von Beginn an über weite Strecken den Klangcharakter des Werkes, das mit einfachem Gesang über regelmäßigen Glockenschlägen anhebt und erst allmählich zu einer komplexeren Harmonik findet. Der Vortrag des Chores überzeugt vor allem in den melodiegesättigten Passagen, bleibt aber auch dort plastisch, wo sich die Musik von dieser Diktion löst. So gehören beispielsweise die peitschenden, akkordisch gestützten Ausrufe im 'Dies irae' oder die gleitend gesprochenen Textteile im 'Tuba mirum' zu den eindrücklichsten Passagen einer Einspielung, die ansonsten klanglich rund, manchmal aber auch – insbesondere im Zusammenwirken mit den Instrumenten – eine Spur zu kompakt wirkt. Eine willkommene Ergänzung zur großformatigen Requiem-Komposition bilden Schnittkes 'Drei geistliche Hymnen' für gemischten Chor (1984), die, mit zurückhaltend strahlendem Chorklang vorgetragen, den Abschluss der Produktion bilden.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schnittke, Alfred: Requiem

Label:
Anzahl Medien:
DUX
1
EAN:

5902547014074


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Schnittke, Alfred


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DUX

Das polnische Label DUX wurde 1992 von Malgorzata Polanska und Lech Tolwinski, beides Absolventen der Toningenieur-Fakultät der Frédéric Chopin Musikakademie in Warschau, gegründet. Hauptanliegen war die Produktion von Aufnahmen mit klassischer Musik, wobei man von Anfang an höchste Ansprüche an künstlerische und technische Standards stellte.Viele Aufnahmen von Dux erlangten sowohl in Polen als auch im Ausland breites Interesse bei Publikum und Kritik, die sich in zahlreichen Preisen und Auszeichnungen widerspiegelt.

Ein Schwerpunkt des Labels ist natürlich das reiche musikalische Erbe Polens, das weitaus mehr umfasst als Chopin oder Penderecki. Im Katalog finden sich daher neben bekannteren Namen wie Wieniawski, Szymanowski oder Lutoslawski auch zahlreiche hierzulande bislang weniger bekannte oder völlig unbekannte Komponisten von der Renaissance bis zur Gegenwart, wie Ignaz Jan Paderewski, der Klaviervirtuose und spätere Premier- und Außenminister der Zweiten Polnischen Republik oder Stanislaw Moniuszko, ein Zeitgenosse Verdis und Schöpfer der polnischen Nationaloper. Aber auch zahlreiche polnische Künstler, Ensembles und Orchester gilt es bei DUX zu entdecken, darunter international renommierte Namen wie beispielsweise die gefeierte Altistin Ewa Podles.


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