> > > Aho, Kalevi: Saxophonkonzert und Bläserquintett
Donnerstag, 18. Januar 2018

Aho, Kalevi - Saxophonkonzert und Bläserquintett

Konsequent hohes Niveau


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Unter den drei auf dieser CD versammelten Werken von Kalevi Aho ist das für Anders Paulsson geschriebene Sopransaxophon-Konzert sicherlich das gelungenste Stück.

Wie kaum ein anderer Komponist unserer Zeit hat Kalevi Aho (geb. 1949) in seinen Solokonzerten die tiefen und tiefsten Lagen des Orchesters ausgelotet. Der Finne schrieb jeweils ein Konzert für Kontrafagott, Basstuba und Kontrabass, wobei ihm prominente Vertreter des jeweiligen Instrumentes für die Uraufführung zur Verfügung standen. Nicht anders verhält es sich mit dem Werk auf der vorliegenden CD, mit dem Aho gleichsam zur Abwechslung in die höchsten Regionen wechselt: 2014 und 2015 entstand auf Anregung des Sopran-Saxophonisten Anders Paulsson das Konzert für Sopransaxophon und Kammerorchester, das im November 2015 uraufgeführt wurde. Aho hörte (wie im Booklet nachzulesen ist) den Interpreten bei einer Aufführung des Konzertes von Anders Eliasson (1947–2013) und ging sofort auf Paulssons Vorschlag einer Zusammenarbeit ein. Die Besetzung für ein (vergleichsweise schlank besetztes) Kammerorchester lag aufgrund der begrenzten Durchsetzungsfähigkeit des Sopransaxophons nahe, ebenso wie die Einbindung des Lapdland Chamber Orchestra unter John Storgårds. Dirigent und Orchester sind mit Ahos Schaffen seit langem vertraut und haben unter anderem das Hornkonzert sowie die Symphonien Nr. 12 und 14 eingespielt.

Das zweite Werk auf dieser CD, das 2013 entstandene Quintett für Bläser und Klavier, geht ebenfalls auf einen Auftrag zurück: Ingo Goritzki, Oboist und Leiter des Musikfestivals ‚Sommersprossen‘ in Rottweil, bestellte bei Aho ein Werk in der gleichen Besetzung wie Mozarts berühmtes Quintett KV 452. Abgerundet wird diese Folge der mittlerweile sehr umfangreichen Aho-Reihe des schwedischen Labels BIS mit einem deutlich älteren Werk, dem 'Solo I' für Violine aus dem Jahr 1975. Dieses Stück bildete den Auftakt zu einer Reihe von inzwischen zwölf Solo-Werken, das jüngste (für Viola, zum Gedenken an Ahos Lehrer Rautavaara) wurde im August 2017 uraufgeführt.

Die Traditionsbezüge des Sopransaxophon-Konzertes sind deutlich erkennbar, nicht nur durch die dreisätzige Form, sondern auch durch eine Solokadenz am Ende des Kopfsatzes. Ebenso deutlich scheint aber auch Ahos individuelle Formung der Tradition durch, beginnend mit der einleitenden 'Invocatio', die weit über die Bedeutung einer klassischen Einleitung hinausgeht. Das hier anklingende, zuerst vom Sopransaxophon vorgetragene Motiv ist für das gesamte Werk bedeutend. Nachdem der Solist lange Zeit nur von den Streichern begleitet wird, treten behutsam die übrigen Instrumente hinzu, wobei die Harfe eine gewisse Sonderstellung einnimmt. Paulsson nutzt den Solopart zur Demonstration seiner lyrischen und virtuosen Fähigkeiten; die Gestaltung der weit ausschwingenden, meist tonalen Kantilenen gelingt ihm ebenso überzeugend wie die (deutlich moderner akzentuierten) Presto-Passagen in den Ecksätzen.

Das ohnehin schlank besetzte Orchester wird von Storgårds zu einer behutsamen Begleitung angehalten, so dass der Solist niemals zugedeckt wird. Dadurch tritt zwar ein Merkmal in vielen Konzerten Ahos – die symphonische, gleichberechtigte Behandlung von Solist und Orchester – etwas zurück. Aber der so entstehende Effekt ist vollauf überzeugend, dem Tondichter ist (einmal mehr) ein anspruchsvolles, aber auch zugängliches Werk gelungen, das Musiker und Hörer fordert, aber nicht überfordert. Die klangliche Balance ist zudem ausgezeichnet: Dort, wo das Orchester weitgehend zurücktritt (etwa im kurzen Mittelabschnitt), agiert Paulsson ohnehin konkurrenzlos, und wo das Orchester größeren Anteil hat, ist die akustische Ausgewogenheit stets vorhanden.

Verglichen mit dem Konzert ist das Quintett ein etwas schwächeres Werk, das vor allem im Kopfsatz einige merkwürdig uninspirierte Passagen aufweist. Allzu oft wiederholen sich hier begleitende Motive, es entsteht nicht die expressive Kraft, die viele Werke des Finnen auszeichnet. Die fünf Musiker, allen voran der tadellose Pianist Väinö Jalkanen, geben ihr Bestes und können vor allem die rasanten Abschnitte zwei und vier schlüssig gestalten. Dennoch bleibt die Wirkung blasser, will der Funke nicht so recht überspringen; Aho scheint sich im orchestralen Bereich deutlich wohler zu fühlen als in der Kammermusik. Als zeitgenössischer Beitrag zu der ungewöhnlichen Besetzung hat das Stück zweifelsohne seine Berechtigung.

Virtuosität ist der zentrale Aspekt im 'Solo I' für Violine, und Jaakko Kuusisto lässt sich hier nicht zweimal bitten. Das knapp zehnminütige Stück fordert dem Interpreten ein hohes Maß an Gestaltungskraft und Flexibilität ab, über die der mit Ahos Werk seit langer Zeit vertraute Violinist jederzeit verfügt. So entsteht der gelungene Abschluss einer Veröffentlichung, die das bisherige hohe Niveau der vorangegangenen Aho-CDs bei BIS mühelos hält. Neben der interpretatorischen und klanglichen Qualität sind auch die Beiheft-Texte zu loben, in denen der Komponist ohne jede Spur von Selbstbeweihräucherung knapp und gut verständlich seine Werke erläutert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Aho, Kalevi: Saxophonkonzert und Bläserquintett

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
04.10.2017



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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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